Würzburg

Wirtschaftsexperte Bofinger: Corona-Paket  stützt die Stabilität in Europa

Der langjährige Würzburger Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält den Brüsseler Gipfel-Kompromiss für vertretbar. Deutliche Kritik übt er am Widerstand der "Sparsamen".
Peter Bofinger, bis zu diesem Sommersemester Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Uni Würzburg, spricht sich für eine größere europäische Solidarität in der Corona-Bekämpfung aus.
Peter Bofinger, bis zu diesem Sommersemester Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der Uni Würzburg, spricht sich für eine größere europäische Solidarität in der Corona-Bekämpfung aus. Foto: Patty Varasano

Er hatte in der Corona-Krise wiederholt zu europäischer Solidarität gemahnt. Mit der Brüsseler Gipfel-Einigung ist der langjährige Wirtschaftsweise Peter Bofinger zufrieden, warnt aber auch vor einer Überbewertung.

Die stark betroffenen Länder wie Italien und Spanien blieben wegen ihrer hohen Verschuldung weiterhin unter Druck. "Sie können in keiner Weise Konjunkturpakete auflegen wie wir in Deutschland", so der Würzburger Volkswirtschaftsprofessor auf Anfrage dieser Redaktion. Diese Schwäche treffe in den kommenden Jahren auch die deutsche Exportwirtschaft.

Dennoch bewertet Bofinger (65) den Brüsseler Kompromiss als überwiegend positiv. Er sieht darin einen wichtigen "Paradigmenwechsel", weil die EU nun als Gemeinschaft Schulden aufnimmt. "Es ist im Sinne der Solidarität richtig, dass der größte Teil der Gelder nicht als Kredite, sondern als Transfers in bedürftige Länder fließt", so der Ökonom.

"Rücksicht auf rechtspopulistische Strömungen"

Allerdings enttäuscht ihn, dass dieser Anteil von 500 Milliarden auf 390 Milliarden herunter verhandelt wurden. Dies führe zu Einsparungen bei wichtigen Ausgaben wie dem Klimaschutz, "nur weil sich die sparsamen Vier austoben und profilieren wollten." Die vier Regierungschefs aus den Niederlanden, Österreich, Dänemark und Schweden – zuletzt ergänzt um Finnland – hätten mit ihrem harten Kurs Rücksicht auf rechtspopulistische Strömungen in den eigenen Ländern genommen. "Das war ein Armutszeugnis. Vor allem die kleineren Ländern müssten eigentlich das größte Interesse an einem offenen, funktionierenden Europa haben", ist der frühere Wirtschaftsweise überzeugt.

Die "Sparsamen" hätten verhindert, dass die EU ein stärkeres positives Bild in der Bewältigung der Corona-Krise abgibt. Bofinger hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für Eurobonds mit der gemeinsamen Haftung der EU für die Zinsen ausgesprochen. Deutschland habe wirtschaftlich und politisch das größte Interesse, dass Italien und Spanien nach der Pandemie keine politischen und wirtschaftlichen Trümmerfelder werden, sagte der Wirtschaftsprofessor bereits im April. Die Einigung von Brüssel sei ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der europäischen Stabilität. 

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Andreas Jungbauer
  • Konjunkturprogramme
  • Peter Bofinger
  • Wirtschaftsexperten
  • Wirtschaftswissenschaftler
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
4 4
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!