Würzburg

Wie die Corona-Krise auf den Würzburger Arbeitsmarkt durchschlägt

Die Corona-Pandemie zeigt Auswirkungen auf die Zahlen im Bereich der Arbeitsagentur Würzburg. Es sieht nicht gut aus, und es ist keine Besserung in Sicht.
In Stadt und Landkreis Würzburg wurde seit Anfang März für knapp 32 000 Menschen Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur gemeldet.
In Stadt und Landkreis Würzburg wurde seit Anfang März für knapp 32 000 Menschen Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur gemeldet. Foto: dpa/Jens Büttner

Vom Kleinstbetrieb bis zum Großunternehmen: Auch im Bereich der Arbeitsagentur (AA) Würzburg ist als Folge der Coronavirus-Maßnahmen die Kurzarbeit im März und April geradezu explodiert. Gut 4500 Anzeigen auf Kurzarbeit sind in den beiden Monaten aus dem Agenturbezirk eingegangen, knapp 4000 alleine im April. Eine genaue Auswertung der Verteilung auf die verschiedenen Wirtschaftszweige soll es Anfang Juni geben, so Pressesprecher Wolfgang Albert auf Anfrage.

"Ein Ende ist noch nicht in Sicht."
Stefan Beil - Arbeitsagentur Würzburg

Zum Bezirk der AA Würzburg gehören neben der Stadt auch die Landkreise Würzburg, Kitzingen und Main-Spessart. Agenturleiter Stefan Beil hatte im monatlichen Bericht zur Arbeitsmarktentwicklung Ende April berichtet, dass die corona-bedingten Schließungen von Geschäften, Produktionsausfälle sowie erhebliche Auftrags- und Nachfrageeinbrüche dazu geführt hätten, dass trotz intensiver Nutzung der Kurzarbeit die Arbeitslosigkeit im Bezirk "spürbar angestiegen" sei. Rund 8500 Menschen waren im April arbeitslos gemeldet, etwa 2000 mehr als im April des Vorjahres. Die Arbeitslosenquote betrug damit 2,8 Prozent, höher war sie im April-Vergleich zuletzt vor vier Jahren.

Die Ausbreitung des Corona-Virus hat innerhalb kürzester Zeit deutliche Spuren hinterlassen

"Die Ausbreitung des Corona-Virus hat innerhalb kürzester Zeit deutliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen, ein Ende ist noch nicht in Sicht", betont Beil. Im Agenturbezirk wurde im März und April für insgesamt knapp 58 000 Menschen Kurzarbeit angemeldet – das sind mehr als ein Viertel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Angaben darüber, wie viele von ihnen tatsächlich in Kurzarbeit waren, liegen noch nicht vor.

Den höchsten Anstieg der Arbeitslosenquote gab es in der Stadt Würzburg.

Den höchsten Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,3 auf vier Prozent verzeichnete die Arbeitsagentur im April für die Stadt Würzburg. Deutlich besser sieht es im Landkreis aus mit einer geringen Steigerung von 1,9 auf 2,2 Prozent aus. Stichtag für die Erhebung war allerdings bereits Mitte des Monats, laut AA-Monatsbericht geht der Trend "steil in eine negative Richtung".

Der Negativtrend am Arbeitsmarkt lässt sich auch an der in Stadt und Landkreis Würzburg in den vergangenen beiden Monaten angezeigten Kurzarbeit ablesen: Im März gingen aus dem Stadtgebiet 218 Anzeigen für insgesamt 4277 Personen ein, im April waren es 1336 Anzeigen für 16 767 Personen – insgesamt sind das 1554 Anzeigen für rund 21 000 Beschäftigte und damit mehr als ein Drittel der 4530 Kurzarbeits-Anzeigen im Agenturbezirk. Im Landkreis waren es zusammen 1091 Anzeigen zur Kurzarbeit (März: 148 / April 943) mit 10 562 betroffenen Personen (März: 3135 / April: 7427).

Einen ersten Anhaltspunkt können die bayernweiten Daten geben.

"Im Gegensatz zur Wirtschaftskrise 2008 und 2009, bei der hauptsächlich das verarbeitende Gewerbe betroffen war, haben in der aktuellen Krise Betriebe und Abteilungen aus nahezu allen Branchen Kurzarbeit angezeigt", erläutert Pressesprecher Wolfgang Albert. Eine Auswertung der Verteilung auf einzelne Wirtschaftszweige wird für den Agenturbezirk im Juni verfügbar sein.

Es werden auch weniger Arbeitskräfte gesucht

Einen ersten Anhaltspunkt können aber die bayernweiten Daten geben. Im Freistaat sind von Jahresanfang bis Ende April knapp 104 000 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen. Ganz vorne liegen dabei die Bereiche Gastronomie (12 752), Einzelhandel ohne KfZ (11 731) und Gesundheitswesen (11 636). Belastbare Aussagen zur Größe der betroffenen Betriebe werden erst in einigen Monaten möglich sein, so Albert weiter. Dazu müssen erst die Anträge auf Auszahlung des Kurzarbeitergeldes, die unabhängig von der Anzeige der Kurzarbeit gestellt werden müssen, bearbeitet sein.

Die Corona-Krise führt außerdem zu einer deutlich sinkenden Nachfrage nach Arbeitskräften: Im April wurden im Agenturbezirk nur 670 neue Arbeitsstellen gemeldet, das waren 560 oder rund 45 Prozent weniger als 2019.

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