Würzburg

Warum Rimpars Kirchenverwaltungswahl noch nicht vorbei ist

Es ist wohl die längste Kirchenverwaltungswahl in der Diözese. In Rimpar gibt es noch immer kein neues Gremium. Eher tiefe Gräben. Und eine Entscheidung des Staatsanwalts.
Die Fotos aus der Main-Post zeigen jeweils die Verabschiedung von Mitgliedern verschiedener Kirchenverwaltungen in der Diözese Würzburg zu Jahresbeginn 2019.
Foto: Screenshot mainpost.de | Die Fotos aus der Main-Post zeigen jeweils die Verabschiedung von Mitgliedern verschiedener Kirchenverwaltungen in der Diözese Würzburg zu Jahresbeginn 2019.

Die Bilder in der Zeitung ähneln sich: In den Kirchengemeinden der Diözese Würzburgs gibt es zu Jahresbeginn freundliche Verabschiedungen der alten ehrenamtlichen Mitglieder der Kirchenverwaltungen. Lächelnde Gesichter schauen in die Kamera. Nicht so in Rimpar im Landkreis Würzburg. Dort ist nach der Kirchenverwaltungswahl im November 2018 monatelang nach außen hin Ruhe: Keine Fotos, keine Verabschiedung, kein Dank. Im Ort scheint es mächtig zu brodeln.

Die Kirchenverwaltung ist ein wichtiges Gremium. Sie verwaltet das Stiftungsvermögen, beschließt den Haushaltsplan und überwacht das beschlossene Budget. Dazu gehören auch Ausstattung und Unterhalt der jeweiligen Ortskirchen oder die Ausstattung der Diensträume der Gemeinde.

Das sanierte Pfarrhaus von Rimpar. Bei der Abrechnung kam es 2018 zu Unstimmigkeiten zwischen den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitgliedern der Kirchenverwaltung.
Foto: Christine Jeske | Das sanierte Pfarrhaus von Rimpar. Bei der Abrechnung kam es 2018 zu Unstimmigkeiten zwischen den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitgliedern der Kirchenverwaltung.

Mehrfach berichtet die Redaktion über die Probleme in der Pfarrgemeinde St. Peter und Paul in Rimpar. Erstmals, als die ehrenamtlichen KV-Mitglieder im August 2018 bei der Staatsanwaltschaft Würzburg Strafanzeige gegen die hauptamtlichen Mitgliederstellten. Der Grund sind Unstimmigkeiten bei der Abrechnung der Sanierungsarbeiten am Pfarrhaus. Die Ehrenamtlichen sind ihren Angaben zufolge nicht damit einverstanden, dass gegen ihr Votum einer Firma als Vergleich 18000 Euro gezahlt werden.

Fehlende Unterschriften und eine Annullierung

Ein weiterer Konflikt entsteht vor und nach der Kirchenverwaltungswahl im November 2018. Die bisherigen KV-Mitglieder haben keine Unterstützer-Unterschriften. Sie seien falsch informiert worden, sagen sie. Es folgen Beschwerden – auch über formale Fehler des Wahlausschusses. Der Fall wird von einem Kirchenrechtler extern geprüft. Letztlich erklärt die Bistumsleitung die Wahl Mitte April für ungültig.

Hans-Joachim Diener, der Rechtsanwalt der alten KV-Mitglieder, erläutert diese Entscheidung. Generalvikar Thomas Keßler habe ihm mitgeteilt: Die KV-Wahl sei nicht wegen der eingelegten Einsprüche ungültig, vielmehr, weil eine hinreichende Einladung der Wahlberechtigten zur Wahl nicht erfolgt ist.

Angebote für Hintergrundgespräche und eine Auflösung

Danach erreichen diese Redaktion einige Anrufe. Hintergrundgespräche von Personen aus Rimpar werden angeboten - und teilweise geführt. Anfragen um ein offizielles Statement zur Lage, unter anderen beim Vorsitzenden des Pfarrgemeinderats, werden zugesagt, dann abgesagt. Begründung: Gottes Mühlen würden gerade so trefflich fein mahlen. Es sind jedoch eher von Menschen in Schwung gesetzte Mühlräder. Und es läuft nicht rund.

Die katholische Pfarrkirche von Rimpar im sommerlichen Gegenlicht. Dort wurde an Karfreitag ein Schreiben verlesen, dass die Bistumsleitung die bisherige Kirchenverwaltung aufgelöst hat.
Foto: Christine Jeske | Die katholische Pfarrkirche von Rimpar im sommerlichen Gegenlicht. Dort wurde an Karfreitag ein Schreiben verlesen, dass die Bistumsleitung die bisherige Kirchenverwaltung aufgelöst hat.

Die Bistumsleitung trifft kurz darauf eine weitere Entscheidung: Sie erklärt das bisherige KV-Gremium für aufgelöst. Das Schreiben sei an Karfreitag im Gottesdienst verlesen worden, persönlich seien die  Betroffenen nicht informiert worden, sagen sie. Zugleich müssten sie sich gegen Anfeindungen wehren. So habe der Pfarrer bereits im vergangenen Jahr – kurz nach seiner Einführung in die Pfarrei - gesagt, dass er mit diesen Männern in der Kirchenverwaltung nicht zusammenarbeiten möchte. Trotz Nachfrage gibt es aus dem Pfarramt kein offizielles Statement.

Eine zweite Strafanzeige und eine Entscheidung über die erste Anzeige

Erneut stellen die Männer Strafanzeige, dieses Mal wegen des Verdachts auf weitere Unregelmäßigkeiten der Hauptamtlichen. Die Staatsanwaltschaft Würzburg teilt Rechtsanwalt Diener das Aktenzeichen mit. Diese Ermittlungen dauern an – andere bezüglich der ersten Strafanzeige von August 2018 sind dagegen jetzt zu Ende.

Das Verfahren ist laut Rechtsanwalt Diener eingestellt worden: "Die Schuld wäre als gering anzusehen", heißt es unter anderem in der Entscheidung der Staatsanwaltschaft Würzburg. Diener wertet es dennoch als "einen großen Erfolg", dass das Strafverfahren überhaupt eröffnet worden ist. Ein noch größerer Erfolg sei es für die ehrenamtlich Tätigen in Rimpar, dass die Staatsanwaltschaft eine "Schuld" festgestellt habe, so der Rechtsanwalt. "Unser Einsatz hat sich gelohnt", heißt es aus der Runde seiner Mandanten dazu, "wir haben Grenzen aufgezeigt, die aufrechte Gangart lohnt immer."

Verbale Angriffe gegen die bisherigen Mitglieder der Kirchenverwaltung?

Ruhe vor der Wiederholungswahl ist in Rimpar keine. Aktuell wehren sich die alten KV-Mitglieder gegen verbale Angriffe, sagen sie. Ein Kandidat, der zwar im November gewählt, aber aufgrund der Annullierung der Kirchenverwaltungswahl bislang nicht zum Zuge kam, soll ein bisheriges KV-Mitglied massiv beschimpft haben.

Noch hat die Bistumsleitung keinen neuen Wahltermin festgesetzt, nur mitgeteilt, dass der alte Wahlausschuss auch dieses Mal wieder die Vorbereitungen trifft. Falls die bisherigen KV-Mitglieder erneut antreten, werden sie dieses Mal sicher die nötigen Unterstützer-Unterschriften einreichen. Die Rimparer sind dann aufgerufen, eine Entscheidung zu fällen. Ob dann alle Konflikte künftig beseitigt sind?

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