Gelchsheim

Um Maria Lichtmess ranken sich zahlreiche Bräuche

 Am Tag Maria Lichtmess der am Sonntag, 2.Februar gefeiert wird, spielt das Licht der Kerzen seit alters her eine besondere Rolle. Kerzen, die seit Jahrhunderten das Licht Christi symbolisieren, säumen auch den "Weg der Lichter", der am Samstag, 1.Februar, von Osthausen nach Oellingen führt. Die Veranstaltung mit Pfarrer Gregor Sauer beginnt um 17.30 Uhr vor der Kirche in Osthausen und endet mit einem geselligen Beisammensein vor dem Oellinger Gotteshaus. Auf dem Wirtschaftsweg, der die Gelchsheimer Ortsteile miteinander verbindet, stehen im Mittelpunkt der Gebete und Gesänge das Licht und dessen Bedeutung für die Menschen.
Mit Fackeln und Kerzen erhellen Klein und Groß den 'Weg der Lichter', der am Vorabend von Lichtmess von Osthausen nach Oellingen führt.
Foto: Hannelore Grimm | Mit Fackeln und Kerzen erhellen Klein und Groß den "Weg der Lichter", der am Vorabend von Lichtmess von Osthausen nach Oellingen führt.

 Am Tag Maria Lichtmess der am Sonntag, 2.Februar gefeiert wird, spielt das Licht der Kerzen seit alters her eine besondere Rolle. Kerzen, die seit Jahrhunderten das Licht Christi symbolisieren, säumen auch den "Weg der Lichter", der am Samstag, 1.Februar, von Osthausen nach Oellingen führt. Die Veranstaltung mit Pfarrer Gregor Sauer beginnt um 17.30 Uhr vor der Kirche in Osthausen und endet mit einem geselligen Beisammensein vor dem Oellinger Gotteshaus. Auf dem Wirtschaftsweg, der die Gelchsheimer Ortsteile miteinander verbindet, stehen im Mittelpunkt der Gebete und Gesänge das Licht und dessen Bedeutung für die Menschen.

Das alte Sprichwort, das sagt "an Lichtmess können die Herren am Tag ess", ist auch heute noch bei der ländlichen Bevölkerung so gebräuchlich wie es  auch heißt, dass es nach den langen, dunklen Wintermonaten mit immer länger werdenden Tagen " wieder nauswärts geht." 

Lichtmess war einst ein großer Feiertag

Neben den zahlreichen Bauernregeln und den Bräuchen, die sich um den 2.Februar ranken, galt Lichtmess einst als ein großer Feiertag, dessen Tradition Hunderte von Jahren zurück reicht. Bereits um die Mitte des 5.Jahrhunderts wurde in Rom der 40.Tag nach der Geburt Jesu am 2.Februar als ein Fest der Begegnung gefeiert. Aus dieser Zeit bekannt ist auch eine Lichterprozession in Rom. Dass dabei die für die Prozession benötigten  Kerzen gesegnet wurden, lässt sich seit dem 10.Jahrhundert nachweisen.

Obwohl das Fest von seinem Ursprung her ein ,,Herren-Fest" war, galt es später als ,,Marienfest" (Maria Reinigung) als das es auch bis 1570 im Römischen Messbuch verzeichnet war. Wenn auch der deutsche Name ,,Maria Lichtmess" bis heute verwurzelt blieb, bestimmte 1969 der römische Generalkalender: "Der Name dieses Festes wird geändert. Er heißt: ,,Darstellung des Herrn. So wird deutlich das es sich um ein Herrenfest handelt." Die Kirche erinnert mit dem Fest daran dass, gemäß nach dem jüdischen Glauben Maria im Tempel die Reinigungsrituale vollzog und ihren Erstgeborenen Gott weihte.

In der Gaukönigshöfer Kirche erinnert die Darstellung des Herrn an die biblische Geschichte, in der Maria das Jesuskind Gott weihte.
Foto: Hannelore Grimm | In der Gaukönigshöfer Kirche erinnert die Darstellung des Herrn an die biblische Geschichte, in der Maria das Jesuskind Gott weihte.

Darstellung in der Gaukönigshöfer Kirche

Diese biblische Geschichte verdeutlicht die Darstellung des Herrn, die in der  Gaukönigshöfer Kirche aufgestellt ist. In der mit unzähligen Details ausgeschmückten Stadtkulisse und dem Tempel erzählen die uralten Figuren, die von Renate Busch restauriert worden sind, ihre eigene Geschichte.

Laut Pfarrer Klaus König ist der Grundbestand der in der hiesigen Region wohl einmaligen Darstellung, schon sehr alt. Vermutlich wurden die aus Wachs bestehenden Köpfe der Figuren von einem Pater gefertigt, der um das Jahr 1800 in Acholshausen gelebt hat. In der Szenerie dürfen unter den angebotenen Waren am Marktstand die Kerzen nicht fehlen. Kam doch auch im Volksglauben den Kerzen eine große Bedeutung zu.

Durch den kirchlichen Segen wurde wurde den Kerzen eine besondere Heilkraft für Mensch und Tier, Haus und Hof und sowie Schutz vor Krankheit, Tod und bösen Geistern nachgesagt. In der Todesstunde angezündet sollte der Schein der Lichtmess-Kerze böse Geister fern halten und den Weg ins Jenseits erhellen.

Reiner Zierrat waren die Wachsstöcke die einstmals an Lichtmess in der Kirche gesegnet wurden. Die teilweise sehr alten Exemplare, darunter auch die schwarzen Gewitterkerzen, stammen aus der umfangreichen Sammlung von Bruno Graber in Aub.
Foto: Hannelore Grimm | Reiner Zierrat waren die Wachsstöcke die einstmals an Lichtmess in der Kirche gesegnet wurden. Die teilweise sehr alten Exemplare, darunter auch die schwarzen Gewitterkerzen, stammen aus der umfangreichen Sammlung ...

Verzierte Wachsstöcke wurden an Lichtmess gesegnet

Unter den Kerzen für den Hausgebrauch fehlte in keinem Anwesen die schwarze Gewitterkerze. Sie wurde angezündet, um mit ihrem Schein drohende Unwetter  zu vertreiben. Zu den Kerzen die an Lichtmess den kirchlichen Segen bekamen, zählten auch die reich verzierten Wachsstöcke. Die kleinen Kunstwerke, die vorrangig christliche Motive zeigen, galten als reiner Zierrat. Sie wurden verwahrt und nie angezündet. Unter den Hunderten von Exemplaren, die der Auber Bruno Graber gesammelt hat, finden sich Wachsstöcke die einstmals mit Vorliebe zur Hochzeit, Taufe oder Kommunion und Firmung verschenkt wurden. 

Beginn des bäuerlichen Arbeitsjahres

Mit dem Lichtmesstag, der in Bayern bis in das Jahr 1912 ein gesetzlicher Feiertag war, begann früher auch ein neues bäuerliches Arbeitsjahr. Gleichzeitig war er ein wichtiger Tag für die Mägde und Knechte. Die Dienstboten bekamen nicht nur den Rest ihres Jahreslohnes ausgezahlt, sie konnten sich an Lichtmess auch entscheiden, ob sie sich eine neue Stelle suchen oder ihr Arbeitsverhältnis um ein weiteres Jahr verlängern.

Für die Landbevölkerung lautete der Spruch des Tages: "An Lichtmess fängt der Bauersmann neu mit des Jahres Arbeit an." Für alle Menschen, die sich nach Sonne und Wärme sehnen, galt die Regel: "Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell."

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