WÜRZBURG/ERFURT

Verkehrsexperten und Stadtplaner besuchten Erfurt

Verwundertes Staunen im Straßenbahn-Betriebshof: „Hubland“ und die Zahl „6“ – diese Kombination haben die rund 100 versammelten Verkehrsexperten schon oft gelesen, aber noch nie auf einem startklaren Niederflurwagen, der seine Türen für eine Stadtrundfahrt öffnet.
Von einer Erfolgsgeschichte lernen: Oberbürgermeister Georg Rosenthal (links) und die WVV-Geschäftsführer Thomas Schäfer und Norbert Menke (Vierter und Zweiter von rechts) konnten dank der Geschäftsführerin der Erfurter Verkehrsbetriebe AG (EVAG) Myriam Berg (Dritte von rechts) erstmals in einer Straßenbahn der Linie 6 „Hubland“ Platz nehmen – allerdings in Erfurt.
Foto: Roland Flade– | Von einer Erfolgsgeschichte lernen: Oberbürgermeister Georg Rosenthal (links) und die WVV-Geschäftsführer Thomas Schäfer und Norbert Menke (Vierter und Zweiter von rechts) konnten dank der Geschäftsführerin der ...

Viele wollen diesen denkwürdigen Moment in Erfurt mit dem Foto festhalten.

Oberbürgermeister Georg Rosenthal und die WVV-Geschäftsführer Thomas Schäfer und Norbert Menke rücken ein Stück auseinander und das WVV-Logo erstrahlt auf der Front des Triebwagens.

Diese Szene spielt sich knapp 200 Kilometer nordöstlich von Würzburg ab und geschildert wird sie, wie auch der weitere Verlauf der denkwürdigen Exkursion, vom mitgereisten Rathaus-Pressesprecher Georg Wagenbrenner.

Erfurt war das Ziel einer Informationsfahrt in Sachen Straßenbahn, Bahnhofsumfeld und Stadtentwicklung. Stadträte, Planer, Uni-Vertreter, Architekten und Mitglieder unterschiedlicher Nahverkehrs-Initiativen besuchten die Landeshauptstadt Thüringens, die in jüngster Vergangenheit einige Herausforderungen erfolgreich gemeistert hat, die nun auch in Würzburg anstehen.

Unter dem Titel „Würzburg 21 – die Zukunftsgespräche“ sollen der Auftaktveranstaltung in Erfurt weitere Vorträge und Fahrten folgen.

Mit der Geschäftsführerin der Erfurter Verkehrsbetriebe AG (EVAG) Myriam Berg und dem Hauptverantwortlichen für Planung, Marketing und Vertrieb, Hans-Volker Krebs, sowie weiterem Spitzenpersonal standen der Würzburger Delegation im Betriebshof und bei der anschließenden mehrstündigen Rundfahrt für alle Detail-Fragen kompetente Ansprechpartner zur Verfügung.

Besonders Krebs war persönlich motiviert den Besuchern viel mit auf den Weg zu geben: „Vor 16 Jahren waren wir in Würzburg zu Besuch bei der Straßenbahn.“

Die Erfurter hätten damals von dem tiefen Einblick in den Verkehrsbetrieb profitiert, der seinerzeit gerade die Linie 5 in Angriff nahm. Da wäre es laut Krebs schön, wenn Jahre später die Würzburger von Erfurt lernen könnten.

Seit damals wurden in Erfurt 15 Kilometer Neubaustrecke verwirklicht: sowohl denkmalgerecht durch die historische Altstadt (beispielsweise am Domplatz), aber auch als grundlegende Infrastruktur für das neues Stadtviertel Ringelberg.

Parallelen zu den Plänen in Würzburg drängen sich da natürlich auf.

In Erfurt kann sich die Bilanz des 97-Millionen-Euro-Projekts, das durch den Bund und den Freistaat Thüringen mit insgesamt 85 Prozent gefördert wurde, sehen lassen:

80 Prozent der Bevölkerung leben heute im Einzugsgebiet der Stadtbahn und können den so genannten „Erfurt City Takt“ nutzen. Von 6 bis 18 Uhr fährt durchgehend zur gleichen Uhrzeit alle zehn Minuten eine Bahn.

Innerhalb des verkehrsberuhigten Stadtrings hat die Stadtbahn gegenüber dem Auto viele Vorteile: Vorrangschaltungen, zum Teil darf die Bahn in der 30er-Zone Tempo 50 fahren und extralange Haltestellen können bei Bedarf auch zwei gekoppelte Triebwägen aufnehmen.

36 Millionen Fahrgäste überzeugt dies jährlich. Hohe Zuwächse bei den Fahrkarten-Abonnenten sprechen für die Beliebtheit, die auch mehrere Umfragen belegen.

„Vor 16 Jahren waren wir in Würzburg zu Besuch. Jetzt können Sie vielleicht von uns lernen.“

Hans-Volker Krebs Erfurter Verkehrsbetriebe

Ebenfalls ausgezeichnet wurde im vergangenen Jahr der Erfurter Hauptbahnhof. Den „kundenfreundlichster Großstadtbahnhof“ präsentierte Karl Mülders, der Amtsleiter des Hochbauamts. Besonders im Fokus stand dabei natürlich auch das direkte Bahnhofsumfeld.

So besichtigte man auch das „Radhaus“ direkt vor dem 2009 generalüberholten ICE-Knotenpunkt. Hier gibt es für Fahrräder 300 überdachte Stellplätze im Doppelstockparkersystem und abschließbaren Boxen.

Diese Großgarage wird ergänzt durch einen anliegenden Servicepoint mit Werkstatt, einem Imbiss und Büro des ADFCs. Durch die Mieteinnahmen im „Radhaus“ ist es möglich, die Stellplätze derzeit kostenlos anzubieten.

OB Georg Rosenthal bedankte sich nach einem Tag geballter Information bei den Gastgebern in Erfurt und dem „Chefvorbereiter“ der Veranstaltung Thomas Naumann, Autor des Buches „Die Geschichte der Würzburger Straßenbahn“.

Video von der Straßenbahn-Exkursion nach Erfurt

 

Redakteur Roland Flade war mit der Videokamera in Erfurt dabei. Sein neunminütiger Film zeigt die Fahrt mit der hochmodernen und in den letzten Jahren ausgebauten Straßenbahn quer durch die Stadt.

 

Zu sehen ist unter anderem, wie die Straßenbahn den neuen Erfurter Bahnhof unterquert und wie von der Haltestelle aus der Weg direkt in eine freundliche Einkaufspassage und zu den Bahnsteig-Zugängen führt.

 

Anders als in Bayern ist es in Thüringen möglich, auch solche Straßenbahnstrecken vom Staat fördern zu lassen, die keinen eigenen, für Autos gesperrten Gleiskörper haben. Statements von Reiseteilnehmern runden das Video ab.

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