Würzburg

Wie eine Drohne Rehkitze vor dem sicheren Tod retten kann

Wenn jetzt Landwirte das hohe Gras mähen, leben Rehkitze besonders gefährlich. Das Mähwerk wird zur Todesfalle für die jungen Tiere. Wie können sie gerettet werden?
Erfolgreiche Rettung: Ralf Kuckertz und Michael Hein haben ein Rehkitz im hohen Gras aufgestöbert und konnten es vor dem Mähwerk in Sicherheit bringen. Das Foto entstand 2019.  
Erfolgreiche Rettung: Ralf Kuckertz und Michael Hein haben ein Rehkitz im hohen Gras aufgestöbert und konnten es vor dem Mähwerk in Sicherheit bringen. Das Foto entstand 2019.   Foto: Archivfoto Herbert Ehehalt

Es ist eine gefährliche Zeit für Bambis. Denn die erste Futterernte des Jahres auf den Wiesen trifft genau mit der Setzzeit von Rehen, Junghasen und Wiesenbrütern zusammen. Im Mai und Juni werden die Rehkitze geboren und von ihrer Mutter ins hochstehende Gras gesetzt, weil sie ihren Nachwuchs dort sicher wähnen. Ihre instinktive Überlebensstrategie, das so genannte "Drücken", schützt Kitze und Junghasen zwar vor ihren natürlichen Feinden, wie Fuchs und Greifvögeln, nicht aber vor dem Kreiselmähwerk. Wenn das über die Wiese gleitet, wird es lebensgefährlich für die jungen Tiere.

Zwei Dutzend Rehkitze gerettet 

Wie können die jungen Kitze gerettet werden? Im Vorjahr ging die BJV-Kreisgruppe Würzburg in Kooperation mit dem Kreisverband Würzburg im Bayerischen Bauernverband (BBV) erstmals neue Wege bei der Rettung des Nachwuchses vor der Todesfalle. Genutzt wurde eine Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet war. Viele Tiere konnten dadurch im Gras gefunden und gerettet werden. Mehr als zwei Dutzend waren es bei etwa zehn Einsätzen der Drohne. 

Der erfolgreichen Premiere folgte nun der Auftakt zu einer hoffentlich noch intensiveren Nutzung des Angebotes, wünscht sich Michael Hein, Vorsitzender der Kreisgruppe Würzburg im Landesjagdverband. Zumal die Kitz-Rettung in den sechs Hegegemeinschaften der BJV-Kreisgruppe für Jagdpächter und Landwirte vollkommen kostenfrei ist. "Es ist Teil unseres aktiven Beitrags zum Tier- und Artenschutz. Wobei wir aber gerne dankbar sind für eine Spende", so Hein. 

Auf der Suche nach Bambis: Drohnen-Pilot Ralf Kuckertz (links) und Vorsitzender Michael Hein bilden das Kitz-Rettungsteam der BJV-Kreisgruppe Würzburg. 
Auf der Suche nach Bambis: Drohnen-Pilot Ralf Kuckertz (links) und Vorsitzender Michael Hein bilden das Kitz-Rettungsteam der BJV-Kreisgruppe Würzburg.  Foto: Herbert Ehehalt

Zum ersten Mal in diesem Jahr wurde die Drohne vor ein paar Tagen in einem Revier in Höchberg eingesetzt. Für vier Wiesenflächen hatte der Landwirt dem Jagdpächter die Mahd angekündigt. In der Dämmerung des nächsten Morgens flog die Drohne über die Klee-Flächen, um Rehkitze zu finden. Dafür brauchte es einen Piloten, mindestens einen Beobachter und zwei Such-Helfer, die vom Jagdpächter zu organisieren sind. Bei möglichst niedriger Umgebungstemperatur scannt die Drohne die gewünschte Fläche aus einer Höhe von etwa 20 Metern, bei einer Geschwindigkeit von bis zu drei Metern in der Sekunde.

Auch Fußabdrücke werden im Wärmebild sichtbar

"Je niedriger die Temperatur der Bodenschicht, desto kontrastreicher erscheint das auf den Kontrollbildschirm übertragene farbige Bild", erklärt Pilot Ralf Kuckertz. Wärmequellen, selbst die von Bienenstöcken, oder auch nur menschliche Fußabdrücke, werden somit deutlicher. "Wird ein Kitz über die Wärmebildkamera geortet, werden die Such-Helfer per Funk zur Liegestelle geleitet, nehmen es auf und legen es außerhalb der Mahd-Fläche wieder ab. Dabei ist zwingend darauf zu achten, dass dies ohne direkten Körperkontakt zum Menschen geschieht. Denn: Nimmt ein Rehkitz Menschengeruch an, wird es in aller Regel von der Mutter verstoßen und muss folglich verhungern.

Eindringliche Bitte: Hunde an der Leine führen

Nach Einschätzung von Experten werden bundesweit jährlich allein rund 100 000 Rehkitze bei der ersten Grünland-Mahd grausam verstümmelt oder getötet. Das Problem: Der bei Jungtieren noch vorhandene Fluchtinstinkt lässt sie auch bei großer Gefahr nicht flüchten. Ihrem angeborenen Schutzverhalten entsprechend drücken sie sich instinktiv in ihr Versteck. Derart verhalten sich die Jungtiere auch, wenn sie von einem freilaufenden Hund aufgestöbert werden. Deshalb richten die Jagdpächter gerade jetzt ihren eindringlichen Appell an Hundehalter, ihre Vierbeiner an der Leine Gassi zu führen.

Kontakt zu Ralf Kuckertz: 0171 8092886 oder email: kitzretter@kuckertz.de und www.jagd-wuerzburg.de/willkommen/kitzrettung

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