Würzburg

Theater: Auf der Suche nach dem ultimativen Franken

Gruselfaktor über den Dächern von Würzburg: Ab Donnerstag zeigt das Theater am Schützenhof das neue Stück „Franggnstein“. Ein Besuch bei den Proben.
Ist da ein Franke in der Kiste? Die Kostüme sind noch nicht ganz fertig, aber die Mimik sitzt: Martin Hanns, Birgit Süß, Georg Koeninger und Heike Mix (von links)  zeigen bei einer ihrer letzten Proben am Schützenhof ihren erschrockenen Blick.
Foto: thomas obermeier | Ist da ein Franke in der Kiste? Die Kostüme sind noch nicht ganz fertig, aber die Mimik sitzt: Martin Hanns, Birgit Süß, Georg Koeninger und Heike Mix (von links) zeigen bei einer ihrer letzten Proben am Schützenhof ...

„Hat jemand das Bein gesehen?“ Heike Mix blickt über die Biergarnituren, wühlt sich durch abgetrennte Füße, bunte Perücken und mit Korken beklebte Haarreifen. Zum 15. Mal hintereinander verbringt die Schauspielerin ihren Sommer über den Dächern von Würzburg. Immer an ihrer Seite: Birgit Süß, Georg Koeniger und – seit diesem Jahr – Martin Hanns. Ab Donnerstag spielt das Quartett des Theaters am Schützenhof den „puren Horror für alle Spaßphobiker“, die neue Produktion „Franggnstein“.

„Die Erfindung des ultimativen Franken schwirrt schon immer in unseren Köpfen rum“, erklärt Mix die Idee des Stückes. Es ist einer der letzten Probeabende vor der Premiere am 9. Juli. Aus dem anliegenden Biergarten hört man Gläser klimpern, im Gehege neben der Bühne schnattern Gänse und mittenrein dringt das Surren eines Bohrers. „Wir haben eine unheimlich schöne Crew“, schwärmt Mix und deutet auf die Bühnenbildner. Markus Czygan und Claudia Rath springen von einer Ecke zur anderen, befestigen Mauern aus Pappe und sägen ein Loch in Form eines menschlichen Körpers aus. „Franggnstein“ ist wohl ein Grobmotoriker.

Acht Monate lang hat die Truppe unter der Regie von Martina Esser Szenen und Lieder rund um einen fränkischen Adeligen geschrieben, der für seine Ehefrau ein Monster als Küchenhilfe erschaffen will. Wie immer spielt auch diese Geschichte des gruseligen Mängelexemplars auf Begebenheiten der Würzburger Stadtgeschichte an. Die städtebauliche Entwicklung, die Asyl-Politik, das Mozartareal und bekannte Persönlichkeiten kommen in der Eigeninterpretation des Romans von Mary Shelleyikers vor. So gibt es eine Szene, in der sich die Eltern über ihre Kinder Balthasar Neumann, dem Baumeister der Residenz, und Julius Echter, dem Fürstbischof zur Zeit der Hexenverbrennungen, unterhalten. Während die einen „er baut und baut und baut“ über ihren Nachwuchs sagen, lassen die anderen wissen, ihrer „brennt und brennt und brennt.“

Trotz der vielen Anspielungen sei „Franggnstein“ nicht nur was für alteingesessene Würzburger: „Auch Touristen, die das alles nicht kennen, können mitreden und mitlachen“, betont Mix. Vor allem die Gruselelemente seien in diesem Stück ganz besonders. So werde etwa das Monster „mit viel Blitz und Gedöns und Gemach“ erschaffen.

Verkörpert wird dieses fränkische Etwas vom Neuen in der Runde, dem Kabarettisten und Komponisten Martin Hanns, der den pausierenden Florian Hoffmann ersetzt. „Er kann und macht alles. Und das, obwohl er drei Produktionen parallel laufen hat“, schwärmt Birgit Süß. Und tatsächlich beweist Hanns bei den Proben vielseitiges Geschick. Gekonnt dreht der studierte Musiker erst auf übergroßen Stöckelschuhen eine Runde um die Bierbänke, schnürt sich dann fies dreinblickend ein Zick-Zack-Haarband als Narbe um den Hals und schreit anschließend als „Main-Postillon“ aus voller Kehle die ersten Worte des Stückes vom Schützenhof wie ein ultimativer Franke über die Dächer Würzburgs hinweg: „Horch emooool!“

„Franngnstein“ läuft vom 9. Juli bis 15. August, jeweils ab 20.30 Uhr. Tickets und Infos gibt es auf www.theater-am-schützenhof.de und unter Tel. (09 31) 37 23 98.

 
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