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Coronavirus bedroht den Handball: Hilferuf der Bundesliga

Handball       -  Wegen des Coronavirus kommt auch der Spielbetrieb in den Europapokalwettbewerben sowie der EM-Qualifikation der Frauen-Nationalteams zum Erliegen.
Wegen des Coronavirus kommt auch der Spielbetrieb in den Europapokalwettbewerben sowie der EM-Qualifikation der Frauen-Nationalteams zum Erliegen. Foto: Robert Michael/dpa

Die sich zuspitzende Corona-Krise bedroht die Existenz von Handball-Clubs und hat für einen beispiellosen Hilferuf der Bundesliga an die Politik gesorgt.

„Der Ruf nach Hilfe ist einheitlich laut”, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Oberstes Ziel ist jetzt die bestmögliche Absicherung der Liquidität der Clubs und der HBL selbst. Die Situation ist extrem strapaziert. Momentan gibt es nur Ausgaben, keine Einnahmen.”

Das Coronavirus legt die Bundesliga bis mindestens Ende April lahm. Auch das ursprünglich für das Wochenende vom 17. bis 19. April in Berlin geplante Olympia-Qualifikationsturnier der Nationalmannschaft wurde am Freitag in den Juni verlegt. Zudem wurden alle Europapokal-Spiele und die EM-Qualifikation der Frauen bis 12. April ausgesetzt.

Davon betroffen sind unter anderem die für Ende März geplanten EM-Qualifikationsspiele der deutschen Frauen gegen Slowenien sowie das Champions-League-Heimspiel der SG Flensburg-Handewitt am 18. März gegen Montpellier HB. Auch die nächsten EHF-Pokal-Spiele der Rhein-Neckar Löwen, der Füchse Berlin, der MT Melsungen und des SC Magdeburg sind betroffen. Den Clubs fehlen dadurch etwa Ticketing- und Sponsoreneinnahmen, also ihre Haupteinnahmequellen.

„Unterstützung der Politik ist zwingend notwendig, dass es für uns als Wirtschaftsunternehmen die gleiche Unterstützung gibt wie für andere Wirtschaftsunternehmen auch. Um Gottes willen keine Bevorzugung, aber auch keine Benachteiligung”, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning der Deutschen Presse-Agentur. „Wir müssen jetzt alle gemeinsam schauen, wie wir diese Phase überstehen. Ein probates Mittel wäre, dass wir Krankenkassenbeiträge nicht mehr zahlen müssen oder öffentlich finanziertes Kurzarbeitergeld beziehen können.”

Am Montag (11.00 Uhr) schalten sich die Bosse der Bundesliga-Clubs in einer Telefonkonferenz zusammen, um über konkrete Forderungen an die Politik zu beraten. Geschäftsführer Wolfgang Strobel vom Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten sieht die Existenz einiger Vereine in Gefahr. „Es steht nicht nur die Existenz eines Clubs, sondern einer ganzen Branche, auch in anderen Sportarten auf dem Spiel”, sagte er. „Wenn ich höre, dass genug Geld da ist für die Wirtschaft, dann sehe ich uns da genauso beteiligt.”

Der Deutsche Handballbund (DHB) richtete am Freitag zudem einen eindringlichen Appell an alle Vereine und forderte die Aussetzung des kompletten Spielbetriebs bis mindestens 19. April. Diese Forderung umfasst alle Ligen in Deutschland, von der Bundesliga bis zum Spielbetrieb aller Landesverbände und deren Gliederungen. Alle Spiele - in der Bundesliga, im Europapokal, in der EM-Qualifikation sowie im DHB-Pokal - sollen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Das Olympia-Qualifikationsturnier der Nationalmannschaft mit Spielen gegen Schweden, Slowenien und Algerien soll vermutlich in der zweiten Juni-Hälfte stattfinden.

„Sportliche Prioritäten müssen im Moment klar hintenanstehen”, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. Auch die Lehrgänge der Nationalmannschaften werden laut DHB-Angaben vorerst abgesagt. Wie und ob es weitergeht, weiß derzeit niemand.

„Jetzt sind Schlecht-Wetter-Management-Qualitäten gefordert. Wir haben jahrelang einen Wachstumskurs gehabt, jetzt ist eine neue Situation”, sagte Bundesliga-Geschäftsführer Bohmann. „Wir können uns jetzt nicht wie geschlagene Hunde in die Ecke legen.” Aber je länger die Corona-Krise andauert, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die Liga. „Für drei Monate ist das vielleicht zu managen. Wenn wir ein ganzes Jahr damit zu tun haben, wäre das eine komplett neue Lage.”

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