Acholshausen

Tanzen wie in alten Zeiten

Kratzfuß, Knicks und Kompliment: An dem aus der Mode gekommenen Tanz „Frasee“ hatten beim Gaukönigshöfer Marktfest nicht nur die Tanzpaare sondern auch die Zuschauer ihren Spaß.
Foto: Hannelore Grimm | Kratzfuß, Knicks und Kompliment: An dem aus der Mode gekommenen Tanz „Frasee“ hatten beim Gaukönigshöfer Marktfest nicht nur die Tanzpaare sondern auch die Zuschauer ihren Spaß.

Beim 20. Marktfest in Gaukönigshofen feierte der längst aus der Mode gekommene Tanz „Francaise“ eine fröhliche Wiederkehr. Hunderte von Zuschauern ließen sich anstecken von dem sichtlichen Spaß der zwölf Paare, die sich auf dem Asphalt vor dem Rathaus drehten. Emil Korbmann leitet die Gruppe der Tänzerinnen und Tänzer, die aus Gaukönigshofen, Eichelsee, Rittershausen, Acholshausen Giebelstadt und Kist stammen.

Der Francaise (ausgesprochen: „Frangßähs“ und auf fränkisch „Frasee“), dessen Schritte und Bewegungen an die Zeit der Reifröcke, Perücken, Kniebundhosen und Schnallenschuhe erinnern, war ursprünglich eine Tanzform, die nur in höfischen Kreisen gepflegt wurde. Nachdem er später auch Eingang in die bürgerliche und bäuerliche Gesellschaft gefunden hat, war diese Art des Tanzens auch in Gaukönigshofen beliebt.

Noch bis in die Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges spielten am Kirchweihfest und am Faschingssonntag in den Gasthäusern „Zur Gaubahn“ und „Zum Gaugrafen“ sowie beim „Kinzingers Bastl“ Musikanten zum Tanz auf. Dabei wurden die Zeiten für den „Francaise“ so versetzt, dass die Paare von einem Lokal ins andere wandern konnten, um überall teilzunehmen.

Während die jüngeren Besucher des Marktfests sich fragten, was denn da getanzt wird, kennt ein älterer Gaukönigshöfer den Tanz noch aus Erzählungen. „Des is a Frasee“ erklärt er in bestem „Künshöferisch.“

Ein echter „Künshöfer“ war auch der 1899 geborene Stephan Michel. Bevor er 1929 nach Mecklenburg übersiedelte, verstand es der junge Landwirtssohn mit seiner guten Beobachtungsgabe, das Leben und den Alltag in seinem Heimatort in Mundartgedichten festzuhalten. In dem, von den Nachkommen herausgegebenen Bändchen „Der Schlaumeier“ gibt Stephan Michel exakt und unterhaltsam den „Frasee“ zum Besten.

Bevor er sich mit den Bewegungen der Paare befasst, mokiert er sich über die „Tanzwut die überool herrscht“:

„Und auf'n letzta Bauradorf, ob's groaß it oder klee, wenn's aa blos fuchza Häuser hätt, so tanzt mer doch Frasee.“

Beim Marktfest hätte der 1984 verstorbene Stephan Michel unweit seines Geburtshauses erleben können, dass der heutige Spaß am „Frasee“ dem von anno dazumal in nichts nachsteht.

„Doch guckt mer zua, sie dauern een ja bloß die arme Tröpf, Wie se hantiere mit der Bee und wackle mit der Köpf.

Sie stänna in zwä Reiha dort,

örscht künnt a Kupplament,

no gäht se ou, die Schlorcherei

und nimmt fast gor kee End.

Da gäht's amol im Kringel rümm,

na widder rü' und nü'.

Des Paarla, wua grod nüber stäht, häßt hochdeutsch ,vis-a-vis‘.

Wenn's gor it, geit mer sich die Hend und tut an Kratzfuß mach, bedankt sich ouberdrei racht schöä, na kümmt a Walzer nach.“

Auch wenn Stephan Michel abschließend feststellt: „Doch der Frasee daar it und bleibt a überspannt's Getua“, waren die Besucher begeistert von diesem „Getue“ der Frasee-Tanzgruppe, die mit ihren Darbietungen für eine begeisternde Unterhaltung sorgte.

ONLINE-TIPP

Einen ausführlichen Bericht übers Marktfest finden Sie in der Dienstagsausgabe. Mehr Bilder gibt schon jetzt im Internet unter www.mainpost.de

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