Würzburg

Tina Dico: "Ich will nicht mehr mit der Musik kämpfen"

Interview unter Musikern: Caro und Andreas Obieglo (außen) vor dem Auftritt beim Hafensommer im Gespräch mit Tina Dico und Helgi Jonsson.
Foto: THERESA MÜLLER | Interview unter Musikern: Caro und Andreas Obieglo (außen) vor dem Auftritt beim Hafensommer im Gespräch mit Tina Dico und Helgi Jonsson.

Die Musik des Ehepaares Tina Dico und Helgi Jonsson kannten Andreas und Caro Obieglo, besser bekannt als Carolin No, bereits. Beim Hafensommer haben sich die beiden Musikerehepaare jetzt persönlich getroffen. Für die Main-Post haben Caro und Andreas Obieglo mit den dänisch-isländischen Gästen über das Eheleben als Musiker, Produktionsbedingungen, die Tage und Wochen auf Tournee und auch über Haustiere unterhalten.

Andreas Obieglo: Ich möchte mit einigen Fragen über den Songschreibeprozess beginnen. Wie hältst Du spontane Ideen fest? Hast Du ein Notizbuch, das du immer dabei hast?

Tina Dico: Durch die moderne Technik sind meine Notizen eher verteilt, ich mache kleine digitale Notizen auf meinem Telefon oder speichere Entwürfe in meinem Emailprogramm: Wie zum Beispiel kleine Textideen, allgemeine Gedanken oder auch Tagebucheinträge.

Caro Obieglo: Das heißt Du schreibst eher auf dem Computer als auf Papier?

T. Dico: Ja, ich schreibe nur sehr selten noch auf Papier. Die Vorstellung, wie ich eine Idee auf mein Telefon aufnehme ist leider nicht so schön und romantisch, aber es ist dieser Tage oft die einfachste Lösung. In der Vergangenheit habe ich ein Notizbuch nach dem anderen vollgeschrieben, bin dann aber meistens nicht mehr zu den Notizen zurückgekehrt und habe daher das Geschriebene eigentlich nie verwendet.

A. Obieglo: Caro und ich haben kürzlich eine TV-Serie namens „Nashville“ geschaut und wir fanden die Tatsache, dass dort in sogenannten „Writers Rooms“ geschrieben wird, sehr inspirierend. Wir haben das dann ausprobiert und sind kläglich gescheitert. Könnt ihr zusammen, im gleichen Raum, zur gleichen Zeit schreiben?

Helgi Jonsson: Gute Frage. Manchmal passiert das aus einer Notwendigkeit heraus, oder auch, bei einer speziellen Gelegenheit. Zum Beispiel bei unseren letzten Album-Aufnahmen: Wir waren eigentlich mit allem fertig, hatten aber mit der Band, die extra aus Amerika eingeflogen war, noch einen Tag zur Verfügung. So haben wir an diesem Tag drei Songs geschrieben und alle drei, haben es auf das Album geschafft.

T. Dico: Ich muss mich mit der entstandenen Musik dann zurückziehen, darüber nachdenken und sehen wohin es textlich gehen könnte.

A. Obieglo: Eine übliche Reihenfolge in Bezug auf Text und Musik – was kommt zuerst – gibt es also nicht?

T. Dico: Nein, das variiert . . .

H. Jonsson: Bei mir wiederum nicht, ich schreibe immer zuerst und eigentlich auch zuletzt die Musik (lacht). Ich bin leider nicht so erfahren und geübt im Texte schreiben …

T. Dico: Du denkst dafür mehr in Klängen und Klangfarben und setzt Deine Stimme wie ein Instrument ein, da stehen Dir Worte manchmal fast im Weg.

H. Jonsson: Ich habe für eine Oper, die an der Berliner Schaubühne gespielt wurde, die Musik gemacht. Das Projekt lief jetzt drei Jahre und mindestens die Hälfte der Texte, die ich sang, waren in einer erfundenen Sprache.

T. Dico: Die Leute dachten aber immer es wäre isländisch … (lacht)

H. Jonsson: Das stimmt! Die Leute gingen einfach davon aus und sagten auch, wie schön isländisch klingt.

T. dico: Und wie poetisch . . .

C. Obieglo: Wie verbringt ihr die letzten sechzig Minuten vor einem Konzert?

H. Jonsson: Meistens versuchen wir ein anderes Musiker-Ehepaar zu finden, mit dem wir uns unterhalten können (lacht).

C. Obieglo: (lacht) Als wir beim Hafensommer-Festival 2010 den Abend mit Dir geteilt haben, sah es kurz vor dem Konzert so aus, als würdest Du Yoga machen?

H. Jonsson: Vielleicht war einfach gerade niemand da mit dem ich reden konnte.

A. Obieglo: Ganz etwas anderes: Habt ihr Haustiere? Caro möchte einen Hund und ich muss immer sagen: Nein, es ist noch zu früh, wir müssen doch bald wieder auf Tour . . .

H. Jonsson: Das ist ja lustig, Tina sagte gestern im Bus (zögert) …

T. Dico: (lacht) In Island bekommen die Leute für gewöhnlich viele Kinder. Im Bus gestern habe ich sinngemäß gesagt, dass ich mit dem Gedanken spiele, anstatt eines weiteren Kindes vielleicht einen Hund in die Familie aufzunehmen. Das ist nur ein Gedanke auf experimenteller Ebene, wahrscheinlich kommt es eher nicht dazu . . .

H. Jonsson: Es bedeutet übrigens auch nicht, dass wir unsere Kinder momentan in Zwingern in der Garage aufziehen (lacht) …

T. Dico: . . . also nein, wir werden wahrscheinlich erstmal keinen Hund haben, weil wir soviel reisen.

A. Obieglo: Ihr habt ja eure letzten beiden Alben auch in eurem Heimstudio produziert. Das heißt, dass Studiozeit zu einem Faktor wird, der sozusagen unendlich vorhanden ist. Wie bringt ihr eure Songs und Produktionen zu einem Ende, wie schließt ihr Dinge ab?

H. Jonsson: Uns ist ein gewisser Druck, den wir uns selber machen, immer bewusst. Wir haben bereits eine Tour für 2017 gebucht, also sollten wir bis dahin auch wirklich ein neues Album haben.

T. Dico: Ich muss auch dazusagen, vielleicht klingt das langweilig, aber durch unsere Kinder hat sich unheimlich viel verändert. Als unser zweites Kind geboren wurde, steckten wir gerade mitten in den Aufnahmen unseres neuen Albums. Das heißt, wenn sie einschlief wussten wir, dass wir diese Stunde jetzt wirklich nutzen müssen um an der Musik zu arbeiten, weil wir nicht viel mehr Zeit haben werden. Man muss produktiv sein und ist es dann auch.

H. Jonsson: Es ist aber verblüffend: Seit unser erstes Kind geboren wurde, haben wir definitiv nicht weniger gearbeitet als vorher, eher im Gegenteil.

T. Dico: Wir haben nicht mehr den Luxus viel Zeit zu haben. Deswegen brauchen wir auch das Studio zu Hause, denn nur das gibt uns die Möglichkeit trotzdem effizient zu arbeiten.

H. Jonsson: Und wenn wir mit der Produktion dann beginnen, braucht es eigentlich nur noch einen oder zwei Songs, die die Richtung vorgeben und um diese „Kernstücke“ bauen wir dann das Album.

C. Obieglo: Trotzdem ist es doch verlockend immer noch einmal etwas zu ändern . . .

T. Dico: Ja, aber ich bin so nicht mehr, ich habe kein großes Interesse mehr an Details. Wenn sich der Song gut anfühlt, wenn man ihn einfach spielen kann, dann wird er funktionieren. Man gerät bei der Produktion nur dann ins Schleudern, wenn der Song noch nicht gut genug ist und man versucht das mit Produktionstricks zu beheben. Und das ist auch etwas was ich für mich herausgefunden habe, ich will nicht mehr mit der Musik kämpfen.

A. Obieglo: Ich finde das ein wunderbares Schlusswort.
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