Würzburg

Traumnote: Wie einem Flüchtling ein Einser-Abschluss gelang

Fünf Jahre nach der Flucht nach Deutschland hat Omid Shahnawaz einen hervorragenden Realschulabschluss in der Tasche. Wie er das geschafft hat.
Nach nur fünf Jahren in Deutschland hat Omid Shahnawaz jetzt einen Abschluss mit Traumnote in der Tasche. Auch Heinrich Eckl, Schulleiter der Jakob-Stoll-Realschule, und Lehrerin Mirijam Schneider-Kerentcheva sind stolz auf seine Leistung.
Nach nur fünf Jahren in Deutschland hat Omid Shahnawaz jetzt einen Abschluss mit Traumnote in der Tasche. Auch Heinrich Eckl, Schulleiter der Jakob-Stoll-Realschule, und Lehrerin Mirijam Schneider-Kerentcheva sind stolz auf seine Leistung. Foto: Thomas Obermeier

Als Omid Shahnawaz mit seiner Familie in Deutschland ankam, sprach er kein Wort Deutsch. "Nicht die besten Voraussetzungen", sagt der 17-Jährige heute rückblickend. Doch Omid ließ sich nicht unterkriegen. Heute, nur fünf Jahre später, hat er geschafft, womit damals noch niemand gerechnet hatte. Er hat den Realschulabschluss in der Tasche. Und das mit einem hervorragenden Schnitt von 1,45. Damit ist er der Zweitbeste seines Jahrgangs an der Jakob-Stoll-Realschule (JSR) in Würzburg.

"Ich bin sehr froh, dass es so gut für mich gelaufen ist", sagt Omid mit einem bescheidenen Lächeln. Bei seiner Ankunft in Deutschland im Jahr 2015 hat es für ihn noch ganz anders ausgesehen. Damals habe er bereits über mehrere Jahre hinweg keine staatliche Schule mehr besucht, erzählt der Schüler, der ursprünglich aus Afghanistan stammt.

Von der Mittelschule an die Realschule

In Deutschland angekommen hatte sich das Blatt für den Jugendlichen jedoch schnell gewendet. Als Quereinsteiger besuchte er hier zu Beginn für ein Jahr die Übergangsklasse der Mittelschule in Gaukönigshofen. Dort stand neben einigen anderen Fächern vor allem die deutsche Sprache auf dem Stundenplan. Er selbst habe damals noch keine Vorstellungen gehabt, welche Möglichkeiten ihm noch offen stünden, sagt Omid: "Es war meine Lehrerin, die mir gesagt hat, dass ich weitergehen kann an die Realschule."

Im neuen Schuljahr wechselt Omid Shahnawaz nun ans Gymnasium in Veitshöchheim.
Im neuen Schuljahr wechselt Omid Shahnawaz nun ans Gymnasium in Veitshöchheim. Foto: Thomas Obermeier

Deshalb wechselte der Schüler, der mit seiner Familie in Kürnach lebt, an die Jakob-Stoll-Realschule in Würzburg. Dort gibt es seit fünf Jahren eine von 13 sogenannten Sprint-Klassen in Bayern für Schüler mit geringen Deutschkenntnissen. "Diese Klassen haben das Ziel, intensiv die Sprache zu fördern und die Schüler dann auch relativ schnell in die Regelklassen zu integrieren", erklärt Schulleiter Heinrich Eckl. Das sei ein Konzept, mit dem die Schule sehr gut fahre. Pro Schuljahr starten an der JSR etwa 15 Schüler in die Sprint-Klasse.

Üben mit Büchern und der Zeitung

Omid Shahnawaz war 2016 einer davon. "Die Sprint-Klasse hat mir sehr geholfen, weil wir immer bis nachmittags Unterricht hatten und den ganzen Tag Deutsch gesprochen haben", sagt er. Doch nach dem Unterricht war für Omid nicht Schluss. In seiner Freizeit lieh er sich Bücher aus, las Zeitung und bat Lehrer um zusätzliche Deutschstunden. Mit seiner Deutschlehrerin etwa habe er sich zum Beispiel immer über Krimis unterhalten, um mehr Sprachpraxis zu bekommen, berichtet er.

"Die Lehrer haben mir so viel geholfen. Deshalb wollte ich nie jemanden enttäuschen."
Omid Shahnawaz

"Omid hat sich eben auch selbst Gedanken gemacht hat, wie er sich verbessern kann", sagt Schulleiter Eckl. Diese Eigeninitiative habe ihn von den meisten anderen Schülern unterschieden. Ein bestimmtes Ziel habe er damit aber nicht verfolgt, sagt Omid. "Die Lehrer haben mir so viel geholfen. Deshalb wollte ich nie jemanden enttäuschen", sagt er. Dieser Gedanke habe ihn angespornt, immer sein Bestes zu geben. " Die Integration klappt bei uns an der Schule nur deshalb so gut, weil das Kollegium auch mitgeht", bestätigt Eckl.

Unterstützung bei alltäglichen Problemen

Besondere Unterstützung bekam Omid von Lehrerin Mirijam Schneider-Kerentcheva. Sie betreut die Sprint-Klasse an der JSR und begleitet ihn bereits seit seinem Übertritt an die Realschule – auch über den Unterricht hinaus. Schneider-Kerentcheva helfe den Familien der Sprint-Klassen etwa bei Anträgen, der Wohnungssuche oder anderen alltäglichen Problemen, sagt Eckl. Auch Omid habe die Lehrerin immer zur Seite gestanden.

Deshalb sei sie auch besonders stolz auf seine Leistungen, sagt Schneider-Kerentcheva. "Ich gebe schon manchmal bei den anderen Schülern mit Omid an", sagt sie und lacht. Er selbst freue sich am meisten über die Zwei in der Deutschprüfung, sagt der 17-Jährige. Denn vor dieser Prüfung habe er am meisten gezittert. "Das ist schon eine echte Leistung", bestätigt Schneider-Kerentcheva. Schließlich liege er damit weit über dem bayerischen Schnitt. Mit dem Realschulabschluss ist Omids Schullaufbahn aber noch nicht beendet. Im neuen Schuljahr wechselt er an das Gymnasium in Veitshöchheim.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Kürnach
  • Anna-Lena Behnke
  • Gymnasien
  • Heinrich
  • Lehrerinnen und Lehrer
  • Mittelschulen
  • Realschulabschluß
  • Realschulen
  • Schulrektoren
  • Schülerinnen und Schüler
  • Sprachpraxis
  • Staatliche Schulen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!