WÜRZBURG

Vor dem FH-Bürgerentscheid: Proteste und Pöbeleien am Kornfeld

Die Stimmung war gereizt bis aggressiv: Vor rund 30 Leuten – überwiegend Gegner des FH-Neubaus – hat Umweltreferent Wolfgang Kleiner am geplanten Standort am Sanderheinrichsleitenweg über das Projekt informiert. Zumindest versuchte er es. Denn immer wieder wurde er von Zwischenrufen, Polemiken und Pöbeleien unterbrochen.
Umweltreferent Wolfgang Kleiner (Zweiter von rechts) beim Ortstermin unterhalb der geplanten neuen Fachhochschule.
Foto: FOTO Theresa Ruppert | Umweltreferent Wolfgang Kleiner (Zweiter von rechts) beim Ortstermin unterhalb der geplanten neuen Fachhochschule.

Wenn das, was sich am Mittwochabend beim Rundgang oberhalb des Alandsgrunds abgespielt hat, der Stil der Auseinandersetzung vor dem Bürgerentscheid am 27. Juli ist – dann muss man sich auf weitere Unsachlichkeiten und Unbeherrschtheiten gefasst machen. Die Informationsveranstaltung stand zwischenzeitlich am Rande des Abbruchs, weil die FH-Gegner – darunter Vertreter der Bürgerinitiative (BI) Alandsgrund – den Umweltreferenten kaum mehr ausreden ließen. Emotional geladen wurde wild durcheinander gezetert.

Otto-Normal-Bevölkerung ließ sich bei dem Rundgang kaum blicken. Sieben Stadträte, einige Vertreter von FH, Umwelt- und Bauamt, Mitglieder der BI und Anwohner der nahen Gartenstadt Keesburg – auch Stadtsprecher Christian Weiß hätte sich ein breiteres öffentliches Interesse gewünscht. So aber waren die Fronten von Anfang an klar und verhärtet. Ein Umweltreferent, der den FH-Neubau offensiv als ökologischen Gewinn verkaufte. Und Kritiker, die ihm genau das nicht abnehmen wollten und sich von seinen Aussagen provoziert fühlten.

Kleiner rückte die Biotop-Vernetzung in den Mittelpunkt, die vom Alandsgrund – vorbei an der neuen Fachhochschule – bis zum Sieboldwäldchen möglich werde. „Warum braucht es dazu einen Bau im Grünbereich?“, wollte ein kritischer Nachfrager wissen. Der Umweltreferent stellte klar, dass es sich um eine planerische Sicherung dieser Biotopflächen und ihre Verbindung handelt. Durch die notwendigen Ausgleichsflächen für die FH und weitere Bauten im Stadtgebiet entstehe nämlich ein deutlich breiterer Biotop-Gürtel. 20 000 Quadratmeter würden im Zuge der FH-Planung dauerhaft als Grünfläche festgeschrieben. Die Gegner konnte er damit nicht überzeugen.



Und schließlich leistete sich Kleiner einen dicken Faux-Pas: Er bemühte seinen Vorgänger, den 2001 verstorbenen Umweltreferenten Matthias Thoma, als angeblichen Streiter und Anwalt für die Planungen oberhalb des Alandsgrunds. Wobei hinlänglich bekannt ist, dass Thoma dem FH-Standort am Sanderheinrichsleitenweg äußerst skeptisch gegenüberstand – was Grünen-Stadträtin Karin Miethaner-Vent vor der Versammlung richtigstellte.

Deutlich wurde beim Rundgang, wo die FH tatsächlich gebaut werden soll: Auf einem Acker, zurzeit ein Kornfeld, direkt am Sanderheinrichsleitenweg. Der architektonisch recht transparente Bau in Form zweier „L“ soll stark begrünt werden und passt sich der Hanglage an. Dies machte ein Mitarbeiter des staatlichen Bauamtes am Modell deutlich. Doch der Widerstand der Gegner schien zumindest beim Info-Spaziergang fundamental: Der Bau versperre die Sicht in den Alandsgrund – „und wer sagt, dass ein Acker nicht schützenswert ist?“, so die Kritik eines Teilnehmers, die der Umweltreferent nicht nachvollziehen wollte. Ebenso wenig teilte er die Befürchtung, dass die FH-Studenten die Natur vor ihrer Haustür nachhaltig stören könnten: „Warum sollte die Masse der Studenten gerade im Alandsgrund herumlaufen?“

Unterdessen weist die BI in einer Pressemitteilung darauf hin, dass die versprochenen 20 000 Quadratmeter Grünfläche bereits vorhanden seien. Jede Baumaßnahme in einem Grüngürtel – vor allem am Hang – stelle eine Belastung für dieses Gebiet dar.

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