Würzburg

Warum Impfauffrischung gerade jetzt wichtig ist

Impfen gegen Zecken, Insektenspray gegen das West-Nil-Fieber und unbedingt ein Blick ins Impfbuch: Was unterfränkische Mediziner jetzt raten.
Aus Angst vor Ansteckung vernachlässigen manche Eltern Vorsorgeuntersuchungs-und Impftermine. Kinderärzte halten das für gefährlich. Überwunden geglaubte Krankheiten könnten zurückkommen.
Aus Angst vor Ansteckung vernachlässigen manche Eltern Vorsorgeuntersuchungs-und Impftermine. Kinderärzte halten das für gefährlich. Überwunden geglaubte Krankheiten könnten zurückkommen. Foto: Andrej Freidich

Die Angst vor einer Ansteckung mit Corona sollte nicht dazu führen, notwendige Impfungen oder Impfauffrischungen zu versäumen. Viele Bürger glaubten derzeit, sie sollten oder könnten wegen einer Impfauffrischung nicht zu ihrem Arzt gehen; dies aber sei grundfalsch, sagt Professor August Stich, Infektiologe und Chefarzt der Klinik für Tropenmedizin an der Missionsärztlichen Klinik Würzburg. "Wenn aktuell deutlich mehr Leute als üblich die nötigen Impfungen vernachlässigen, ist die Grundimmunisierung der Bevölkerung bei vielen Krankheiten wie Masern, Mumps, Röteln, Keuchhusten, Diphterie oder Polio in Frage gestellt“, warnt Stich. Krankheiten, die längst zurückgedrängt worden sind, können dann in Zukunft wieder vermehrt auftreten.

Aktuell brächten schon deutlich weniger Eltern ihre Kinder zu Vorsorgeuntersuchungen und Impfterminen, teilt der Berufsverband der Deutschen Kinder- und Jugendärzte mit. Allerdings scheint es bei der Impffürsorge deutliche regionale Unterschiede zu geben. "Seine Eltern“ erschienen mit ihren Kindern zu den vorgeschriebenen Impfungen, sagt der unterfränkische Vertreter des Kinderärzte-Berufsverbands, Jürgen Marseille aus Röttingen (Kreis Würzburg). "Allerdings sind viele Eltern verständlicherweise verunsichert, weil ja auch der ein oder andere Kollege zwischenzeitlich seinen Praxisbetrieb runtergefahren hat“, so der Arzt. Viele Eltern würden sich vor der Behandlung rückversichern, ob Termine tatsächlich stattfinden und Abstandsregelungen eingehalten werden könnten, kämen dann glücklicherweise aber schon in die Praxis. Was sehr sinnvoll sei.

Die Grippeimpfung halten Mediziner im Corona-Jahr für wichtiger denn je.
Die Grippeimpfung halten Mediziner im Corona-Jahr für wichtiger denn je. Foto: Sebastian Gollnow, dpa

Corona-Patienten zeigen bei gleichzeitiger Grippeerkrankung schwere Verläufe

"Wir brauchen den Impfschutz; und wir brauchen ihn in diesem Ausnahmejahr ganz besonders bei der Grippeimpfung im Herbst“, sagt Marseille.  Auch gesunde Kinder und vor allem jene Kinder, die normalerweise in Einrichtungen wie Kitas oder Horten seien, sollten im Corona-Jahr gegen Grippe geimpft werden. "Wir wollen nicht, dass sich in einem Körper Grippe- und Corona-Viren mischen.“ Corona-Patienten zeigen bei gleichzeitiger Gripperkrankung nach bisherigen Erkenntnissen schwerere Verläufe.

Zur Bewältigung künfiger Corona-Wellen hilft Grippeschutz

Die Bürger insgesamt für eine Grippeimpfung im Herbst zu sensibilisieren, ist auch Professor Stich ein großes Anliegen. "Die Impfung ist nicht nur für den Einzelnen ein Schutz, sondern epidemiologisch gesehen ganz wichtig“, sagt er. Den Medizinern helfe es bei der Bewältigung künftiger Corona-Wellen, wenn "das Hintergrundrauschen durch andere Atemwegserkrankungen“ unterdrückt werden könne. Nach Aussage von Thomas Metz, dem Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands, ist nach derzeitigem Stand die Bereitstellung des nötigen Grippeimpfstoffs für Bayern gewährleistet.

Gesundheitsminister erlaubt Ärzten, mehr Impfvorräte anzulegen

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn, SPD, will die Deutschen großflächig gegen den nächsten Grippevirus immunisieren. Der Bund hat bereits 4,5 Millionen Grippe-Impfdosen geordert; zusätzlich zu den 20 Millionen Impfdosen, die in Deutschland üblicherweise ankommen. Spahn erlaubt außerdem heuer den Ärzten, bis zu 30 Prozent mehr Grippeimpfstoff-Vorrat anzulegen als üblich, ohne dass sie dafür von den Krankenkassen wegen "unwirtschaftlicher Verordnung" in Regress genommen werden.

Große Teile Süddeutschlands sind FSME-Risikogebiete und beheimaten Zecken, die Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen können. 
Große Teile Süddeutschlands sind FSME-Risikogebiete und beheimaten Zecken, die Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen können.  Foto: Frank Rumpenhorst,dpa

Impfungen gegen Zecken empfehlen sich vor allem für Wanderer

Doch vor dem Grippe-Pieks im Herbst steht noch der Zecken-Pieks im Frühsommer – jedenfalls für den, der die Empfehlungen von Mediziner Stich berücksichtigt. Bedingt durch Corona würden ja voraussichtlich viele Bürger ihren Sommerurlaub nicht an einer Mittelmeerküste verbringen, sondern eher im Fichtelgebirge, im Bayerischen Wald oder an der Mecklenburgischen Seenplatte, so Stich. Wer aber heuer nicht auf dem Handtuch am Pool liege, sondern ausnahmsweise durch heimische Wälder wandere, sollte unbedingt in seinem gelben Impfbüchlein nachschauen, ob er gegen Zecken geimpft ist.

Vor allem große Teile Süddeutschlands gälten als FSME-Risikogebiete, beheimateten also Zecken, die die Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Hirnhautentzündung, übertragen können. "Man braucht zwei Impfungen für Kurzzeit-Schutz, drei für einen jahrelangen Schutz“, sagt Stich. Zusätzlich rät Stich zum Kauf von ausreichend Insektenspray: Aufgrund der Klimaveränderung werde gerade das von Moskitos übertragene, lebensgefährliche West-Nil-Fieber auch in Deutschland heimisch. "Vor einem Jahr hat es die Alpen übersprungen“, so Stich. Impfen könne man hier nicht, wohl aber sprühen.

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