Ochsenfurt

Trockenheit verhindert Rekordernte

Eine Zuckerrübe, geerntet am 11. August bei Hopferstadt. Bis dahin war das Wetter noch optimal. Die nachfolgende Trockenheit trübte die Ernteaussichten jedoch. Trotzdem erwartet die Rübenbauern ein entspannter Kampagne-Start und ein gutes Rübenjahr.
Foto: THERESA MÜLLER | Eine Zuckerrübe, geerntet am 11. August bei Hopferstadt. Bis dahin war das Wetter noch optimal. Die nachfolgende Trockenheit trübte die Ernteaussichten jedoch.

Die dünne Rauchsäule über dem Kalkofen der Ochsenfurter Zuckerfabrik kündet bereits vom bevorstehenden Kampagne-Start am kommenden Montag. Ernst Merz von der Rübenabteilung der Fabrik folgt dem Rauch mit bangem Blick in den nahezu wolkenlosen Himmel. Wenn es so trocken bleibt, wie in den vergangenen Wochen, muss er seine bisherigen Ertragsschätzungen nach unten korrigieren.

Vor zwei Wochen haben Ernst Merz und seine Kollegen die letzte Proberodung unternommen. Das Ergebnis gibt nicht nur den Landwirten einen ersten Aufschluss über den Erfolg ihrer Arbeit, sondern dient auch der Produktionsplanung in der Fabrik.

Nach den feuchtwarmen Monaten Juni und Juli hatten sich die Rüben beinahe optimal entwickelt. Sogar von einer Rekordernte sei schon die Rede gewesen, sagt Klaus Ziegler, Geschäftsführer des Verbands fränkischer Zuckerrübenbauer (VFZ). Doch der folgende Niederschlagsmangel stutzte die Erwartungen auf ein Normalmaß zurück.

Von 77 Tonnen pro Hektar im Durchschnitt des fränkischen Anbaugebiets war Ernst Merz in seiner letzten Ertragsschätzung ausgegangen, fünf Tonnen mehr als das fünfjährige Mittel. In den fruchtbarsten Gegenden des Ochsenfurter Gaus liegen die Erträge üblicherweise sogar noch deutlich höher, weil der Lößboden dort besonders viel Wasser speichern kann und den Rüben auch über längere Trockenphasen hinweg hilft.

Dort wo Wasser fehlt, haben die Rüben ihr Wachstum eingestellt – sie schlafen, wie die Bauern sagen. Dieser Sparmodus werde beendet, sobald es wieder regnet, so VFZ-Geschäftsführer Klaus Ziegler. Die Rübe steckt ihre Energie dann aber zunächst in das Blattwachstum.

Weil die Tage bereits kürzer und die Nächte kühler werden, werde kaum noch Zucker gebildet. Entschädigt werden die Landwirte dafür mit guten Erntebedingungen, zumindest am Anfang der Kampagne. Anders als im Trockenjahr 2015, als die Rüben vielerorts wegen des harten Bodens nur unter hohem Kraftaufwand und Maschinenverschleiß gerodet werden konnten, spricht Ziegler heuer von einem „entspannten Kampagne-Start“.

Bis Anfang November werden sämtliche Rüben im fränkischen Anbaugebiet gerodet sein. Auf Mieten an den Feldrändern warten sie dann auf den Abtransport – die letzten bis zum geplanten Kampagne-Ende um die Jahreswende. Die Rüben, die auf dem Hof der Fabrik gelagert werden können, reichen gerade einmal für zweieinhalb Produktionstage. Damit die Rohstoffzufuhr niemals versiegt, muss die Rübenanfuhr deshalb auf die Stunde genau geplant werden.

Geerntet werden die Rüben vorrangig von den Rodegemeinschaften, zu denen sich die Rübenbauern zusammengeschlossen haben. Auch die Anfuhr zur Fabrik wird seit einigen Jahren ausschließlich von Landwirten organisiert.

Die Zuckerrüben-Anbaugemeinschaft Ochsenfurt-Würzburg Süd unter dem Dach des Maschinenrings Maindreieck hat in den Landkreisen Würzburg und Kitzingen fünf der riesigen Rübenvollernter im Dienst, jeder von ihnen mehr als eine halbe Million Euro teuer. Für Verladung und Transport stehen fünf so genannte Lademäuse zur Verfügung und 28 Lastwagen.

Für einige der Mitarbeiter beginnt die heiße Phase der Rübenernte bereits am Samstag. Bei einem Probelauf von Rübenverladung und Rübenannahme in der Fabrik werden neue Transponder getestet, die zum Datenaustausch zwischen Rodemaschinen, Transportfahrzeuge und Zuckerfabrik dienen.

Mit Hilfe der Computertechnik werden sämtliche Daten rund um die Rübenernte von der Rode- und Abfuhrplanung bis zur Menge und Qualität der Rüben zentral erfasst und ausgewertet. Über Internet und Smartphone erhalten die Fahrer der Ernte- und Transportfahrzeuge die für sie relevanten Informationen.

Seit acht Jahren bereits setzt Südzucker in Ochsenfurt auf dieses System, das nicht nur hilft, die Rübenernte zu optimieren, sondern auch die Behinderungen auf öffentlichen Straßen durch Ernte- und Transportfahrzeuge gering hält. Die Diskussion über die zunehmende Datenvernetzung in der Industrie verfolgt VFZ-Geschäftsführer Ziegler deshalb mit einem milden Lächeln: „Wir behaupten, dass die Landwirtschaft da schon wesentlich weiter ist als die Industrie.“

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