Würzburg

Wassersparen ist angesagt

Die kühle Dusche ist Höhepunkt der Hitzetage, Rasensprenger sind im Dauereinsatz: Selten ist das sprudelnde Wasser aus der Leitung in Unterfranken so geschätzt worden wie in diesem Sommer. Nur was passiert, wenn das Nass knapp wird? Im Raum Forchheim in Oberfranken hat ein Wasserversorger bereits verboten, mit Trinkwasser das Auto zu waschen oder den Rasen zu bewässern. Droht Ähnliches auch in der Region?

Im Moment gebe es noch keine Probleme, die Trinkwasserversorgung sicherzustellen, sagt Leonhard Rosentritt, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen, das für den nord-östlichen Bereich Unterfrankens zuständig ist. Noch. Die Grundwasserbestände seien zwar „niedrig, aber nicht extrem niedrig“. Fallen Brunnen trocken, handele es sich meist um Brauchwasserbrunnen, die oberflächennahes Wasser zur Bewässerung von Gärten oder für die Landwirtschaft sammeln. Trotzdem ist stundenlanges Duschen derzeit nicht angebracht. „Jeder Bürger sollte bei dieser Wetterlage sehr bewusst mit Wasser umgehen.“ Echte Entspannung sei erst im Winter zu erwarten, wenn sich die Bestände wieder füllen.

Anlass für achtsame, aber noch keine bangen Blicke Richtung Wasserhahn sieht auch Herbert Walter. Der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Aschaffenburg, zuständig für den südwestlichen Teil der Region, erklärt, die Versorgung werde überwiegend über Brunnen und Fernwasser geregelt und sei gesichert. Probleme mit der Trockenheit gebe es nur in Einzelfällen, wenn Versorger ihr Wasser aus Quellen beziehen.

Diese könnten im Sommer weniger Wasser schütten – dann müssten Notversorgungen aktiviert werden. Ein Beispiel: In einem Ortsteil von Geiselwind (Lkr. Kitzingen) ist die Quelle so stark zurückgegangen, dass der Versorger Fernwasser zuleiten muss. Und auch bei einem Versorger im Spessart wurden Vorbereitungen getroffen, den Brunnen einer Brauerei mitnutzen zu können, sollte die Trockenheit andauern. Ein Aufruf zum Wassersparen wie in Forchheim konnte aber vermieden werden, sagt Walter.


Generell gilt in Bayern, dass Trinkwasser aus Grundwasser gewonnen wird, auch in trockenen Zeiten. Aufbereitetes Flusswasser wird nicht genutzt – und trotzdem wird der Main derzeit „ganz genau beobachtet“. Vom Umkippen sei der Fluss zwar noch weit entfernt, sagt Eva-Barbara Meidl, Gewässerbiologin bei der Regierung von Unterfranken.

Allerdings sei zu Wochenbeginn eine interne Vorwarnung ausgegeben worden, Messstationen würden verstärkt kontrolliert. Der Grund: Die Temperatur habe mit Werten zwischen 24 und knapp über 25 Grad kritische Höhen erreicht, der Sauerstoffgehalt sei aber noch sehr gut. Bleibt es jedoch heiß, könnte wie bereits im Juli eine Warnung ausgesprochen werden. Dann sollen laut Meidl alle Belastungen minimiert werden.

Mit hitzebedingten Einschränkungen müssen Touristen auf Kreuzfahrtschiffen oder Güterschifffahrer hingegen nicht rechnen – abgesehen vom Schwitzen an Deck. Wie das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Schweinfurt mitteilte, fließen aus den Zuläufen des Mains, Regnitz und Obermain, immer noch etwa 30 000 Liter pro Sekunde den Main hinab. Durch die Staustufen könne eine gleichbleibende Wassertiefe gehalten werden. Einzig Schwimmern droht stärkerer Güterverkehr.

Denn da der Main Teil der Donau-Rhein-Verbindung ist, wirken sich Einschränkungen dort auf Unterfranken aus, sagt Stephan Momper, Leiter des WSA Aschaffenburg. Wegen geringerer Wassertiefe muss Ladung von großen auf kleinere Frachter verteilt werden, der Verkehr nimmt zu. Das sei bereits 1976 und 2003 zu beobachten gewesen, sagt Momper. Aufpassen heißt es also doch – zwar noch nicht beim Griff zur Wasserflasche, aber beim Sprung ins kühle Nass.

So sieht es in einzelnen Gemeinden aus

Die Wasserversorgung sei gesichert, heißt es in Greußenheim (Lkr. Würzburg) und Lohr (Lkr. Main-Spessart). Sorgenfalten treibt die Trockenheit dagegen Wasserwart Uwe Hoyer in Geiselwind (Lkr. Kitzingen) auf die Stirn. Die Schüttung der Quellen und Brunnen lasse stark nach. Der Wasserwart sei die ganze Nacht unterwegs, um die Lage in den Griff zu bekommen, so Bürgermeister Ernst Nickel. Nachts, wenn wenig verbraucht wird, leitet Hoyer Wasser um. „Damit sich Quellen und Brunnen erholen können“, sagt er. Reicht das nicht, nutzt die Gemeinde Fernwasser.

„Aber zurückhaltend“, sagt Nickel. „Im Notfall werden wir wie in Forchheim Dinge verbieten.“In Gerolzhofen (Lkr. Schweinfurt) sind etliche Brauchwasserbrunnen versiegt, heißt es im Bauhof. Für die Gießkannen auf dem Friedhof sprudelt jetzt teures Trinkwasser aus der Fernleitung. Bayernweit sinken Grundwasser und Quellschüttungen, informiert der Niedrigwasserinformationsdienst des Landesamts für Umwelt. Dessen Internetseite (www.nid.bayern.de) zeigt die Lage tagesaktuell. Text: bea
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