WÜRZBURG

Würzburg AG sieht Diskussion um Werbekampagne als Erfolg

Was wird denn nun aus dem umstrittenen „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“-Slogan für eine Würzburger Werbekampagne? Eine Findungskommission der gemeinnützigen Marketing-Vereinigung Würzburg AG hat den Spruch unter zahlreichen Entwürfen zum eindeutigen Sieger gekürt.
Bauhaus-Architektur auf der Keesburg: So will die Würzburg AG für Würzburg werben.
Foto: FOTO Würzburg AG | Bauhaus-Architektur auf der Keesburg: So will die Würzburg AG für Würzburg werben.

Doch die Kritik in Internet-Foren ist mehr oder minder vernichtend. Und die Stadt hält sich auffällig bedeckt.

Das hat auch Würzburg AG-Aufsichtsrat und Werbefachmann Dieter Schneider, einer der eifrigsten Verfechter des polarisierenden „Hammerslogans“ (Schneider) festgestellt.

Nach Vorstellung der Würzburg AG soll sich der Stadtrat mit dem Ergebnis der bisherigen Image-Diskussion befassen, um dann den Startschuss für eine Würzburger Werbekampagne zu geben.

Doch „bisher wurden fast alle Einladungen an Verantwortliche für einen direkten Dialog abgelehnt oder ignoriert“, ärgert sich Schneider.

„Sind die hohen Wellen der Provinz-Diskussion nicht Hinweis genug, dass Handlungsbedarf besteht?“ fragt er.

Das hat nicht den Anschein. Auch wenn Oberbürgermeister Georg Rosenthal den Slogan angeblich so schlecht gar nicht finden soll, hört sich Begeisterung anders an als in seinem Statement, das er auf Anfrage dieser Zeitung gegeben hat:



Er verfolge die Diskussion mit Interesse, wobei er bemerkt habe, „dass viele vor allem vermeintliche Negativseiten in den Vordergrund stellen, als auf Würzburgs schöne Seiten und Stärken zu schauen.“

Der begrüßenswerte Anstoß der Würzburg AG zeige, „dass wir am Innenmarketing verstärkt arbeiten müssen“, so Rosenthal. Doch der Slogan wie das Auswahlverfahren, lägen in den Händen der Würzburg AG.

„Ich find's einfach bescheuert“

Frank-Markus Barwasser Kabarettist

Kein Wort zum Spruch selbst sowie dazu, ob sich der Stadtrat mit dem Thema überhaupt befassen soll. Über die Gründe der Zurückhaltung lässt sich nur spekulieren.

Die Finanzen? Für eine Werbekampagne müsste man laut Experten mindestens einen sechsstelligen Betrag in die Hand nehmen.

Oder scheut man im Rathaus generell das heiße Eisen „Provinz auf Weltniveau“, das zumindest in der Internet-Diskussion durchgefallen scheint?

Dabei gibt es trotz massiver Kritik...
 



...vor allem am Begriff „Provinz“ auch positive Stimmen – wie die von Tina Kriede: „Der umstrittene Slogan hat mein Interesse geweckt. Also kann er gar nicht so schlecht sein.

Ich muss demnächst mal eine Reise nach Würzburg einplanen.“ Ein anderer Beitrag: „Ein Hammerspruch, Leute, lasst ihn euch nicht kaputtreden von einer brüllenden Minderheit, die schweigende Mehrheit findet ihn gut.“

Eine gewagte These, die Spruch-Verfechter Schneider unterstützt. Er wehrt sich gegen den Begriff „durchgefallen“.

Es wäre seiner Meinung nach „fatal, die Qualität der Online-Diskussion als repräsentativ zu werten.“ Schneider diskutiert im Netz eifrig mit.

So behauptet Geschäftsmann Carl Schlier, dass Würzburg „diese Provinz-Abklassifizierung nicht verdient“ habe.

Schneider entgegnet, dass Würzburg durchaus „etwas mehr Mut, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein sowie Gelassenheit und Humor“ verdient habe.

Da dürfte Würzburgs Humor-Ikone, Kabarettist Frank-Markus Barwasser, besser bekannt als Erwin Pelzig, zustimmen.
 
Mit dem Provinz-Spruch vermag er indes nichts anzufangen: „Ich find's nicht provokant, ich find's nicht originell, ich find's auch nicht ironisch. Ich find's einfach nur bescheuert.“

Insolvenz-Anwalt Bruno Fraas gilt als großer Kritiker der Provinz-Weltniveau-Kampagne. Sein Vorwurf:
 
Zum Entscheid der Findungskommission seien kaum Kritiker geladen worden, das sei ein „abgekartetes Spiel“ gewesen. Zudem sei die Vermarktung der Stadt Chefsache.

„Ein klares und Machtwort von dieser Stelle würde diesen konzeptionslosen Mist endlich beenden“, so Fraas.

Internet-Blogger Thomas Matterne findet den Slogan zwar gut, schränkt aber ein: „Kreative müssen in der Lage sein, eine gute Idee zu beerdigen, wenn sie beim Kunden nicht ankommt.“

Das hat die Würzburg AG nicht vor, auch wenn Schneider einräumt, dass für das Selbstverständnis der Stadt noch kein gemeinsamer Nenner gefunden sei.

Doch Klaus Walther, Geschäftsführer beim städtischen Eigenbetrieb Congress Tourismus Wirtschaft und Würzburg AG-Vorstand, wertet als Erfolg, dass man eine Diskussion zum Ziel Würzburgs Stärken besser „zu verkaufen“ ins Rollen gebracht habe.

Dabei dürfe man nicht nur auf den Spruch schielen. „Der war der Transporteur. Ob er den Transport übersteht, werden andere entscheiden“, sagt Walther.

So will die Würzburg AG OB Rosenthal im September „als Zwischenergebnis ein Paket mir Meinungen, Stimmungen, Argumenten und Ideen für die Marke Würzburg“ übergeben.
 
Bleibt die spannende Frage, was der OB mit dem Geschenk macht.

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