Würzburg

Verteidigung fordert Freispruch für LKA-Betreuer des Spitzels

Fall Peggy - LKA München       -  Muss ein LKA-Beamter ins Gefängnis, weil ihn ein Ex-Spitzel aus Rache schwer belastet? Dem Verteidiger ist die Beweislage zu dünn: Er fordert Freispruch.
Foto: A4366/_Sven Hoppe (dpa) | Muss ein LKA-Beamter ins Gefängnis, weil ihn ein Ex-Spitzel aus Rache schwer belastet? Dem Verteidiger ist die Beweislage zu dünn: Er fordert Freispruch.

Die belastenden Aussagen des Ex-Spitzels Mario W. bleiben bis zum Schluss Grundlage des seit sieben Monaten laufenden Prozesses gegen sechs LKA-Beamte in Nürnberg. Im Prozess ist der dutzendfach vorbestrafte Kriminelle inzwischen Nebenkläger gegen die Polizisten, die seine Haftstrafe in Würzburg nicht verhinderten. Im Gegenzug hat er sie in Nürnberg für eine angeblich zu enge Zusammenarbeit auf die Anklagebank gebracht.

„Die Würde genommen“

Am Dienstag erschien Mario W. mit sichtbarem Vergnügen im Gerichtssaal auf seinem Platz im Rücken der Angeklagten. Beifällig nickend lauschte der Nebenkläger am Vormittag dem Plädoyer seines Anwalts Alexander Schmidtgall. „Sie haben Mario W. die Würde genommen und ihn in den Dreck gezerrt“, hielt der den Beamten vor. Und sie hätten sich nicht einmal jetzt dafür entschuldigt.

Im Auftrag des LKA

Als Angeklagter in zwei Prozessen in Würzburg (2012 und 2016) hatte der Spitzel darauf beharrt, Straftaten mit Unterstützung der Ermittlungsbehörde begangen zu haben, um selbst als ausgefuchster Krimineller zu gelten. Nur so habe er im Auftrag des LKA die ins Visier genommenen Rocker der Gruppe „Bandidos“ glaubwürdig aushorchen können, erzählt er.

Überharte Strafe

Dafür habe er am Ende 2013 und 2016 in Würzburg eine überharte Haftstrafe kassiert – weil das LKA seine Rolle mit Aktenmanipulationen und Falschaussagen vor Gericht zu vertuschen versucht habe, machte sein Anwalt Alexander Schmidtgall deutlich. Er denkt an eine Wiederaufnahme, um W. reinzuwaschen.

Die angeklagten LKA-Beamten bestreiten jede illegale Tätigkeit. Sie beharren darauf, die Zusammenarbeit mit dem im Gefängnis angeworbenen Spitzel 2011 beendet zu haben, als sie erkannten, dass er sich an Spielregeln nicht hielt, sondern zum eigenen finanziellen Vorteil erneut kriminell wurde.

Prozess geschwänzt

Inzwischen ist das Interesse des V-Mannes an der Rolle als Nebenkläger in Nürnberg beträchtlich geschwunden. Am Nachmittag schwänzte er den Prozess. Sein Anwalt musste allein stundenlang dem Plädoyer des ersten von einem Dutzend Verteidigern lauschen.

Glaubwürdigkeit fraglich

Rechtsanwalt Franz Heinz stellte erneut die Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen und sein Motiv (Geld) in den Mittelpunkt: „Der hat ein doppeltes Spiel mit dem LKA und den Rockern gespielt.“ Ein Gutachten habe ergeben, dass W. überzeugend zu erzählen verstehe, aber zu einer verzerrten Darstellung neige und manipulative Tendenzen zeige.

Freispruch?

An vielen Beispielen versuchte der Verteidiger eine Gegenposition zur Staatsanwaltschaft aufzubauen, die vom Wahrheitsgehalt ihrer Anklage überzeugt ist und am vorigen Verhandlungstag Haftstrafen bis zu zweieinhalb Jahren für die Polizisten gefordert hatte. Anhand von Aussagen, E-Mails und Aktenvermerken legte der Verteidiger dar: Sein Mandant Norbert K., der direkte LKA-Betreuer des Spitzels, habe nicht damit gerechnet (und W. schon gar nicht dazu angestiftet), die Hauptrolle bei einer abenteuerlichen Klau-Aktion dänischer Bagger durch die Bandidos zu spielen.

Die Beweisaufnahme habe weder dafür noch für eine Falschaussage des LKA-Beamten zur Rolle des V-Mannes (vor Gericht in Würzburg) Belege ergeben. Die Staatsanwaltschaft habe mehrdeutige Aussagen immer nur im Sinne der Anklage interpretiert, obwohl in vielen Fällen andere Deutungen möglich, oft sogar wahrscheinlich seien. Heinz fordert einen Freispruch für den 53-jährigen Beamten aus Unterfranken.

Urteil am 25. Juli

Nach ihm plädiert in den nächsten Wochen knapp ein weiteres Dutzend von Verteidigern, mutmaßlich alle auf Freispruch. Dann muss das Landgericht im Urteil die zwei Fragen beantworten: Hat der Ex-V-Mann Mario W. das LKA so erfolgreich hinters Licht geführt wie die Rocker, die er im Auftrag der Ermittler ausspionieren sollte? Oder kam er unter die Räder, weil die Zusammenarbeit zu sehr ins Kriminelle abdriftete und das LKA das vertuschen wollte?

Das Urteil ist für den 25. Juli geplant.

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