Würzburg

Trotz Corona: Medizinstudenten sollen am Krankenbett lernen

Angehende Mediziner müssen auch Patienten sehen – das ist in Corona-Zeiten schwierig. Ein weiteres Digitalsemester will man an der Uni Würzburg aber dringend vermeiden.
Der Umgang mit dem Stethoskop will gelernt sein. Wegen der Corona-Pandemie mussten Medizin-Studierende im Sommersemester auf praktische Einheiten verzichten.
Der Umgang mit dem Stethoskop will gelernt sein. Wegen der Corona-Pandemie mussten Medizin-Studierende im Sommersemester auf praktische Einheiten verzichten. Foto: Uwe Anspach, dpa

Qualifizierte Mediziner braucht das Land – doch die Corona-Pandemie könnte zur Gefahr für ihre Ausbildung werden. Die medizinischen Fakultäten der deutschen Hochschulen schichten den  Lehrplan um und veranstalten Online-Vorlesungen. Aber gerade in der Medizin lässt sich vieles nur im Labor, in Lehrkliniken und direkt am Krankenbett erlernen. Wegen der Corona-Vorgaben sind diese Einsätze im Moment nur sehr eingeschränkt möglich, auch an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität (JMU) und der Universitätklinik.

Sommersemester mit Digital-Angeboten noch gut geschafft

Das zu Ende gehende Sommersemester habe man noch gut auffangen können, sagt Dekan Professor  Matthias Frosch, der als Präsident des Medizinischen Fakultätentages auch Sprecher aller deutschen Hochschulen für die Medizinerausbildung ist. Eine Umfrage habe gezeigt: "Noch haben wir keine Verzögerungen durch Corona, die Regelstudienzeit kann eingehalten werden."

"So kann es nicht weitergehen, das ist klar."
Medizin-Dekan Matthias Frosch zum kommenden Wintersemester

Die notgedrungen forcierte Digitalisierung habe auch ihre positiven Effekte gehabt, sagt Frosch. Neue Lehrformate wurden eingeführt, da werde man Bewährtes behalten und verfeinern. Doch der Mediziner warnt vor einem weiteren rein digitalen Semester im Herbst und Winter: "So kann es nicht weitergehen, das ist klar." Zu viel bliebe auf der Strecke.

Prof. Matthias Frosch von der Uni Würzburg steht seit 2019 als Präsident allen deutschen Medizin-Fakultäten vor. Er warnt vor einem weiteren rein digitalen Semester im Winterhalbjahr.
Prof. Matthias Frosch von der Uni Würzburg steht seit 2019 als Präsident allen deutschen Medizin-Fakultäten vor. Er warnt vor einem weiteren rein digitalen Semester im Winterhalbjahr. Foto: Johannes Kiefer

Zwar könnten Online-Vorlesungen auch in Zukunft sinnvoll sein, man brauche aber "Hybrid-Lösungen" – also eine Mischung aus Digital- und Präsenzlehre. "Das Medizinstudium lebt wesentlich vom Unterricht am Krankenbett, von der Begegnung mit Patienten", sagt Frosch. In Corona-Zeiten ein schwieriger Spagat für die Verantwortlichen von Fakultät und Uniklinik. Mediziner müssen ausgebildet, Patienten aber vor einer möglichen Ansteckungsgefahr geschützt werden.

Mit Coronatests: Medizinstudierende an die Uniklinik

Man arbeite derzeit fieberhaft an Konzepten, um auch unter diesen Umständen eine Ausbildung in der Klinik zu ermöglichen, sagt der Dekan. Denkbar sei, dass Studierende über einen längeren Zeitrum auf derselben Station eingesetzt bleiben. Außerdem sollen sie vor Beginn und in der Folge wiederholt auf das Coronavirus getestet werden.

Noch hat die Corona-Pandemie die rund 2600 Studierenden der Humanmedizin in Würzburg nicht ausgebremst. Um im Wintersemester auch mit Blick auf anschließende Examen etwas Luft zu haben, beginnt die Vorlesungszeit für alle Medizinstudenten ab dem zweiten Semester regulär bereits am 12. Oktober – drei Wochen früher als in anderen Fächern, die nach hinten geschoben wurden.

Und wenn wegen einer zweiten Welle auch das Wintersemester ausschließlich digital laufen muss? Falls praktische Lehrinhalte nicht aufzuholen sind, könnte das Studium gestreckt werden, sagt Frosch. Er hofft, dass es nicht dazu kommt. In jedem Fall werde man die angehenden Mediziner auch in Corona-Zeiten ordentlich ausbilden: "Sie lernen alles, was dazugehört." 

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