KÜRNACH

Torten- statt Spatenstich

Süßes statt Sand: Den etwas anderen „Spatenstich“ genossen  (von links) Gemeinderat Edgar Kamm, Paul Lehrieder, Elisabeth Schäfer, die Gemeinderäte Matthias Heinrich und Alfons Konrad, Andreas Metschke, Thomas Eberth, Ralph Schäffner, Joachim Rehbein (Baufirma), Landtagsabgeordnete Kerstin Celina, die stellvertretende Bürgermeisterin Sieglinde Bayerl und Gemeinderat Claus Schreiner.
Foto: Guido Chuleck | Süßes statt Sand: Den etwas anderen „Spatenstich“ genossen (von links) Gemeinderat Edgar Kamm, Paul Lehrieder, Elisabeth Schäfer, die Gemeinderäte Matthias Heinrich und Alfons Konrad, Andreas Metschke, ...

Die Szene war ungewöhnlich für einen Spatenstich: „Ich wünsche einen Guten Appetit“, verkündete Kürnachs Bürgermeister Thomas Eberth, und ein halbes Dutzend Gabeln versenkten sich gleichzeitig in die Butter-Torte. Mit dem Tortenstich ersetzte Eberth auf genial-einfache Art den Spatenstich für den Baubeginn der neuen Ortsmitte.

„Mit Spaten lässt es sich schlecht in Bitumen stechen. Daher haben wir eine Torte mit einem essbaren Foto von Kürnach gewählt“, sagte der Bürgermeister zur Begründung. Nachdem die Ehrengäste gegessen hatte, verteilte er den großen Rest der Torte an die Kürnacher.

Ihnen galt in seiner Ansprache sein größter Dank, denn sie müssen bis Juni 2015 damit leben, dass ihre Ortsmitte eine Großbaustelle wird. Damit aber werde der Dorfplatz „unser neues Schmuckstück“.

Die Gestaltung der Ortsmitte soll der Abschluss einer Reihe von Sanierungen darstellen. Kirchbergsanierung 1999, Altes Rathaus 2004, Haus der Vereine 2009, Rathausumbau 2011, Parkscheunen 2012 und nun die Ortsmitte mit dem bald sanierten Gasthaus „Stern“.

Unzählige Diskussionen im Gemeinderat und unter den Kürnachern, Workshops, Auswahlverfahren, Planungswochenenden hatten im Vorfeld stattgefunden. Seit Jahrhunderten, so Eberth, habe die Dorfmitte eine zentrale Funktion und sei immer wieder verändert, entwickelt, umgestaltet und gebaut werden, um sich an die Gegebenheiten der jeweiligen Zeit anzupassen. „Ein Spatenstich ist immer zugleich Ende und Anfang: Er beendet die Vorbereitung und eröffnet die Bauphase“. Eberth bat auch, die Geschäftsleute in der Bauzone nicht zu vernachlässigen.

Der Kommentar der stellvertretenden Landrätin Elisabeth Schäfer fiel augenzwinkernd aus: „Wenn ich in Kürnach ein Grußwort rede, ist es entweder beim Feiern oder beim Bauen.“ Wie die Bürger in den Bau mit einbezogen würden, „finde ich toll, und die Proteste werden sich hoffentlich in Grenzen halten“.

Der stellvertretende Regierungspräsident Andreas Metschke befand, eine neue Ortsmitte sei „ein Passfoto in den Bewerbungsunterlagen einer Gemeinde“. Lebendige Altorte seien ein wichtiges Ziel in Bayern, „es hat auch etwas mit dem Image eines Ortes zu tun“.

Dazu passte das Grußwort des Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder. Wie es Eberth geschafft habe, den gesamten Altort so aufzureißen, dass alle Bürger damit einverstanden seien, nötigte ihm Respekt an. „Du bist gerade dabei, das Wohnzimmer des Ortes zu möblieren und hast es geschafft, dass die Anwohner nichts zahlen müssen – tolle Leistung“.

Mit viel Witz griff Landschaftsarchitekt Ralph Schäffner vom Planungsbüro arc.grün den von Eberth gern gewählten Begriff einer „Operation am offenen Herzen“ auf. „Hier half kein Bypass, keine Tablette und kein Pflaster. Daher haben Klinikleitung und Chefarzt entschieden: Das lebenswichtige Organ muss von Grund auf erneuert werden.“

Mittlerweile sei der OP-Bereich gesichert und beschildert, mit Infoplakaten verhängt, und der Patient betäubt. „Als ortsgestaltende Berater sind wir für die Optik zuständig, die plastischen Chirurgen. Unsere Aufgabe ist es, den Patienten nach Entfernen der letzten Verbände und Schläuche wie neugeboren erscheinen zu lassen“. Die OP verlaufe nach Plan, Nebenwirkungen seien nicht zu erwarten, „auch wenn sich die männlichen OP-Schwestern die Beine nicht rasieren, sind wir ein prima OP-Team“. Schließlich inspizierten die Kürnacher die Arbeiten.

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