Eibelstadt

Was mit einem Stadtmauer-Turm in Eibelstadt passieren soll

In Eibelstadt sucht die Stadtverwaltung jemanden, der einen Turm der Stadtmauer wieder nutzen möchte. Bis zu 80 Quadratmeter Wohnraum könnten genutzt werden.
Massive Kragsteine deuten auf die Wach- und Wehrfunktion des Keesturms hin.
Massive Kragsteine deuten auf die Wach- und Wehrfunktion des Keesturms hin. Foto: Antje Roscoe

Mit "Altbau, sanierungsbedürftig, frei" beschreibt ein Exposé den Kees-Turm in der nordöstlichen Stadtmauer. Die Stadt Eibelstadt sucht einen neuen Pächter für einen "märchenhaften Stadtturm des 16. Jahrhunderts". Märchenhaft ist die Kulisse im Altstadtensemble tatsächlich, zumal die kleine gotische Pforte direkt neben dem Turm und ein kleiner Mauergarten mit 130 Quadratmetern dazu gehört.

Das Schlupfloch in der seit 1435 entstandenen Stadtmauer nutzten die Häcker und die Lindelbacher Kirchgänger, bis sie 1471 selbst eine Kirche erhielten, denn ein Tor gab es nur nach Würzburg, nach Ochsenfurt und zum Main hin, nicht in die Weinberge. Der Wehrturm am Ende der Kirchgasse ist 1572 entstanden und trägt den Namen eines Eibelstädters namens Kees. Über ihn ist laut Stadtarchivar Franz Schickelberger nur bekannt, dass er irgendwo nebenan wohnte und der Standort des Wehrturmes auf diese Weise genau bezeichnet war.

Keine Treppe, kein Wasser, kein Strom

Der Zustand des Kees-Turm dürfte zwischen "sanierungsbedürftiger Altbau" und Ruine liegen. Es gibt kein Dach, keine Geschossdecken, keine Treppen, weder Wasser noch Strom. Dafür aber Kragsteine für den Rapunzelbalkon. "Es ist wie ein Rohbau", erklärt Christiane Brock, die für die Stadt die Liegenschaften verwaltet. 80 Quadratmeter Wohnfläche könnten in dem früheren Wehrturm aus Muschelkalk laut Exposé über drei Stockwerke entstehen. Der Rundturm hat derzeit eine Höhe von 14 Metern und im Durchmesser 15 bis 17 Quadratmeter. Das Baudenkmal Keesturm ist Teil des Ensembles Stadtbefestigung. Stadtmauer und Türme sind im Städtebauförderungsprogramm und liegen im städtischen Sanierungsgebiet.

Die kleine Pforte anstelle eines Stadttores war für die Häcker als Abkürzung in die Weinberge wichtig.
Die kleine Pforte anstelle eines Stadttores war für die Häcker als Abkürzung in die Weinberge wichtig. Foto: Antje Roscoe

Gesucht wird über die Denkmal-Börse des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ein Liebhaber, der den Turm in Erbpacht übernimmt und denkmalgerecht instand setzt. Dafür gibt es "historischen Charme und einzigartige Wohnatmosphäre". Unterlagen von vier ernsthaften Interessenten hat Christiane Brock bis dato bekommen und laufend noch telefonische Erkundigungen. "Es sind interessante Kandidaten", sagt Bürgermeister Markus Schenk. Intendiert ist jeweils die Verwendung als Wohnraum bzw. zur Vermietung an Gäste. Ähnliches hatte wohl auch der letzte Pächter schon angestrebt, letztlich aber nicht verwirklicht.

Erste Pläne sollen im Sommer entstehen

Der Turm befindet sich seit Ende letzten Jahres wieder im Besitz der Stadt. Zuvor waren komplexe Erbangelegenheiten zu klären gewesen, die sich mehrere Jahre zogen. Selbst das Land Nordrhein-Westfalen sei beteiligt gewesen, so Schenk. Zwischenzeitlich hatte die Stadt als Eigentümerin noch Sicherungsarbeiten durchführen lassen. Schenk will den Sachstand nächste Woche im Hauptausschuss darlegen und dort die Vorgehensweise zur Bewerberauswahl besprechen, damit noch im Sommer erste Pläne mit den Behörden abgestimmt werden können.

Der Kees-Turm ist einer von insgesamt elf Rundtürmen und drei Schalentürmen, die noch erhalten sind. Die Stadtbefestigung ist nahezu geschlossen erhalten, wobei der Kessturm nicht der einzige im Rohbau ist, siehe Zieglersturm am Ochsenfurter Tor. Andere sind bereits Jahrzehnte verpachtet und von der gleichen Familie bewohnt. Eine jüngst gelungene Sanierung mit Nutzung als Feriendomizil stellt das Seelhaus mit dem Seelhaus-Turm dar.

14 Meter ragt der Kees-Turm in die Höhe. Er soll verpachtete und genutzt werden.
14 Meter ragt der Kees-Turm in die Höhe. Er soll verpachtete und genutzt werden. Foto: Antje Roscoe

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