Würzburg

Vegane Vielfalt auf dem Würzburger Marktplatz

Gäste aus der gesamten Region kamen am Samstag zur 2. Veganmania.
Foto: Pat Christ | Gäste aus der gesamten Region kamen am Samstag zur 2. Veganmania.

Ob sie heute Morgen etwas Anständiges in den Magen bekommen hat? Natalja Grünemayer lacht: „Absolut!“ Mit Brot, veganer Wurst und veganem Käse fühlte sie sich bestens gestärkt, um die Bühne der 2. Würzburger Veganmania zu erobern. Dort schlüpfte die 30-Jährige vom Tierschutztheater Ingolstadt am Samstag in die Rolle der Lisa. „Auf dem Volksfest“ hieß eines der Stücke, mit dem das Ensemble darauf aufmerksam machte, wie bedenkenlos mit Tieren umgegangen wird.

Seit fünf Jahren isst Natalja Grünemayer Aufstriche statt Emmentaler und vegane Wurst statt Schinken und Salami. „Rüdiger Dahlke hat mich mit seinem Buch ‚Peace Food’ dazu gebracht“, erzählt die junge Frau, die zuvor schon zehn Jahre lang Vegetarierin gewesen war. Sich selbst fortan „Seelennahrung“ à la Dahlke zu gönnen, genügte der Ingolstädterin jedoch nicht. Über das Theaterspielen fordert sie andere Menschen dazu auf, Frieden mit Tieren zu schließen: „Es gibt doch heute so viele Möglichkeiten, etwas Leckeres zu essen, ohne dass Blut fließt.“

Den Wunsch, andere Menschen zum Umdenken zu bewegen, hegt auch Anna-Maria Dürr. Die 28-Jährige half mit beim Stand des Vereins „Veganes Würzburg“, der die „Vegamania“ organisierte. Dürr ist Chemielaborantin: „Während meiner Ausbildung wurde ich mit dem Thema ‚Tierversuche’ konfrontiert.“ Von einem Professor, der sich für „Ärzte gegen Tierversuche“ einsetzte, erfuhr die Azubine, dass es hervorragende Alternativen zu Tierversuchen gibt. Anna-Maria Dürr begann, hierüber, aber auch über Massentierhaltung, Tiertransporte und andere Schrecklichkeiten rund um Stall und Metzgertheke nachzudenken.

„Tiere achten statt schlachten.“

Norbert Brauer kam vor zehn Jahren auf der Autobahn zum veganen Leben. „Ich war damals Fernfahrer“, erzählt der 55-jährige Elektromeister, der sich in Nürnberg für die Initiative „Animal Rights Watch“ engagiert. Vor ihm fuhr ein Laster, auf dessen Ladefläche ein Sticker prangte: „Tiere achten statt schlachten.“ Über eine Stunde tuckerte Brauer hinter dem Truck her: „In dieser Zeit brannte sich der Spruch in mich ein.“ Zu Hause suchte er im Internet nach Argumenten gegen das Töten von Tieren zu Ernährungszwecken: „Ich las, wie der Fleischkonsum mit dem Klimawandel und der Welternährungskrise zusammenhängt.“ Im Februar vor zehn Jahren aß er seine letzte Leberkäsesemmel.

Jonas Reiser und Christian Manger sind noch keiner Veganer. Allerdings finden sie das Thema spannend. Darum begaben sich die beiden jungen Männer aus Lohr am Samstag zur Veganmania. „Wir möchten neue Geschmäcker entdecken“, erklärte Maschinebaustudent Reiser. Bei „Veggie Bros“ kamen die zwei voll auf ihre Kosten. Reiser genehmigte sich einen veganen Falafal-Wrap mit Apfel-Mango-Chutney: „Der schmeckt echt super.“

Noch isst Jonas Reiser Fleisch: „Doch jedes Jahr weniger.“ Vor allem achtet er darauf, dass Braten und Wurst möglichst vom Metzger kommen. Fleisch sei für ihn heute ein „Genussmittel“, das er bewusst konsumiert, so der 24-Jährige. Ganz darauf verzichten möchte er jedoch noch nicht.

Auch veganes Essen macht satt

Veganes Essen, lautet ein Vorurteil, macht nicht satt. Dass das nicht stimmt, demonstrierte Gina Schäflein, Chefin des Würzburger Cafés „Up! Fresh Energy“, im „Kochstudio“ auf der Veganmania-Bühne. Aus Paprika, Walnüssen, Ursalz und Olivenöl kreierte sie ein leckeres Pesto: „Als Parmesanersatz könnt ihr Hefeflocken verwendet.“

Zu Schäfleins Team gehört Yaser Shahabeddily. Der 32-jährige Koch, der aus dem Iran stammt, ist es von Kind auf gewohnt, wenig Fleisch zu essen: „Unsere Gerichte bestehen zu einem großen Teil aus Gemüse.“ Vor knapp zwei Jahren versuchte Shahabeddily, ganz auf tierische Produkte zu verzichten. Das fiel ihm nicht weiter schwer. Doch sein Körper streikte plötzlich: „Ich kippte um und kam ins Krankenhaus, wo man feststellte, dass ich viel zu wenig Eisen habe.“

Dieses Problem, erinnerte sich der Koch, hatte er schon als Kind gehabt. Sich rein vegan zu ernähren, scheint bei ihm nicht zu klappen: „Da ist nun mal jeder Körper anders.“ Shahabeddily begann vor zwei Monaten, seinem Speiseplan wieder Fisch, Hühnchen und Pute zuzufügen. Nur Rind- oder Schweinefleisch mag er noch immer nicht essen.

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