FUßBALL: 2. BUNDESLIGA

2:2 nach 2:0-Führung: Der Club zahlt zu viel Lehrgeld

Fussball - 2. Bundesliga - 1. FC Nuernberg - Holstein Kiel       -  Da schien der 1. FC Nürnberg auf dem Weg zu einem Sieg im Spitzenspiel: Kapitän Hanno Behrens (rechts) sorgte mit diesem Schuss für die 1:0-Führung gegen Holstein Kiel. Die Grätsche von Dominik Schmidt (links) ging ins Leere.
Foto: Heiko Becker | Da schien der 1. FC Nürnberg auf dem Weg zu einem Sieg im Spitzenspiel: Kapitän Hanno Behrens (rechts) sorgte mit diesem Schuss für die 1:0-Führung gegen Holstein Kiel.

Die Stimmung war schlecht nach dem Spiel, denn das 2:2 fühlte sich an wie eine Niederlage. Aber Michael Köllner sorgte trotzdem für befreiende Lacher. Ob er sich nicht langsam von seiner Idee verabschieden müsse, das gerade eröffnete Eventzelt von Starkoch Alexander Herrmann im Frühjahr für die Club-Aufstiegsfeier nochmals aufzubauen, ist der Nürnberger Trainer auch gefragt worden. „Das war eine Aussage meiner Frau, die ein Glas Wein zuviel hatte, und mir in den Mund gelegt worden ist“, stellte Köllner klar. „Aber sie hat jetzt Alkoholverbot, damit das nicht mehr passiert.“

Fachliche Erklärungen dafür, dass die 2:0-Führung im Spitzenspiel gegen Holstein Kiel nicht zum Sieg gereicht hatte, fand Köllner natürlich auch. Der Mangel an Reife und Cleverness, den er seiner diesmal besonders jung formierten Mannschaft attestierte, zieht sich durch die letzten Wochen. Der Club zahlt einfach zu viel Lehrgeld. Deswegen reichte es auch im dritten Spiel in Folge nicht zu einem Sieg, obwohl die Nürnberger vor gut 27 000 Zuschauern viel stärker auftraten als bei den Niederlagen gegen Heidenheim und Ingolstadt vor der Länderspielpause. „Kompakt stehen, schnell umschalten, Leidenschaft zeigen – alle diese Themen, die zuletzt im Argen lagen, haben eigentlich funktioniert“, sagte Köllner.

Dabei hatte er vorsichtshalber auf die angeschlagenen Stammkräfte Kevin Möhwald und Patrick Erras verzichtet, die kommendes Wochenende aber wieder dabei sein werden. Edgar Salli und Lukas Hufnagel, der schon nach 13 Sekunden die Führung auf dem Fuß hatte, kamen herein, boten aber nicht mehr als Durchschnitt. Das gelungene Comeback von Georg Margreitter in der Abwehr nach sechswöchiger Krankheitspause sorgte mit dafür, dass Nürnberg die beste Offensive der Liga über zwei Drittel des Spieles gut im Griff hatte.

Ein Doppelschlag nach der Pause ließ den Club zudem wie den sicheren Sieger aussehen. Ein feiner Schlenzer von Kapitän Hanno Behrens, und das mit dem schwächeren linken Fuß, sorgte für die 1:0-Führung (54.). Acht Minuten später wuchtete Mikael Ishak eine abgefälschte Hereingabe von Eduard Löwen volley zum 2:0 unter die Latte– bereits das neunte Saisontor des Schweden.

Was dann vor ihm passierte, machte Margreitter einigermaßen fassungslos. „Es fehlt uns das Bewusstsein, dass jeder seinen Teil bis zum Ende konsequent beitragen muss. Dass jeder seinen Gegner anläuft“, sagte der Österreicher. An ihm und seinem Partner Ewerton lag es nicht. Und auch nicht an Fabian Bredlow, der nach dem spielentscheidenden Schnitzer von Thorsten Kirschbaum gegen Ingolstadt zum dritten Mal den Vorzug im Tor bekommen hatte. Sondern daran, dass sich Tim Leibold von Kiels Dominik Drexler nach einer kurz ausgeführten Ecke an der Grundlinie düpieren ließ und der eingewechselte Aaron Seydel mit dem ersten Ballkontakt zum 1:2 einnickte (70.). „Da haben wir es dem Gegner zu leicht gemacht“, wusste Köllner.

„Das Tor hat uns die zweite Luft gegeben“, sagte Kiels Erfolgstrainer Markus Anfang. Dennoch lag eher das dritte Club-Tor in der Luft als der schmeichelhafte Kieler Ausgleich. Doch wie ihn der Aufsteiger in der 88. Minute herauskombinierte, mit einem platzierten Flachschuss von Alexander Mühling als Schlusspunkt, verriet auch Klasse. „Das war ein starkes Tor, das muss man anerkennen“, sagte Köllner. In der Nachspielzeit hätte es sogar noch bitterer werden können für die Gastgeber, wenn sich der Fallrückzieher von David Kinsombi nicht nur aufs Tornetz gesenkt hätte.

Natürlich musste sich der Club-Trainer auch bohrenden Fragen stellen. Aber das Zweitliga-Debüt des 20-jährigen Alexander Fuchs, der unmittelbar vor dem ersten Gegentor hereinkam, hatte direkt nichts mit dem schlechten Ausgang des Spiels zu tun. Den späten Auftritt von Cedric Teuchert (ab der 81. Minute) erklärte Köllner damit, dass der 80-Minuten-Einsatz für die deutsche U21 in Israel eben nicht spurlos an seinem zweiten Topstürmer vorbei gegangen sei.

Bis weihnachten noch drei Mal auswärts

Die schwache Heimbilanz (nur drei Siege in acht Spielen) setzt den Club nun für die Partie in Braunschweig unter Druck. Dass es bis zur kurzen Winterpause nur noch ein Heimspiel (gegen Sandhausen) gibt, könnte aber sogar ein Vorteil sein. Es geht noch nach Düsseldorf und Kaiserslautern, bevor fünf Tage vor Heiligabend das Pokalspiel gegen Wolfsburg das Jahr beschließt.

Dass es nicht gelang, den Sieben-Punkte-Rückstand auf Kiel zu verkürzen, nahm Köllner eher gelassen. „Was die Tabellensituation angeht, ist nichts Dramatisches passiert.“ Grundsätzlich gilt für ihn: „Wir müssen an unserem Spiel festhalten.“ Ob die nötige Portion Coolness noch dazu kommt, um im Mai tatsächlich über eine Feier nachdenken zu können, das ist die Frage.

„Es fehlt uns das Bewusstsein, dass jeder seinen Teil bis zum Ende konsequent beitragen muss.“
Club-Profi Georg Margreitter zur vergebenen 2:0-Führung
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