Würzburg

Wie eine Bande in Unterfranken Wohnmobile für Polen stahl

Die Bandenmitglieder kannten sich nur übers Handy - Lackierer bekam 500 Euro für einen Transport nach Polen. Jetzt wurde er in Würzburg verurteilt.
Auf Wohnmobile und Kleintransporter hat es eine Diebesbande aus Polen abgesehen, die auch in Unterfranken aktiv war. Einer von ihnen wurde jetzt in Würzburg verurteilt. Das Bild ist ein Symbolbild. 
Foto: Archivfoto Ruppert | Auf Wohnmobile und Kleintransporter hat es eine Diebesbande aus Polen abgesehen, die auch in Unterfranken aktiv war. Einer von ihnen wurde jetzt in Würzburg verurteilt. Das Bild ist ein Symbolbild. 

Wegen schwerem Bandendiebstahl in vier Fällen ist  ein 24 Jahre alter Autolackierer aus Polen  vom Landgericht Würzburg zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Sein "Job" war es, gestohlene Wohnmobile  und Transporter am Tatort,  meist auf dem Gelände von Autofirmen,  zu "übernehmen" und für eine Pauschale von 500 Euro nach Polen zu überführen.

"Angedacht" war eigentlich,  so der Vorsitzende Richter Konrad Döpfner,  eine Strafe um die sechs Jahre herum. Die sei dem Angeklagten nur deswegen  erspart geblieben,  weil er ein umfassendes Geständnis abgelegt hat,  damit  vielen Zeugen die Anreise nach Würzburg ersparte und dem Gericht  einen umfangreichen Einblick in die Struktur einer straff organisierten  Bande bis in deren letzte Verästelungen hinein gewährte.

Autoknacker nie gesehen

Den Mann,  der die verschlossenen  Wohnmobile und Transporter  nahezu spurenfrei öffnete und den Motor startete,  habe er,  so der Angeklagte,  in keinem Fall gesehen.  Er habe an den Tatorten immer Fahrzeuge übernommen,  deren Motor bereits lief.  Ihm sei gesagt worden,  dass er zügig eine Tankstelle aufsuchen solle und dass er  während des Tankens den Motor nicht abstellen dürfe. Der Autoknacker, den er nie zu Gesicht bekam, habe mit hochmodernem Gerät und Laptop gearbeitet,  das Equipment soll speziell zu dem Zweck in der Ukraine entwickelt worden sein.

50 Kilometer nach der deutsch-polnischen Grenze habe er die Autobahn verlassen müssen,  die Fahrzeuge in einem Waldstück übergeben. Dann  sei er von dem Fahrer abgeholt und nach Hause gebracht worden,  der ihn vorher zum Einsatz nach Deutschland gefahren hatte.  Namen,  soweit er doch welche erfahren hat, nannte der Angeklagte nicht,  aus Angst um seine Familienangehörigen in Polen.  Fahrzeuge in der Preisklasse bis über 60 000 Euro  hatte er in Gräfendorf im Landkreis Main-Spessart,  in Rauhenebrach im Landkreis Haßberge, bei einem Wohnmobilhändler im Westerwaldkreis und  bei einer Autofirma im thüringischen Rudolstadt  "übernommen". Ein Fahrzeug musste er stehenlassen,  weil er den Motor abgewürgt  und keine Chance hatte,  ihn -  wie für den Notfall beschrieben -   mit einem Schraubenzieher  wieder zu starten.  Auf ein weiteres Wohnmobil wartete man in Polen vergebens,  da der Angeklagte unterwegs auf der Autobahn  kontrolliert und festgenommen worden war.

Bandenmitglieder sollten möglichst nicht zusammentreffen

Davon,  dass bei den Autohändlern, die er "aufsuchte",  in derselben Nacht von der Bande  stets weitere  Fahrzeuge entwendet wurden,  will der Angeklagte nichts mitbekommen haben.  Ganz wichtig sei gewesen,  dass die Bandenmitglieder  möglichst nicht zusammentreffen.  Über Handy gesteuert  sei er immer erst  an einem Tatort eingetroffen,  wenn der große Unbekannte den gerade verlassen hatte, nachdem er wieder ein Auto geknackt und den Motor ohne Schlüssel gestartet hatte.

Im Pkw des Mannes,  der ihn zu den Einsätzen nach Deutschland fuhr,  sei außer ihm kein weiterer Mitfahrer gewesen,  obwohl in  derselben Nacht weitere Männer mit demselben Auftrag zum gleichen  Tatort gefahren wurden.  Angeworben wurde der Autolackierer nach seinen Angaben in einer Diskothek.  Man habe mitbekommen,  dass er Drogenkonsument sei, Geld für Stoff brauche und sich  mit einem etwas zu flotten Lebensstil verschuldet habe.

Gericht war von Reue des Angeklagten überzeugt

In seinem "letzten Wort" hatte der Angeklagte um eine niedrige  Strafe gebeten,  da er in der Untersuchungshaft  bereits  fast ein Jahr seines Lebens verloren habe. Das Gericht  war von seiner Reue überzeugt und  kam ihm, trotz drei Vorstrafen in Polen und zwei in Deutschland,  bei der Strafe entgegen, aber:  Bei der Staatsanwaltschaft in Halle  läuft noch ein weiteres Verfahren,  auch da geht es um Bandendiebstahl im Zusammenhang mit  "Fahrzeugexport" nach Polen.   

Das Urteil ist noch nicht rechtkräftig.

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