Würzburg

Mit neuen Messstationen dem Würzburger Klima auf der Spur

Auf einer Grafik der Stadt sind die Hitzezonen und die neuen Klimastationen eingezeichnet. Grafik: Stadt Würzburg
| Auf einer Grafik der Stadt sind die Hitzezonen und die neuen Klimastationen eingezeichnet. Grafik: Stadt Würzburg

Jeder redet derzeit über das Klima, besonders zu Zeiten des Diesel-Debakels. Doch wie sieht das Würzburger Mikro-Klima aus und welchen Einfluss haben Stadtbäume darauf? Antworten darauf soll es mit dem Projekt „Klimaerlebnis Würzburg“ geben, das am Donnerstag Thema im Ferienausschuss des Stadtrates war.

Das Konzept „Klimaerlebnis Würzburg“ ist ein wichtiges Projekt in und außerhalb der Landesgartenschau (LGS), machte Umweltreferent Wolfgang Kleiner in der Sitzung deutlich. Mit sieben Messstationen, sechs in der Stadt und eine auf dem Gelände der Gartenschau werden künftig ganz spezielle Daten erfasst, die dann auf der LGS gebündelt für Besucher anschaulich gemacht werden.

Rückschlüsse auf das Würzburger Klima

Sie sollen Rückschlüsse auf die Besonderheiten des Würzburger Klimas zulassen. Das Konzept schafft so auch eine thematische Verbindung zwischen der Innenstadt und dem LGS-Gelände.

Interessant ist jedenfalls auch das Projektkonsortium, also die beteiligten Institutionen. Das Forschungsvorhaben ist auf drei Jahre ausgelegt und wird von der Technischen Universität München und der Universität Würzburg durchgeführt. Unterstützt werden die Forschungseinrichtungen von der Stadt, vom ZAE, dem Zentrum für angewandte Energieforschung und vom Deutschen Wetterdienst. Das bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz fördert das Vorhaben mit über 500 000 Euro.

Unterschiedliche klimatische Situationen

Kleiner stellte Einzelheiten vor: Im Würzburger Stadtgebiet herrsche kein einheitliches Lokalklima. Die Stadt sei geprägt von verschiedenen klimatischen Situationen (Klimatope). Und je nach Versiegelungs- oder Begrünungsgrad oder Frischluftversorgung weise sie ein erhöhtes oder reduziertes Überwärmungsrisiko auf.

Städte zeichnen sich gegenüber ihrem Umland durch ein eigenes Klima aus, das offenbart ein Blick in die Präsentation der beiden Universitäten. Besonders an Hitzetagen steigen die Temperaturen in der Stadt gegenüber dem Umland stark an. Diesen Effekt nennen Klimaforscher Urbaner Wärme-Insel-Effekt (urban heat island effect).

Vermehrte Hitzewellen

Vor allem Städte wie Würzburg, die eine Kessellage mit einer dichten Bebauung und relativ wenig Stadtgrün aufweisen, sind davon stark betroffen. Der Untersuchungsstandort Würzburg liegt in Unterfranken, einer Region, die besonders vom Klimawandel mit vermehrten Hitzewellen und häufigen Trockenheiten betroffen ist, analysieren die beteiligten Universitäten.

Vor allem in der Innenstadt wird es in Zukunft zu erheblichen Steigerungen der Hitzetage und bei den Tropennächten kommen, wodurch die Lebensqualität der Menschen drastisch reduziert wird, so die Prognose der Forscher.

Stadtgrün kühlt

Stadtgrün, insbesondere Bäume, können das Klima eines Standorts positiv beeinflussen. Ihre Kronen spenden Schatten, die Blätter verdunsten Wasser und kühlen die Lufttemperatur. Im Wurzelraum werden Niederschläge gespeichert.

Das Projekt soll anhand von mehreren Standorten im Stadtgebiet von Würzburg aufzeigen, inwieweit sich das Klima eines Standorts in Abhängigkeit von Baumbestand und Stadtraumtyp unterscheidet und wie sich Stadtbäume und Kleinklima gegenseitig beeinflussen. Damit kann die Bedeutung von Bäumen für die Stadtplanung aufgezeigt werden. Zudem soll die Öffentlichkeit für das Thema Stadtklima und Stadtgrün sensibilisiert werden. Die Menschen können angewandte Forschung live miterleben.

Messstationen erfassen Daten

Beim „Klimaerlebnis Würzburg“ werden Daten mit den Messstationen erfasst. Dort würden dann Lufttemperatur, Niederschlag, Strahlung, Windgeschwindigkeit, Luftdruck und Luftfeuchte gemessen. Zusätzlich sollen an den verschiedenen Standorten auch Winterlinden und Robinien auf ihre Klimawirkung hin vermessen werden.

Das Ziel der Messungen und Auswertungen der Wachstums- und Ökosystemleistungen der Stadtbäume ist dabei, die Relevanz dieser Bäume für Klimaschutz und Klimaanpassung aufzuzeigen, so der Umweltreferent.

Die Standorte

Die Standorte: Mainufer Ludwigkai; Stadtzentrum Unterer Markt; Stadtzentrum mit vielen Bäumen Paradeplatz; Ringpark Rennweg und Husarenstraße; dicht bebautes Wohnviertel Zu-Rhein-Straße; locker bebautes Viertel Rottendorfer Straße Hublandtor und die Landesgartenschau.

An diesen Standorten wird es laut Projektvorstellungen eine Klima-Messstation geben, die bis auf den Marktplatz störungsfrei an Straßenlampen befestigt wird. Weitere Messeinrichtungen an den Bäumen erfassen den Saftfluss oder den Bodenwassergehalt. Eine Infotonne, die um den jeweiligen Baum montiert wird, enthält die wesentlichen Informationen zum Projekt.

Videowand auf der LGS

Und was passiert mit den so gesammelten Daten? Sie sollen im Internet sowie an der geplanten Klimaforschungsstation des ZAE mit einer Videowand auf der Landesgartenschau so dargestellt werden, dass sie von einem interessierten Publikum ohne fachliche Vorkenntnisse leicht zu verstehen sind. Mit der Errichtung der Stationen soll bereits demnächst begonnen werden.

Auch der Marktplatz soll für drei Jahre eine Klimastation bekommen. Der genaue Standort steht noch nicht fest. Collage: Universität Würzburg
| Auch der Marktplatz soll für drei Jahre eine Klimastation bekommen. Der genaue Standort steht noch nicht fest. Collage: Universität Würzburg
Würzburg_Stadtklima Kopie       -  Sieben neue Messstationen im Stadtgebiet sollen Aufschluss geben über das Würzburger Mikroklima. Bildgrafik: Jutta Glöckner
| Sieben neue Messstationen im Stadtgebiet sollen Aufschluss geben über das Würzburger Mikroklima. Bildgrafik: Jutta Glöckner
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