Margetshöchheim

Vom digitalen Bauantrag bis zur Gelben Tonne

Großes Interesse fand die umfangreiche Tagesordnung der Bürgermeisterarbeitstagung des Landkreises Würzburg, zu der Landrat Thomas Eberth in die Margetshöchheimer Margarethenhalle eingeladen hatte.
Foto: Eva Schorno | Großes Interesse fand die umfangreiche Tagesordnung der Bürgermeisterarbeitstagung des Landkreises Würzburg, zu der Landrat Thomas Eberth in die Margetshöchheimer Margarethenhalle eingeladen hatte.

 Landrat Thomas Eberth lud die Bürgermeister*innen der 52 Landkreis-Gemeinden zur Bürgermeisterarbeitstagung in die Margetshöchheimer Margarethenhalle ein. Auf der Tagesordnung standen acht Themen, die für die Gemeinden relevant sind, wie das Landratsamt in einer Pressemeldung mitteilt.

Jürgen Eisentraut, Amtsleiter des Amtes für ländliche Entwicklung Unterfranken (ALE), stellte die Förderprogramme für Kommunen vor. Gemeinden sollten durch die Programme des ALE nachhaltig gestärkt, natürliche Lebensgrundlagen geschützt sowie die Land- und Forstwirtschaft zukunftsorientiert und nachhaltig unterstützt werden. Derzeit liefen 55 Projekte im Landkreis Würzburg mit einem Volumen von rund 2,7 Millionen Euro Fördermittel, heißt es in der Mitteilung weiter. Hier setze das ALE auf die im Landkreis Würzburg seit Jahren bewährte Zusammenarbeit mit der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE). Gegenseitige Unterstützung, zum Beispiel mit gemeinsamen Bauhöfen, Schulen oder Kläranlagen, seien hierbei bereits erfreuliche Ergebnisse. Über das Regionalbudget konnten laut Mitteilung im Jahr 2020 62 Projekte der Gemeinden mit rund 250 000 Euro finanziert werden.

Die Flurneuordnung gehöre ebenfalls zu den Aufgaben des ALE, etwa wie derzeit bei der Planung der Ortsumgehung von Rimpar. Mit der Waldneuordnung habe etwa in Holzkirchhausen eine Waldfläche mit 2500 Einliegern auf 180 Parzellen reduziert werden können, um eine nachhaltige Bewirtschaftung zu ermöglichen, so die Mitteilung.

Dorferneuerung voranbringen

Eine besondere Herausforderung des ländlichen Raums sei die demographische Entwicklung mit den Folgen der Überalterung, von Leerständen und dem Verlust dörflicher Funktionen. Der fortschreitende Strukturwandel in der Landwirtschaft und der Verlust von Arbeitsplätzen gehörten ebenfalls dazu. Die Dorferneuerung müsse unter der Mitwirkung der Bürger*innen erfolgen, um das Dorfgemeinschaftsleben und die soziale Infrastruktur zu stärken, betonte Eisentraut. Gute Beispiele gebe es hierzu in Hausen, Rieden und Altertheim. Die Förderung von Kleinstunternehmen solle die Daseinsvorsorge und die Nahversorgung in den Dörfern unterstützen, sei es eine Bäckerei, Metzgerei oder Gastwirtschaft.

Das Programm "FlurNatur" unterstütze die Anlage von Hecken, Feldgehölzen, Streuobstwiesen und so weiter, heißt es in der Mitteilung.  Die Öko-Modellregionen sollten mindestens 30 % der Lebensmittel ökologisch-biologisch in der Region produzieren und vermarkten. Im Landkreis Würzburg bestehe seit einigen Jahren die Öko-Modellregion Waldsassengau sehr erfolgreich, betonte Eisentraut.

Innenorte neu beleben

Die neu aufgestellte Innenentwicklungsstrategie des Landkreises Würzburg ergänzte Michael Dröse, Leiter der Kreisentwicklung am Landratsamt Würzburg. "Weg vom 'Donut' mit immer neuen Baugebieten an den Ortsrändern hin zum 'fränkischen Krapfen', also zur Stärkung der Alt- und Innenorte mit der Reaktivierung von Leerständen", beschreibt Landrat Thomas Eberth die von ihm initiierte Strategie. Ortsmitten beleben, Flächenverbrauch verringern, Baukultur bewahren, leerstehende Gebäude wieder nutzen, auf Brachflächen oder Baulücken neu bauen seien hier die Ziele. Der Landkreis Würzburg wolle hier einen Schwerpunkt auf das Bauschutt-Recycling setzen.

Corona: Impfen, Testen, Nachverfolgen

Michael Dröse ist einer der Verwaltungsleiter der Impfzentren von Stadt und Landkreis Würzburg auf der Talavera und in Giebelstadt. Er erklärte laut Pressemeldung den Bürgermeister*innen aus erster Hand die Organisation der Impfungen mit den verschiedenen Impfstoffen. Ab dem 2. Quartal 2021 würden 2465 Impfdosen täglich für Stadt und Landkreis Würzburg erwartet, also rund 15 000 Impfungen pro Woche. Hierfür würden die Kapazitäten in beiden Impfzentren hochgefahren.

Peter Puchalla, neuer Geschäftsbereichsleiter des Gesundheits- und Veterinäramtes, gab laut Mitteilung einen Überblick über das aktuelle Corona-Pandemiegeschehen. Rund 120 500 Corona-Testungen hätten in Stadt und Landkreis Würzburg bisher durchgeführt werden können, so Puchalla. Bei der derzeitigen Inzidenz gelinge dem Gesundheitsamt die Kontaktnachverfolgung gut.

Schweine- und Geflügelpest

Auch über die Vorbereitungen für den Fall eines Eintrags der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in den Landkreis und der seit letzter Woche im Landkreis aufgetretenen Geflügelpest informierte Puchalla. Derzeit gebe es rund 730 Fälle von ASP im Osten von Deutschland, so die Mitteilung. Landrat Eberth bat die Gemeinden, hier eng mit dem Veterinäramt zusammenzuarbeiten, um mögliche Ausbrüche der ASP in den Griff zu bekommen und die im südlichen Landkreis bereits aufgetretene Geflügelpest gemeinsam erfolgreich zu bekämpfen.

Sarah Eitelwein von der Stabsstelle Landrat, unter anderem zuständig für Compliance, stellte die Regelungen des Landratsamtes zur Annahme von Geschenken und Belohnungen vor. "Dieses Modell kann auch den Gemeindeverwaltungen als Blaupause dienen", erklärte Landrat Eberth.

Wie ein digitaler Bauantrag funktioniert, darüber informierten Stefan Dürr, Leiter des Fachbereichs Bauamt-Verwaltung und Wohnraumförderung, und Kreisbaumeister Christoph Schmelz. Für das digitale Baugenehmigungsverfahren müsse zuerst eine gemeinsame Datenschnittstelle geschaffen werden, so Dürr. Das Bauamt am Landratsamt als untere Bauaufsichtsbehörde sei dafür zuständig, die Gemeinden und alle weiteren Fachstellen in das Genehmigungsverfahren einzubinden, heißt es in der Mitteilung.

Die neue Gelbe Tonne im Landkreis Würzburg

Alexander Schraml, Vorstand des Kommunalunternehmens des Landkreises Würzburg (KU), wies darauf hin, dass die Verpackungsentsorgung in Deutschland privatwirtschaftlich – und gewinnorientiert - organisiert sei und das Team Orange des KU keinen Einfluss darauf habe. Nur rund 10 % der gesammelten Verpackungsabfälle würden tatsächlich recycelt, der Rest werde in die Türkei oder Länder des globalen Südens exportiert, so Schraml. Abfallvermeidung müsse also oberstes Ziel der Abfallwirtschaft sein und sei auch gesetzlicher Auftrag. Wenn die Gelbe Tonne nicht ausreicht, könnten transparente Säcke neben die Tonne gestellt werden. Kritisch gesehen worden sei zum Teil der – in vielen Fällen nicht ausreichende - vierwöchige Abholrhythmus der Gelben Tonne. Landrat Eberth bat um Geduld, um das neue System auszuprobieren.

Neue Geschäftsführerin stellt Landschaftspflegeverband vor

Seit 1. März ist laut Mitteilung Lena Priesemann neue Geschäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes (LPV). Sie stellte sich und die Aufgaben des LPV vor. Priesemann will die Arbeit des LPV in Beziehung setzen zur Agenda 2030 der Vereinten Nationen, zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. "Was hier formuliert ist, muss regional vor Ort umgesetzt werden", betonte Priesemann.

Kernaufgabe des gemeinnützigen LPV sei die Pflege der mainfränkischen Kulturlandschaft, die nachhaltig geschützt und erhalten werden soll. Dazu gehörten Maßnahmen wie Feldgehölz-, Hecken- und Saumpflege, Erhaltung lichter Waldränder oder Offenhaltung von Trockenstandorten. Mit dem Wandel der Politik würden stets neue Aufgaben hinzukommen, wie tiergerechte Beweidung oder Information der Öffentlichkeit durch Veranstaltungen und Führungen.

Ökokontoflächen für Gemeinden

Hubert Marquart, Geschäftsführer der Deutsche Landschaften GmbH, zeigte, wie Ökokontoflächen als Ausgleichsflächen für kommunale Bauvorhaben der Gemeinden funktionieren. Ein Ökokonto sei die vorsorgende Bereitstellung von Flächen und Maßnahmen zum Ausgleich und Ersatz für künftige Beeinträchtigungen und Eingriffe in Natur und Landschaft, so die Mitteilung. Ökokonten könnten Gemeinden Bauvorhaben erleichtern, andererseits auch sinnvolle Ökoflächenverbünde schaffen. Die Deutsche Landschaften GmbH wirkten eng mit den Landschaftspflegeverbänden zusammen. Im Landkreis Würzburg arbeiten laut Mitteilung bereits Margetshöchheim, Rottendorf und Ochsenfurt mit Ökokonten.

Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege

Abschließend stellte sich Jessica Tokarek als Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege vor und bot sich als Beraterin für die Gemeinden an. Beispielsweise die gartenbauliche Beratung der Friedhofsanlage in Geroldshausen oder die Planung eines Bienenschaugartens am Landratsamt gehörten zu ihren bisherigen Projekten. Auch Gartenbauvereine berate sie bei der Pflege von Streuobstwiesen. Der Tag des Friedhofs solle erneut stattfinden und die Vielfalt der Friedhofsanlagen zeigen. Die Durchführung des Tags der offenen Gartentür und die Zertifizierung von "Naturgärten" gehöre ebenso zu ihren Aufgaben, endet die Mitteilung.

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