WÜRZBURG

Würzburg gedachte mit vielen Veranstaltungen der Zerstörung am 16. März 1945

Endlich ein Original: Eine echte Lore, wie sie von den schwer schuftenden „Trümmerfrauen“ nach der Zerstörung für den Abraum benutzt wurde, ist jetzt Denkmal der Erinnerung.
Foto: theresia müller | Endlich ein Original: Eine echte Lore, wie sie von den schwer schuftenden „Trümmerfrauen“ nach der Zerstörung für den Abraum benutzt wurde, ist jetzt Denkmal der Erinnerung.

In einer Serie von Veranstaltungen wurde am Freitag, 16. März, der Zerstörung Würzburgs vor 67 Jahren gedacht. Traditionell ist die Feier am Massengrab am Hauptfriedhof. Neu war in diesem Jahr ein Gedenken am Alten Kranen, wo nun eine Original-Lore steht, mit der damals Trümmerschutt aus der total zerstörten Innenstadt in Richtung Main zum Abtransport befördert wurde. „Jetzt haben wir eine authentische Lore, die als Symbol für die Zerstörung und vor allem für den Wiederaufbau der Stadt steht“, so Oberbürgermeister Georg Rosenthal bei der kurzen Feier am Kranenkai, an der auch die Stellvertreter Adolf Bauer und Marion Schäfer-Blake teilgenommen hatten.

Im Beisein einiger der wenigen noch lebenden „Trümmerfrauen“ erinnerte Rosenthal daran, dass am 16. März 1945 binnen 20 Minuten die Stadt total zerstört wurde. Es habe eine Diskussion gegeben, ob die Stadt überhaupt wieder aufgebaut werden kann. Dann habe man sich an die Arbeit gemacht und mittels solcher Loren über ein Schienennetz von 30 Kilometern 2,7 Millionen Kubikmeter Schutt entsorgt. Insofern sei diese Lore ein Symbol, welch große Leistung die Menschen damals vollbracht haben.

Die Symbolik einer solchen Lore wurde schon früher erkannt. Auf Initiative des früheren CSU-Stadtrats Rudolf Metzler, des ehemaligen Sozialreferenten Peter Motsch und der CSU-Politikerin Marion Seib wurde eine Lore aus einem Kali-Bergwerk aus Suhl aufgestellt. Viele, die sich mit dem Thema befasst hatten, zum Beispiel der heute 85-jährige Franz Göpfert oder Helmut Schätzlein von der Bauinnung, hatten das ebenso wie das Kulturreferat als Stilbruch empfunden. Die Rettung war Karl-Heinz Schicks, der bei der Firma Steinwerk Haas in Winterhausen noch eine dieser fränkischen Kipploren entdeckte, die mit größter Wahrscheinlichkeit beim Schutträumen in Würzburg im Einsatz waren. Jetzt wurde sie mit original Würzburger Schutt aus der Zerstörungsnacht befüllt. An dem gibt es kaum Mangel, weil er im Untergrund der Stadt noch immer vielfach zu finden ist.

Die Zerstörung der Stadt in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges hat sich tief ins kollektive Gedächtnis der Bürger eingebrannt. Aber auch die Ursachen für die Katastrophe, die 5000 Menschenleben forderte, sollen nicht in Vergessenheit geraten. Diese beiden Themen bildeten den Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung am Freitagmorgen am Hauptfriedhof. Unter dem Motto „Wege der Versöhnung“ lud das Nagelkreuzzentrum Würzburg zur Erinnerung an die Getöteten ein.

300 Bürger kamen ans Mahnmal

„Der 16. März 1945 steht exemplarisch für die Grausamkeit dieses Krieges“, wandte sich Oberbürgermeister Georg Rosenthal an die fast 300 Menschen, die sich am Hauptfriedhof eingefunden hatten. Dort am Mahnmal der Stadt, wo nach dem Angriff 3000 Menschen in einem Massengrab beigesetzt wurden, herrschte während des Gedenkens sonniges Frühlingswetter. Ein Umstand, der das weit entfernt scheinende Datum für die Anwesenden umso näher rücken ließ, war doch der Tag des Angriffes ebenfalls warm und klar. Schönster Sonnenschein zog damals die Würzburger Bürger ins Freie. Niemand ahnte etwas von der Katastrophe, die sich in den Abendstunden ereignen sollte.

Die zweite Station des „Weges der Versöhnung“ bildete die nahegelegene Versöhnungsglocke, wo das „Wandernagelkreuz“ durch Johanna Falk vom Würzburger Nagelkreuzzentrum an Generaloberin Schwester Rita-Maria Käß übergeben wurde. Bei den Ritaschwestern in der Sanderau wird das Kreuz für ein Jahr bleiben.

Rosenthal unterstrich bei der Übergabe, dass nicht nur an das erlebte Leid, Tod und Zerstörung erinnert werde Er mahnte auch, die Gründe für den Zweiten Weltkrieg und insbesondere die Bombardierung Würzburgs nicht aus den Augen zu verlieren: „Es kann nur eine Konsequenz geben: Nie wieder Krieg, nie wieder Diktatur.“


Das Nagelkreuz wandert: Elisabeth Nikolai vom Nagelkreuzzentrum gibt es an Generaloberin Schwester Rita-Maria Käß weiter.Obermeier
Foto: Foto: | Das Nagelkreuz wandert: Elisabeth Nikolai vom Nagelkreuzzentrum gibt es an Generaloberin Schwester Rita-Maria Käß weiter.Obermeier

Was passierte am 16. März 1945? Wir haben für Sie Zeitzeugendokumente, Interviews, Filmausschnitte und Bilder zusammengestellt.


Würzburg in Trümmern - Bilder, die die Würzburger nie vergessen werden:




Und so sah die Stadt vor ihrer Zerstörung aus:





Die Bombardierung Würzburgs



Video





Augenzeuge Fritz Schäffer über den 16. März



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Flug über die Ruinen von Würzburg



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Zeitzeugin Martha Nüßlein über den 16. März


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Mehr Bilder, Videos, Interviews und Zeitzeugendokumente finden Sie auf:

www.mainpost.de/geschichte



Mehr zu den Veranstaltungen zum Gedenken an die Zerstörung Würzburgs lesen Sie hier...




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