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Würzburger Adventskalender: Überraschung im Ausland

Adventskalender-Autorin Lena Försch war als Teenager ein halbes Jahr in den USA. Obwohl dort  erst keine Weihnachtsstimmung aufkam, dreht eine Überraschung die Stimmung.
Würzburger Adventskalender: Überraschung im Ausland
Foto: Friso Gentsch, dpa

Mit 16 hatte ich mir in den Kopf gesetzt, für ein halbes Jahr an eine Highschool in den USA zu gehen. Ich dachte, dass das Leben an einer amerikanischen Highschool so aussehen würde wie in den Serien, die ich als Teenie mit einer fast religiösen Beharrlichkeit verfolgte. Ich konnte kaum glauben, dass meine Eltern die Reise in die USA erlaubten, und bereitete mich mental auf die – so dachte ich – aufregendste Zeit meines Lebens vor. Umso ernüchternder waren die ersten Tage in Long Island. Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht mit einem Gefühl, das ich bis dahin nicht kannte: Heimweh.

Mir war ständig nach Heulen zumute. In den überfüllten Gängen der Schule meinte ich immer wieder, die Gesichter meiner Geschwister auszumachen. Und dann stand auch noch Weihnachten in der Fremde bevor.

Sprachlos nach dem Öffnen des Geschenkpäckchens

Ich verbrachte die Tage rund um Weihnachten bei meiner Freundin Eliana und deren Mutter Diana. Wir machten einen Ausflug nach Massachusetts und beim Bummeln durch eine winterliche Kleinstadt entdeckte ich ein paar Ohrringe, die mir richtig gut gefielen. Als ich das Preisschild sah, lief ich jedoch enttäuscht weiter.

An Heilig Abend fuhren wir zurück. Die ganze Fahrt über dachte ich an meine Familie, die gerade bestimmt gemütlich vor dem Baum saß. Am nächsten Morgen – in den USA ist die Bescherung erst einen Tag später – drückte Diana mir ein kleines Päckchen in die Hand. Ich öffnete es und war sprachlos. Es waren die Ohrringe aus Massachusetts!

Diana umarmte mich und sagte „Merry Christmas, Darling“. Dieser Moment fühlte sich an wie Familie. Es war nicht der Schmuck, sondern die Geste, die mich rührte. Noch heute trage ich die Ohrringe und denke an Eliana und Diana, die mir ein bisschen Heimat in der Fremde schenkten.

Text: Lena Försch

Lena Försch ist Chefin des Würzburger Improtheaterfestivals.

In der Kolumne „Würzburger Adventskalender“ erzählen Menschen aus Würzburg Anekdoten rund um Advent und Weihnachtsfest.

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