"Würzburg hat Besseres verdient"

"Ich habe ein Faible für Würzburg", nennt Dr. Hans-Eckhard Lindemann einen Grund für sein Engagement in der Bürgerinitiative "Ringpark in Gefahr". Ein zweites Motiv: "Mit dem Charakter unserer Stadt geht die Verwaltung seit einiger Zeit nicht gut um."

Deshalb mischt sich der ehemalige Leiter des Stadtplanungsamtes (1977 bis 1981) in die aktuelle Diskussion um das Einkaufszentrum am Bahnhof ein. Er findet: "Die Innenstadt hat Potenzial. Also sollte man den Mut finden, die Toplagen zu verändern, anstatt sich auf die brachen Flächen an ihrem Rand zu konzentrieren."

Zur Stärkung hat der 73-Jährige einige Ideen. Erstens gebe es auch in der Altstadt ungenutzte Flächen, die mit großflächigen Einzelhandel bebaut werden könnten. Als Beispiel nennt Lindemann den Faulhaber-Platz gegenüber vom Mainfranken Theater und das benachbarte Mozart-Areal, an denen bereits Investoren Interesse gezeigt haben. "Wenn man gleichzeitig Spiegel- und Eichhornstraße zu Boulevards ausbauen würde, hätte man eine Verbindung zu den Einkaufsstraßen und würde gleichzeitig die Theaterstraße aufwerten." Gleich um die Ecke sieht Lindemann die nächste Chance: "Die nicht mehr zeitgemäße CC-Passage in der Eichhornstraße könnte ein Investor modern und durchlässiger gestalten."

Das Geviert hinter dem Dominikanerplatz ließe sich nach Lindemann für ein Kaufhaus nutzen: "Wenn man das Parkhaus in der Bronnbachergasse abreißen würde." Diese Standorte haben für den BI-Aktivisten im Vergleich zum Bahnhof einen entscheidenden Vorteil: "Sie stärken die Innenstadt, anstatt sie wie die geplanten Arcaden zu schwächen."

Lindemann denkt aber nicht nur an mehr Einkaufsmöglichkeiten, sondern auch an bessere: Mehr Flair in der Altstadt. Was Besucher in Städten wie Bamberg oder Nürnberg schätzen, könnte es seiner Meinung nach auch in Würzburg geben.

Lindemann: "Würzburg hat schöne Ecken, die bislang nicht genutzt werden." Denn die Gassen in der Altstadt seien seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg gestalterisch vernachlässigt worden.

Beispiele für charmante aber ungenutzte Winkel abseits der breiten Einkaufsstraßen: Das Quartier hinter der Marienkapelle. Zwischen Bronnbacherhof und Ulmer Hof könnte man Gassen und Höfe öffnen, beleuchten und neu pflastern. So ließe sich laut Lindemann abseits der Haupteinkaufsstraßen ein Geviert mit kleinen, individuellen Läden ansiedeln. Ausbauen ließe sich dieser "Basar" zur Juliuspromenade hin.

Die Läden an der unteren Juliuspromenade würden für den ehemaligen Stadtplaner enorm gewinnen, wenn der Innere Graben fußgängerfreundlich gestaltet und durch großzügige Passagen zur Promenade hin geöffnet würde. Das gleiche Bild in der Theaterstraße: "Die Oberthürstraße ist eine vernachlässigte Toplage." Sie müsse verkehrsberuhigt, einladend gestaltet und zur Theaterstraße durchlässig gemacht werden.

Das Argument, dass der Stadt diese Grundstücke nicht gehören, lässt Lindemann nicht gelten: "In anderen Städten werden doch auch ganze Quartiere saniert, umstrukturiert und aufgewertet." Die Stadt könne solche Prozesse sehr wohl in Gang setzen: "Durch fachliche Beratung von Grundstückseigentümern, die sich gemeinsam für die Verbesserung ihres Straßenzuges einsetzen, Stichwort Business Improvement Districts."

Unter BID versteht man, dass sich Geschäftsleute und Hausbesitzer zusammentun, um beispielsweise die Straßenbeleuchtung zu verbessern oder einen Platz zu gestalten. "Wenn das Rathaus einer solchen Stadtentwicklung von unten eine höhere Priorität einräumen würde, könnte man in kleinen Schritten viel erreichen", glaubt Lindemann. Und: "Den Charakter dieser Stadt stärken statt zu zerstören."

Themen & Autoren
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)