Frankfurt/Main

Bundesliga-Geisterspiele: Was bedeutet das für die Fans?

Leere Sitze       -  Bei vielen Bundesligaspielen bleiben infolge der Coronavirus-Ausbreitung die Stadien leer.
Bei vielen Bundesligaspielen bleiben infolge der Coronavirus-Ausbreitung die Stadien leer. Foto: David Young/dpa

Geisterspiele in Mönchengladbach, Wolfsburg, Bremen und Dortmund dürften erst der Anfang sein. Der Coronavirus und seine Folgen wirbeln den deutschen Fußball kräftig durcheinander. 

Was bedeutet der Zuschauerausschluss für die Fans? Wer kann davon profitieren, und wer leidet besonders? Die Deutsche Presse-Agentur beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie sind Entschädigungen für Ticket-Inhaber im Fall von Geisterspielen geregelt?

Wenn Ticket-Inhaber von einem Spiel ausgeschlossen werden, können sie nach Ansicht von Verbraucherschützern ihr Geld vom Veranstalter zurückverlangen. „Der Veranstalter kommt damit seiner Leistungspflicht nicht nach”, sagt Parsya Baschiri, Verbraucherrechtsberater der Verbraucherzentrale Bremen.

Gibt es Unterschiede zwischen Tagestickets und Dauerkarten-Inhaber?

Einfach stornieren können Betroffene ihre Dauerkarte aus Sorge vor dem neuen Coronavirus nicht. „Allerdings ist es möglich, für eine einzelne Veranstaltung, die abgesagt wurde, den Preis anteilig zu ermitteln”, sagt Baschiri. Betroffene können sich diesen Betrag nach Auffassung des Verbraucherschützers zurückerstatten lassen - selbst wenn es in den AGB anders steht. Besitzer einer Dauerkarte sollten sich an die Kartenvorverkaufsstelle oder den Veranstalter wenden.

Wie viel Geld nehmen die Vereine in der Fußball-Bundesliga bei ihren Spielen ein?

Rund 520 Millionen Euro kassierten die 18 Erstligisten in der vergangenen Saison durch direkte Spieleinnahmen - hauptsächlich Ticketverkäufe. Das sind rund 13 Prozent des Gesamtumsatzes der Clubs, wie aus dem DFL-Wirtschaftsreport 2020 hervorgeht. Zum Vergleich: Einen noch größeren Teil ihrer Einnahmen erzielen die Vereine durch Medienerlöse (rund 37 Prozent), Werbung (21 Prozent) und Transfers (rund 17 Prozent).

Was bedeutet der drohende Einnahme-Ausfall für Clubs in anderen Sportarten und unteren Fußball-Spielklassen?

Einige Verantwortliche fürchten um nicht weniger als die Existenz. „Wenn wir keine Tickets verkaufen könnten und sogar noch Geld zurückzahlen müssten, wäre das ein finanzielles Desaster”, sagte  Sebastian Schmidt von den Basketball Löwen Braunschweig der „Braunschweiger Zeitung”. Anders als die Fußball-Bundesligisten, die Millionensumme durch den Fernsehvertrag generieren, sind Clubs aus anderen Sportarten oder dem Amateurfußball weit mehr auf Einnahmen durch die zahlenden Zuschauer angewiesen.

Drittligist 1. FC Kaiserslautern muss zum Beispiel elf Millionen Euro auftreiben, um die Lizenz für die kommende Spielzeit zu bekommen - den Ticket-Vorverkauf stellten die Pfälzer vor lauter Ungewissheit aber erstmal ein. Spielabsagen wären für Vereine aus 3. Liga und Regionalliga womöglich sogar die bessere Alternative zu Geisterspielen.

Wie wird sichergestellt, dass tatsächlich keine Fans in die Stadien gelangen?

In Mönchengladbach sollen Ordner dafür sorgen, dass keine Fans zum Rheinderby gegen den 1. FC Köln am Mittwochabend in den Borussia-Park kommen. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer ist in Bezug auf das Geisterspiel zwischen Werder und Bayer Leverkusen am kommenden Montag im Austausch mit den Bremer Vereinsverantwortlichen. Er sorgt sich auch darum, dass sich möglicherweise Fans außerhalb des Stadions versammeln könnten. „Im Zweifel müssen wir auch dann wieder starke Polizeikräfte zur Verfügung stellen”, sagte er.

Wie reagieren die übertragenden Sender auf Geisterspiele?

Hinter den Kulissen wird über kostenfreie TV-Übertragungen bei möglichen Geisterspielen der Fußball-Bundesliga diskutiert. Eine Entscheidung gibt es aber noch nicht, die ARD hat Live-Übertragungen ausgeschlossen. Der Pay-TV-Sender Sky überträgt für seine Kunden die Partien am Samstag und Sonntag. Der ebenfalls kostenpflichtige Streamingdienst DAZN zeigt am Freitag die Begegnung Fortuna Düsseldorf gegen SC Paderborn.  

Rechnen Fan-Kneipen jetzt mit einem Ansturm?

Für das stadionnahe Dortmunder Sportlokal „Mit Schmackes” ist das Geisterspiel im Revierderby zwischen dem BVB und Schalke eine „mittlere Katastrophe”. Die Tische seien ohnehin schon seit fünf Wochen ausgebucht, sagt Geschäftsführer Christopher Reinecke, der das Lokal vor vier Jahren mit dem ehemaligen Dortmund-Profi Kevin Großkreutz eröffnete. Ihm entgingen nun durch den Ausschluss des Publikums vor und nach dem Spiel hunderte Reservierungen von Stadiongängern. „Bei 300 Reservierungen und etwa 20 Euro Umsatz pro Person, kann man sich ja ausrechnen was uns dabei entgeht”, sagt Reinecke.

Andere Kneipen wittern dagegen die Chance auf höhere Umsätze: In der Münchner Sportsbar „Cafe Schiller” wolle man im Falle des möglichen Zuschauer-Ausschlusses bei kommenden Heimspielen für einen Ansturm der Fußballfans alle Kapazitäten frei machen, sagte Eigentümer Walter Staudinger. „Eventuell werden wir dann Sitzplätze zu Stehplätzen umfunktionieren, damit mehr Leute Platz finden.” Die Bayern spielen an diesem Samstag beim 1. FC Union Berlin. Das Spiel wird nach Auskunft örtlichen Behörden im Berliner Stadtbezirk Treptow-Köpenick mit Zuschauern ausgetragen.

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