Ochsenfurt

Wochenmarkt im Aufwind? So läuft es in Ochsenfurt und Eibelstadt

Eibelstadts Wochenmarkt ist wieder auf den Marktplatz gezogen, wo mehr los ist. Denn Märkte müssen nicht nur für die Kunden attraktiv sein, sondern auch für die Händler.
Giuseppe Gentile und Carolin Schoenenberg haben beim Wochenmarkt in Ochsenfurt samstags gut zu tun. Was fehlt, sind Händler-Kollegen.
Giuseppe Gentile und Carolin Schoenenberg haben beim Wochenmarkt in Ochsenfurt samstags gut zu tun. Was fehlt, sind Händler-Kollegen. Foto: Antje Roscoe

Aus Stuttgart kommt Willi Hupp gerade auf den Eibelstadter Marktplatz geeilt und in Sorge, dass er zu spät kommt, weil die Händler oft schon um 17.30 Uhr einpacken. "Da läuft dann eigentlich nichts mehr", sagt Jutta Steinhöfer. Tierfutter für Hund und Katz bietet die Vertragshändlerin aus ihrem Verkaufsauto heraus an und was man so braucht: Leinen und Leckerli. Hupp kauft nebenan: "Wie immer!". Es sind drei mal zehn Eier in Größe XL, die ihm Marco Pellicciotto einpackt. Die Eierkartons gehen nur gerade noch zu. Wer hat im Supermarkt zuletzt Eier XL gesehen? "Es gibt keine besseren Eier", versichert Hupp und nennt die anderen "Schusser".

"Wie immer, ganz normal" läuft das Geschäft an diesem Freitagnachmittag, findet Pellicciotti. Aber ganz wie immer ist es nicht. Zehn Jahre lang, seit der Sanierung des Heumarktes, hatte der Grüne Markt dort stattgefunden. Jetzt stehen die Händler erstmals wieder direkt vor der Rathaustreppe. Geht es nach Bürgermeister Markus Schenk, soll der ganze Platz rund um die Mariensäule bevölkert werden. "Die Idee ist, den Markt raus aus dem Versteck zu holen", spielt er auf den zwar idyllischen, aber doch abgelegenen Heumarkt an. "Hier am Marktplatz ist doch mehr Traffic und auch Parkplätze".

"Seit gut einem Jahr läuft es hervorragend, und wir müssen zu zweit sein."
Giuseppe Gentile, Markthändler in Ochsenfurt

Man hofft auf den Mitnahmeeffekt wie bei den Fahrradfahrern, die eine interessante Klientel ausmachen. Tatsächlich aber lebt der Markt von treuen Stammkunden einerseits - vor allem ältere Leute und verstärkt junge Familien – sowie von der Solidarität der Händler andererseits. Metzgermeister Stefan Herrmann wäre sonst schon abgesprungen, wie er sagt, "aber meine erste Kundin vom ersten Tag in Eibelstadt ist immer noch jedes Mal da". Belebung tut Not.

Der Marktplatz ist in Eibelstadt wieder Marktplatz: Jutta Steinhöfer (v. li.), Marco Pellicciotti, Elke Dürer, Melanie Baumgärtner und Stefan Herrmann halten den Wochenmarkt jetzt wieder vor dem Rathaus ab.
Der Marktplatz ist in Eibelstadt wieder Marktplatz: Jutta Steinhöfer (v. li.), Marco Pellicciotti, Elke Dürer, Melanie Baumgärtner und Stefan Herrmann halten den Wochenmarkt jetzt wieder vor dem Rathaus ab. Foto: Antje Roscoe

Schenk will aber auch eine Vernetzung mit den Ladengeschäften erreichen, mit dem Bäcker und dem Blumenladen nebenan. "Es ist ein Versuch", begründet er die Änderung. Dabei ist es nicht nur der Versuch, den Markt für Käufer attraktiv zu machen, sondern auch für die Händler. So fehlt in Eibelstadt aktuell ganz unbedingt ein Gemüse- und Obsthändler. Selbst die Kollegen bemühen sich. Pellicciotti hat eine Adresse für Gemüse dabei und Schenk einen Obstbauern in Aussicht. Der frühere aus Segnitz angereiste Gärtner hatte aufgegeben müssen, weil kein Verkaufspersonal zu finden war.

Ochsenfurt sucht nach weiteren Händlern

In Ochsenfurt träumt man ebenfalls von einem breiteren Angebot. Katharina Felton, zuständig für das Marktwesen, ist permanent auf der Suche nach weiteren Händlern. Bei der Bevölkerung wirbt sie für den vor zwei Jahren wieder ins Leben gerufenen Wochenmarkt mit Anzeigen, Flyern und wöchentlichen Posts in sozialen Medien – alles, um die Stadt lebendig und attraktiv zu erhalten.

Doch es ist sehr schwierig, resümiert sie. Einerseits gibt es Händler nicht wie Sand am Meer, die man überhaupt anfragen könnte, so Felton. Zum anderen müsse sie abwägen, um die richtige Balance finden. Denn die Ladeninhaber spüren die Konkurrenz auf dem Markt beim Umsatz. Der Fischhändler wiederum, der das Angebot ergänzen würde, hatte zu wenig Umsatz. Da stehen die kleinen Wochenmärkte wiederum in Konkurrenz mit dem Käuferaufgebot größerer Städte.

Das Marktwesen ist kein Selbstläufer – auch ohne Corona nicht.
Das Marktwesen ist kein Selbstläufer – auch ohne Corona nicht. Foto: Antje Roscoe

Tatsächlich bevölkern den Ochsenfurter Marktplatz nur jeden zweiten Samstag drei Stände. Sonst sind Giuseppe Gentile und seine Freundin Carolin Schoenenberg alleine mit ihrem Obst- und Gemüsestand. Zu tun haben sie fortlaufend. "Seit gut einem Jahr läuft es hervorragend und wir müssen mittlerweile zu zweit sein", sagt Gentile. "Auch Corona hat sich positiv ausgewirkt. Die Leute wollen nicht in den Supermarkt gehen und haben mehr Zeit zum Kochen. Es werden speziellere Fragen gestellt, was was ist und wie man es zubereitet".

Wo die Waren herkommen

Und tatsächlich ist so ein Markttag sehr aufschlussreich, denn es gibt immer Gesprächsstoff: So erfährt man unter anderem, dass die frischen Orangen im Winter bei Gentile von den Bäumen der Familie in Kalabrien direkt importiert werden, ansonsten das Knoblauchs- und das Kitzinger Land liefern. Elke Dürer aus Albertshausen wiederum verarbeitet und vermarktet alles selbst, was im Garten und auf den mehr als 50 Obstbäumen wächst, und zwar zuckerreduziert.

Pellicciotti aus Kitzingen ist Küchenmeister und zieht verschiedenstes Geflügel, kauft andererseits auch Eier zu und handelt eher nebenbei auf Märkten. Der Metzgermeister mit Landwirtschaft, dazu auch Jäger, Stefan Herrmann aus Gaubüttelbrunn wiederum stellt alles selbst her, was er verkauft: Fleisch von Rindern, Schweinen und Schafen und das Futter dazu – ohne Geschmacksverstärker.

Die Wochenmarkt-Zeiten: freitags von 14 bis 18 Uhr in Eibelstadt, samstags von 8 bis 13 Uhr in Ochsenfurt.

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