Fussball: 2. Bundesliga

0:1 im Derby: Jetzt wird es ganz eng für den Club

Der 1. FC Nürnberg stürzt nach der Niederlage gegen Greuther Fürth auf den Relegationsplatz. Die Dauerprobleme zeigten sich erneut. Nun folgt ein Schicksalsspiel.
Riesige Enttäuschung beim 1. FC Nürnberg: Torwart Christian Mathenia (links) und Kapitän Hanno Behrens nach den verlorenen Frankenderby.
Riesige Enttäuschung beim 1. FC Nürnberg: Torwart Christian Mathenia (links) und Kapitän Hanno Behrens nach den verlorenen Frankenderby. Foto: Heiko Becker

"Sportlich", sagte Trainer Jens Keller am Samstag nach dem nächsten Tiefschlag für den 1. FC Nürnberg, "kann man nicht viel machen bis Dienstag. Aber es ist wichtig, der Mannschaft zu zeigen, dass sie noch alles in der Hand hat." Das stimmt seit Sonntag nicht mehr ganz.  Nicht nur die 0:1-Niederlage im 266. Frankenderby gegen die Spvgg Greuther Fürth hat die Situation des FCN im Kampf gegen den Abstieg aus der 2. Bundesliga verschärft, sondern auch die Siege von zwei Konkurrenten.

Der gegen Stuttgart mit 2:1 erfolgreiche Karlsruher SC verdrängt Nürnberg durch das geringfügig bessere Torverhältnis (plus 2) auf den Relegationsplatz. Nur noch zwei Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang. Auf den würde der Club bei einer Niederlage am Dienstag in Wiesbaden  gegen den in Kiel mit 2:1 siegenden SV Wehen zurückfallen. Ob er es dann in den beiden letzten Saisonspielen gegen Stuttgart und in Kiel schaffen würde, noch einmal zurückzukommen, ist aufgrund der Entwicklung der letzten Wochen zu bezweifeln. 

Der eingewechselte David Raum erzielte per Kopf (56. Minute) das nicht unverdiente Siegtor für Greuther Fürth. Der erste Sieg nach der Corona-Pause beschert dem Kleeblatt den Sprung über die 40 Punkte-Marke und Planungssicherheit für die kommende Saison. Als einziger Zweitligist ist nun der große Nachbar seit der Saisonunterbrechung sieglos: vier Unentschieden, zwei Niederlagen bei 4:6 Toren. Insgesamt sind es sogar sieben Spiele ohne Dreier. Die ansprechende Leistung der zweiten Halbzeit beim 1:1 in Bielefeld vermochte der Club gegen Fürth nicht zu bestätigen. Der Auftritt war nicht richtig schlecht, aber auch nicht gut genug, um den Befreiungsschlag zu landen.

Keller wählte zudem einen defensiven Ansatz, über den sich streiten ließ: "Wir wollten Fürth den Ball geben und unser Umschaltspiel machen, das war auch wegen der hohen Temperaturen der Plan." Aber der ging nicht auf. Ein Kopfball und ein feiner Distanzschuss von Robin Hack (7., 19.) und eine gerade noch geklärte Handwerker-Hereingabe (28.), mehr Unruhe stiftete der Club vor der Pause nicht in der Fürther Abwehr um die beiden cleveren Oldies Marco Caligiuri und Mergim Mavraj. 

Die beste Nürnberger Führungschance vergab kurz nach der Pause Enrico Valentini, der den abgefälschten Ball  von der Strafraumgrenze aber freistehend vorbeischoss (49.). Valentini war damit Teil des Dauerproblems, das er so beschrieb: "Wir machen die Tore nicht, weil wir schlecht abschließen. Und hinten sind wir instabil, irgendwann kriegen wir eines." Der Rechtsverteidiger, erstmals seit der Corona-Unterbrechung wieder in der Startelf, ging als Ur-Cluberer mit einer Extraportion Biss in die Partie - was man von dem meisten seiner Teamkollegen nicht behaupten konnte. "Uns hat diese absolute Besessenheit gefehlt", erkannte Sportvorstand Robert Palikuca. Anders sah es bei den durchgehend kratzbürstigen Fürthern aus. "Wir haben das Derby angenommen", freute sich Trainer Stefan Leitl. Dem Nürnberger Druck bis zum Abpfiff hielt seine Mannschaft fast problemlos stand. Erst in der vierten und letzten Minute der Nachspielzeit kam der bei allem Bemühen harmlose Club zu einer nennenswerten Ausgleichschance, aber der eingewechselte Felix Lohkemper scheiterte mit seiner Kopfball-Bogenlampe an Torwart Sascha Burchert. 

"Wir haben nicht die richtigen Mittel gefunden", sagte Keller dazu. Noch immer setzt er auf seine drei notorisch erfolglosen Zentralstürmer. Mikael Ishak blieb eine Stunde lang nahezu ohne Wirkung, dann ging er raus. Zur Aufholjagd kamen Michael Frey  und Adam Zrelak im Doppelpack, aber es wurde eher peinlich als besser. Kurz vor Torschluss wird Keller kaum noch auf wendige Spitzen wie Hack, Fabian Schleusener oder Lohkemper umstellen. Bei zwei anderen Spielern hat er wegen mangelnder Leistung zwar spät, aber doch durchgegriffen. Johannes Geis wurde zum zweiten Mal nicht einmal eingewechselt, Nikola Dovedan gehörte im Derby gar nicht zum Kader. "Für Dienstag werden die Karten aber neu gemischt", sagte Keller, Dovedan betreffend.

Deutliche Anhaltspunkte, warum es am Dienstag im Schicksalsspiel gegen Wehen wenigstens für einen Punkt reichen sollte, gibt es keine. Kapitän Hanno Behrens, von dem wenig zu sehen war, blieben nur Durchhalteparolen: "Wir müssen uns reinknien, jedes Spiel bietet eine neue Chance." Sicher ist nur, dass Keller weiter auf der Bank sitzen wird. "Das bleibt so", versicherte Sportchef Palikuca, getreu seinem Motto: "Ruhe bewahren." Doch das fällt anderen schwer. Von der ersten in die dritte Liga durchgereicht zu werden, wäre nicht nur ein blamabler Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte. Bei rund 16 Millionen Euro an Fernsehgeldern weniger bliebe beim Club zudem kaum ein Stein auf dem anderen. 

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