Würzburg

Was Kitas alles leisten sollen

Bei der Arbeit in Kitas vom Kind her zu denken und nicht die Wünsche der Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen, war eine Forderung beim Fachgespräch von Bündnis 90/Die Grünen zur Qualität der Kinderbetreuung.
Foto: Dak | Bei der Arbeit in Kitas vom Kind her zu denken und nicht die Wünsche der Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen, war eine Forderung beim Fachgespräch von Bündnis 90/Die Grünen zur Qualität der Kinderbetreuung.

Wo drückt die Kindertagesstätten (Kitas) der Schuh, haben sie Vorschläge, um die Situation in der Kinderbetreuung weiter zu verbessern, und welche Wünsche an die Entscheidungsträger in der Politik gibt es? Dies waren die Themen eines gut zweistündigen Fachgesprächs, zu dem die Landtagsabgeordneten von Bündnis90/Die Grünen, Kerstin Celina und Christine Kamm ins Würzburger Burkadushaus eingeladen hatten. Zwar würden die Anträge der Grünen im Landtag regelmäßig abgelehnt, kämen aber sehr oft wenige Monate später leicht geändert als CSU-Anträge zurück, die dann durchgewunken würden, machten die Politikerinnen ihren Gesprächspartnern Hoffnung.

Im Großen und Ganzen trugen Vertreter der Träger und Kindergarten-Leiterinnen drei Punkte vor, bei denen sie erheblichen Verbesserungsbedarf sehen: Personal, Bauprogramm und Raumordnung sowie stetig zunehmende Bürokratie.

Regelmäßige Überlastung

Der Wechsel von der Gruppenförderung zur kindbezogenen Förderung des Personals sorgt auch viele Jahre nach Inkrafttreten des BayKiBig (Bayerisches Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz) und trotz diverser Nachbesserungen noch immer für Stress in den Einrichtungen. Das wurde in einigen Redebeiträgen deutlich. Hauptkritikpunkt der Fachleute ist, dass die Einrichtungen durch den engen Zusammenhang von Förderung und Buchungszeiten nur eine Chance haben, ständig wechselnde Arbeitszeiten oder gar Ein- und Ausstellungen beim Personal zu vermeiden: Zum Beginn des Kindergartenjahres im September mehr Personal einzustellen als gefördert wird und darauf zu vertrauen, dass der Verlust sich dank der übers Jahr erfahrungsgemäß ansteigenden Buchungszeiten im Rahmen hält. Nach wie vor, brachten die Betroffenen vor, seien Ausfallzeiten durch Krankheit, Urlaub und Schwangerschaften kaum aufzufangen und Grund für regelmäßige Überlastung bei den Kollegen. Viel zu wenig Raum gebe es auch für den notwendigen Austausch im Team.

Berufsfremde Arbeiten

Ein weiterer wichtiger Punkt in Sachen Refinanzierung und Einsatz des Personals sind die berufsfremden Arbeiten, die zwar notwendig sind, aber das ohnehin knappe und stark geforderte Fachpersonal zusätzlich binden. Abhilfe, schlug beispielsweise Alexandra Pfennig, Leiterin des Haus für Kinder in Sulzfeld vor, könnte eine zusätzliche Verwaltungspauschale schaffen sowie ein eigenes Stundenkontingent für Putz- und Küchendienste. Hans Fiederling, Bürgermeister von Waldbrunn und gleichzeitig Vorsitzender des örtlichen Kindergartenvereins, brachte die Idee des kommunalen Personalaustauschs für Aushilfskräfte ins Spiel. In Augsburg, ergänzte Kamm, habe die Stadt selbst Springer eingestellt, die analog des Verfahrens in Grundschulen, helfen sollen, kurzzeitige Personalengpässe aufzufangen.

Michael Deckert, der Fachbereichsleiter der katholischen Kindertageseinrichtungen im Caritasverband Würzburg, sprach sich gegen das Einbeziehen des Verwaltungsaufwands in die Kitafinanzierung aus. Die Bürokratie, die der Staat wolle, müsse auch der Staat leisten und finanzieren.

Angesichts der ständig steigenden Forderungen an das, was die Kitas leisten sollen, müsse man gesellschaftlich neu diskutieren, was eigentlich Aufgabe der Kitas ist. Wichtig sei, dabei vom Kind her zu denken und nicht die Wünsche der Wirtschaft in den Vordergrund zu stellen. Nicht alles individuell beantragen zu müssen, sondern mit Pauschalen zu arbeiten und der Einrichtung selbst zu überlassen, wofür sie diese konkret verwendet, dafür plädierte Heike Frankenberger, Leiterin der Kürnacher Kita St. Elisabeth. Damit wurde für Kitas und Eltern der Bürokratieaufwand deutlich sinken. Marion Kammermeier, Kindergartenleiterin in Rimpar, wünschte sich auch für Erzieherinnen eine Verfügungszeit, die sie – ähnlich wie Lehrer – auch zu Hause ableisten können.

Florian Kühling, Geschäftsführer des evangelischen Kita-Zweckverbandes im Dekanat Würzburg, dem 14 Kitas angeschlossen sind, monierte das derzeitige, zeitlich zu kurz greifende Raumförderprogramm. So gut es sei, dass Bau und/oder Modernisierung von Kitas gefördert werde, so schlecht sei die Begrenzung des Programmes auf drei Jahre. Selbst wenn man jetzt gleich loslege, dauere es, bis alle Hürden genommen seien und der Erste die Schaufel in die Hand nehme, meist gut zwei Jahre.

Das setze alle Träger mächtig unter Zeitdruck. Fiederling, stimmte dem zu. Der Bedarf an Plätzen ändere sich mitunter schnell und wenn eine Kommune heute ausreichend versorgt sei, könne das schon in zwei Jahren ganz anders aussehen. Auch von daher mache die Befristung der Förderung wenig Sinn.

Raumbedarf

Weitere Punkte, die angesprochen wurden, waren höhere Förderungen für Kinder mit Fluchterfahrung, und die notwendige Anpassung des Raumprogrammes. Das, so Deckert, stamme noch aus dem Jahr 1976. Sonderräume fehlten völlig. Mechthild Scharfenberg, seit 30 Jahren im Kindergarten St. Alfons in Würzburg verantwortlich, sprach sich dafür aus, zwingend Küchen mit in den Raumbedarf aufzunehmen. Das befürwortete auch Rita Heeg, die im neuen Waldbüttelbrunner Kindergarten die biologisch-regionale Küche mit aufgebaut hat. Die Küche und das zugehörige Personal gehöre mit in die Förderung, so Heeg, weil Familien diesen Service heute bräuchten.

Die Landtagsabgeordneten Kerstin Celina (links) und Christine Kamm, Bündnis 90/Die Grünen, luden die Kitas der Region zum Fachgespräch.
Foto: Traudl Baumeister | Die Landtagsabgeordneten Kerstin Celina (links) und Christine Kamm, Bündnis 90/Die Grünen, luden die Kitas der Region zum Fachgespräch.
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