GERBRUNN

Zirkus-Wohnwagen wurde ein Raub der Flammen

Abgebrannt: Die junge Zirkusfamilie Schmidt steht vor den Trümmern ihres Wohnwagens und des zerstörten Zeltes. Ihr Hab und Gut fiel Sonntagabend einem Brand am Sportplatz in Gerbrunn zum Opfer.
Foto: M. Lang | Abgebrannt: Die junge Zirkusfamilie Schmidt steht vor den Trümmern ihres Wohnwagens und des zerstörten Zeltes. Ihr Hab und Gut fiel Sonntagabend einem Brand am Sportplatz in Gerbrunn zum Opfer.

Die Darstellerfamilie Schmidt hat den ersten Advent zu Hause verbracht. In ihrem Fall sind das zwei Wohnwagen, die derzeit am Sportplatz in Gerbrunn stehen. Gegen 19.30 Uhr, „als wir gerade mit den Kindern gespielt haben, habe ich etwas ganz komisches gerochen“, erzählt Manolito Schmidt, Vater, Feuerspucker, Akrobat und Theaterschauspieler. Als der 35-Jährige den Wohnwagen, in dem die beiden Kinder schlafen und in dem die Kochzeile steht, verlässt, um nachzusehen, sieht er den zweiten Wohnwagen der Familie in Flammen stehen. „Ich war starr vor Schock, dann habe ich die Feuerwehr angerufen“, sagt Manolito Schmidt, „dann ist mir eingefallen, in dem Wohnwagen steht noch eine Gasflasche“.

Obwohl die Feuerwehr ihm geraten hatte, nichts zu unternehmen, schoben er und seine Frau Sabrina Schmidt den Wohnwagen vom Zelt weg. Dann öffnete er die Tür, krabbelte in den brennenden Wohnwagen, riss die Gasflasche aus der Wand und hastete aus den Flammen. Schnell breitete sich das Feuer aus und sprang auf das Zirkuszelt über.

„Wir stehen vor dem Nichts.“
Sabrina Schmidt Zirkusdarstellerin

Die rund 30 Feuerwehrleute konnten nur noch löschen – Wohnwagen und Zelt sind zerstört. Der Wohnwagen war haftpflichtversichert, das Zelt gehört zu „fliegenden Bauten“. Geld bekommt die junge Familie also von keiner Versicherung.

Manolito und Sabrina Schmidt sind Schausteller in vierter Generation. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit Akrobatik, Zauber- und Feuerspuckershows und Kasperletheater, Tiere treten in ihrem „Theaterzirkus“ nicht auf. Ihre Kinder, so wünscht sich das Paar, sollen den Familienbetrieb einmal übernehmen.

Vor vier Jahren zerstörte in Thüringen ein Sturm das Zelt der Familie. Sie nahmen Schulden auf, um ein neues zu kaufen. Vor knapp einem Jahr war das Zelt abgezahlt – jetzt ist es schon wieder zerstört.

Auch lagen in dem Wohnwagen „5000 Euro Ersparnisse, unsere Klamotten, Schmuck, Fotoalben und alle unsere Dokumente und Unterlagen“, berichtet Sabrina Schmidt, „das ist alles verbrannt. Wir stehen vor dem Nichts, haben nicht einmal Winterjacken“. 140 Euro sind vom letzten Auftritt noch in der Kasse. Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf 8000 Euro.

Der Verdacht der Polizei: Brandstiftung. Manolito Schmidt glaubt das aber nicht: „Wir haben ab und zu mal zerstochene Reifen oder ein Graffiti am Wohnwagen.“ Er glaubt, dass ein Kabelbrand die Ursache war. Der Wohnwagen, in dem er und seine Frau schliefen, war schon alt. Jetzt übernachten alle Familienmitglieder im Wohnwagen der Kinder.

Wie es weiter gehen soll, wissen sie nicht. „Auch wenn ich es nicht gerne sage, wir sind auf Hilfe angewiesen“, sagt Schmidt. Eine Weile dürfen sie noch kostenlos auf dem Parkplatz des TSV Gerbrunn bleiben. Die Familie mit den fünf- und siebenjährigen Kindern würde gerne in Kindergärten, Schulen oder Altenheimen auftreten, um Geld zu verdienen.

Wer die Familie unterstützen will, findet sie am Sportplatz in Gerbrunn; außerdem: Tel. 0175 790 86 85.

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