Thüngersheim

Wo einst ein Waldstück mit Nadel- und Laubbäumen war

Schwere Schäden an den verbleibenden Gehölzen verschaffen Pilzen und anderen Krankheiten Lebensraum.
Foto: Hans-Jürgen Dietrich | Schwere Schäden an den verbleibenden Gehölzen verschaffen Pilzen und anderen Krankheiten Lebensraum.

Das schneefreie Winterwetter lockt derzeit viele Spaziergänger in die Weinberge rund um Thüngersheim. Wer dabei am ehemaligen Hubschrauberlandeplatz vorbei kommt, ist überrascht von den riesigen Stapeln an Baumstämmen. Wenige Schritte weiter sind auch tiefe Spuren von schweren Fahrzeugen im Waldboden zu finden. Folgt man diesen Spuren Richtung Moosberg, eröffnet sich nach gut 200 Metern eine parkähnliche Landschaft, wo einst ein Waldstück mit Nadel- und Laubbäumen zu finden war. Verantwortlich dafür sind sogenannte Pflegemaßnahmen im Rahmen des Life Natur-Projektes Mainmuschelkalk. Mit diesem Projekt sollen durch großräumige Rodungsmaßnahmen lichte Waldstrukturen geschaffen werden. In Thüngersheim sind davon die gemeindlichen Eigentumsflächen am Moosberg und im Dietal betroffen.

Nach einem Beschluss des Gemeinderates vom 13. November haben sich die Räte gegen die sofortige Durchführung der Maßnahme ausgesprochen, aber nach einem Ortstermin am 28. November zugestimmt, dass 60 Prozent des Bestandes ausgelichtet werden soll.

Die Jagdgenossenschaft Thüngersheim, der Weinbauverein Thüngersheim und Jagdpächter haben sich schriftlich und mündlich ausführlich gegen die Abholzung in dieser Größenordnung ausgesprochen. Sie sehen keinen naturschutzfachlichen Hintergrund und befürchten einen Verlust der Schutzfunktion des Waldes für die unterliegenden Kulturen, speziell den Weinbau. Nicht nur die östlichen Froststürme, Bodenerosionen und Felsabgänge sind nicht zu unterschätzende Aspekte, sondern auch die Zerstörung von Zufluchtsorten für Junghasen und Rehkitzen.

Das Fehlen von Bäumen und die nachfolgende Bildung von Trockenrasenflächen haben zur Folge, dass sich seltene Bodenbrüter, Eulen- und Spechtarten, sowie Schwarz- und Rotwild zurückziehen. Zudem werden lichte Waldbereiche zunehmend von Mountainbiker und Motocrossfahrern für ihre Freizeitaktivitäten genutzt, was der Natur nicht zu Gute kommt.

Den Abholzmaßnahmen sind viele einheimische Gehölzarten zum Opfer gefallen. Die sich in den letzten Jahren durch Samenflug wieder verbreiteten Wacholder, Goldregen, Mehlbeere, Rot- und Heimbuche sind fast vollständig entfernt worden. Zudem wurden bei den Arbeiten mit schweren Geräten an vielen verbleibenden Bäumen erhebliche Schäden festzustellen.

Nicht nur Winzer und Mitglieder der Jagdgenossenschaft zeigen sich erschüttert über das Ausmaß der Pflegearbeiten. Auch dürfte der Gemeinde ein finanzieller Schaden entstanden sein, denn der Erlös aus dem Verkauf des Holzes fließt nicht in die Gemeindekasse. Die ausführende Firma deckt damit ihre Kosten.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Thüngersheim
Hans-Jürgen Dietrich
Jagdgenossenschaften
Laubbäume
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!