Weikersheim

Weltfrauentag: Silbertischlerin Magdalena Vogt

Vogt-Tisch mit Silbereinlagen.
Foto: Andrea Rachele | Vogt-Tisch mit Silbereinlagen.

Zum Weltfrauentag am 8. März erinnern die Staatlichen Schlösser und Gärten an besondere Frauen wie Magdalena Vogt: Sie und ihr Bruder Johann Heinrich Vogt schufen viele der bis heute erhaltenen, wertvollen Silbermöbel in Schloss Weikersheim, wie es im Presseschreiben heißt. Obwohl Magdalena Vogt in den Rechnungsbüchern genannt ist, weiß man nichts Weiteres über sie. Ein Schicksal, das sie mit vielen weiblichen Angehörigen teile, die in den Handwerksbetrieben ihrer Familien mitarbeiteten – und ungewürdigt blieben.

Die Rolle von mitarbeitenden weiblichen Familienangehörigen in den Handwerkerateliers des Barock ist bislang wenig erforscht. Für Magdalena Vogt finden sich wenige, aber aussagekräftige Einträge in den Rechnungsbüchern von Schloss Weikersheim wie in der Rechnung vom 16. Juni 1713: "Dießem Vogt vor 45 1/2 tag lohn, da er vom 21. April biß 16. Juni nebst seiner Schwester in denen Herrschaftl. Zimmern geschafft, ad 45 xr. täglich gerechnet gut gethan worden 34 fl. [. . .] nebst deßen Schwester so ihm Handreichung gethan . . ." Gut ein halbes Jahr später gibt es einen weiteren Eintrag: "An laut Zettels vom 20. November 1713 musten dem Silber schreiner Vogten mit seiner Schwester von völliger außmachung der cheridons, Cantor und Tische, Ballirung der böden und anderen nach dem accordirten taglohn zahlt werden 47 fl (nebst Brodt und Wein)."

Magdalena muss handwerklich versiert gewesen sein

Namentlich genannt wird Johann Heinrich Vogt: Er gehört zu den wenigen bekannten Künstlern, die als Hofschreiner an verschiedenen hohenlohischen Residenzen tätig waren. Nach Weikersheim vermittelt wurde die Werkstatt der Geschwister Vogt wahrscheinlich durch die Verbindung der Weikersheimer Grafen mit der Verwandtschaft in Öhringen und Langenburg; dort war er am Hof angestellt. Dass Magdalena in den Rechnungsbüchern mit ihrem Namen genannt wurde, lässt die Vermutung zu, dass sie wie ihr Bruder in der Kunst der Silberschreinerei bewandert, zumindest handwerklich versiert, gewesen sein musste.

Ovaltisch Hohenloher Motiv
Foto: Joachim Feist | Ovaltisch Hohenloher Motiv

"Silbermöbel" gehörten am Beginn des 18. Jahrhunderts zur glänzenden und kostbaren Ausstattung von Schlössern: Meist wurden hölzerne Konstruktionen mit Silberblech und silbernen Ornamenten überzogen. In der Werkstatt von Johann Heinrich Vogt entstanden die Möbel aus heimischem Holz; die Silberelemente kamen aus Augsburg, aus der Stadt, die für ihre Spezialisierung auf luxuriöses Kunsthandwerk berühmt war. Die meisten Silbermöbel sind heute nicht mehr erhalten: Einmal aus der Mode gekommen, schmolz man das kostbare Silber ein und verwandelte es in – Silbergeld. Dass sich in Weikersheim eine große Zahl dieser repräsentativen Möbel des frühen 18. Jahrhunderts erhalten habe, sei außergewöhnlich – und typisch für dieses Schloss, so das Presseschreiben weiter.

Die schwarze Beize ließ die Möbel wie aus Ebenholz wirken

Für das Weikersheimer Grafenpaar waren Magdalena und Johann Heinrich Vogt vermutlich zwischen 1713 und 1718 tätig. Graf Carl Ludwig und Gräfin Elisabeth Friederike Sophie von Hohenlohe-Weikersheim richteten sich nach ihrer Heirat 1713 nach der vorherrschenden Ebenholzmode ein. Aus dieser Zeit stammen die meisten der Möbel in Schloss Weikersheim. Für "gefertigte Silber eingelegte und schwarz gebaizt Cheridons" erhielten die Geschwister Vogt zusammen 125 Gulden – eine damals sehr hohe Summe für Möbel. Durch die schwarze Beize wirkten die Möbel aus heimischem Nussbaum- und Birnbaumholz, als wären sie aus dem exotischen Ebenholz gefertigt. Bis 1717 bestand die Vogtsche Werkstatt in Langenburg, von 1717 bis zum Tod von Johann Heinrich 1733 in Öhringen.

Da fertiggestellte Arbeiten auch bar bezahlt wurden, fehlen weitere Belege für die Jahre nach 1713, in denen Johann Heinrich und Magdalena Vogt für das Grafenpaar von Hohenlohe-Weikersheim arbeiteten. Die Einträge im Rechnungsbuch, in denen Magdalena Vogt erwähnt wird, sind ein seltener Beleg dafür, dass Frauen in den Werkstätten mitarbeiteten und für ihre Arbeit auch entlohnt wurden. Aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung blieben sie jedoch unerwähnt oder gerieten in Vergessenheit. Die meisten der 23 erhaltenen Objekte mit Silberdekor lassen sich heute noch anhand der Inventarlisten und ihrer typischen Ausführung den Geschwistern Vogt zuweisen.

23 Objekte erhalten, darunter ein prachtvoller Tisch

Erhalten haben sich ganze Ensembles, aber auch Einzelstücke: neun Tische und sogenannte Guéridons, Beistelltische, ein Schreibtisch, drei Ofenschirme, ein Wandblaker und eine Tischuhr sowie insgesamt acht Spiegel. Ein besonders prachtvolles Stück sei der ovale Tisch für das Vorzimmer der Gräfin Elisabeth Friederike Sophie von Hohenlohe-Weikersheim: Er zeigt das Motto und Wappen der Hohenloher "Ex flammis orior" mit der bekrönenden Darstellung des Phoenix, der aus Flammen aufsteigt.

Spiegel in Schloss Weikersheim.
Foto: Magdalena Vogt | Spiegel in Schloss Weikersheim.

Die Weikersheimer Silbermöbel besitzen einen vielschichtigen Aufbau aus unterschiedlichen Materialien: Sie sind aus Holz, Textil, Metall, Glas und Papier gearbeitet. Mehrere Handwerke waren daran beteiligt: Neben dem Schreiner und Silberschreiner auch Schmiede, Goldschmiede, Spiegelmacher, Sticker und Uhrmacher. Die kostbaren Silberobjekte sind dank der umfassenden Restaurierungen durch die Fachleute der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg bis heute weitgehend in ihrem ursprünglichen Glanz erlebbar.

Derzeit sind die Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg wie alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen des Landes wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Die Schließung gilt mindestens bis mindestens zum 7. März.

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