Nürnberg

Der Club und die nervigen Achterbahnfahrten

Enttäuschung bei Nikola Dovedan und dem 1. FC Nürnberg: Das Pokal-Aus in Kaiserslautern war der nächste Dämpfer für den Zweitligisten. Foto: Heiko Becker

Die ständigen Achterbahnfahrten des 1. FC Nürnberg gehen den Beteiligten selbst auf die Nerven. "Jede Woche passiert was Neues, das habe ich noch nie erlebt", sagt Flügelflitzer Robin Hack, "wir müssen dringend daran arbeiten, konstanter zu werden."  Denn der Absturz ist fast schon vorprogrammiert, was ein Blick auf die letzten drei Auftritte zeigt. Bei der 3:4-Niederlage in Aue verschoss Michael Frey in der achten Minute der Nachspielzeit einen Strafstoß, der den Ausgleich gebracht hätte. Im Zweitliga-Heimspiel  gegen Regensburg kassierte der Club in der 94. Spielminute den 1:1-Ausgleich, zu dem der gegnerische Torwart die Vorlage lieferte.

Und beim Pokalspiel am Mittwoch in Kaiserslautern mogelten sich die Nürnberger zwar noch in die Verlängerung, ließen dort aber die Führung liegen, um am Ende mit 5:6 im Elfmeterschießen (2:2) gegen den Drittligisten auszuscheiden. Die Bilder des vergeblich nach den gut geschossenen Bällen hechtenden Enrico Valentini, der nach dem Achillessehnenriss von Patric Klandt wegen der bereits erfolgten vier Wechsel kurz vor Ende der Verlängerung in den Kasten musste, werden im Kopf hängen bleiben. 

Nach vier Monaten noch keine gefestigte Mannschaft

Auch Trainer Damir Canadi geht es mittlerweile auf die Nerven, dass seine Mannschaft stets das schlechtere Ende für sich hat: "Leider können wir diese Spiele, in denen viel passiert, nicht ziehen. Wäre es anders, würde uns das auf unserem Weg helfen." Die Zweifel werden immer größer, ob der Nürnberger  Weg noch in die Spitzengruppe der zweiten Liga führen wird. Der Club hat zwar einen interessanten Kader, aber nach vier Monaten gemeinsamer Arbeit noch immer keine gefestigte Mannschaft. Die Defensive neigt beständig zu Wacklern. Im Spielaufbau tritt selbst Kapitän Hanno Behrens die Verantwortung mittlerweile gerne an den erfahrenen Johannes Geis ab. Der Ex-Schalker hat sich als neue Leitfigur etabliert, aber es hängt zu viel von ihm ab. Im Angriff fehlt es am letzten präzisen Pass und an der Kaltblütigkeit im Abschluss. 

"Wir müssen dringend daran arbeiten, konstanter zu werden."
Robin Hack, Nürnberger Flügelspieler

Nach den statistischen Zahlen hätte es in Kaiserslautern nur einen Sieger geben dürfen. Der Club hatte 70 Prozent Ballbesitz und kam auf krasse 32 Torschüsse (Lautern sieben). Doch auf dem Rasen kam nie der Eindruck auf, als hätte der FCN den niederklassigen Gastgeber im Griff. Im Gegenteil, der Bundesliga-Absteiger leistete mit seinen Fehlern freundliche Aufbauarbeit für die in der 3. Liga auf einem Abstiegsplatz stehenden "Roten Teufel".  Die waren bereit, "Gras zu fressen", wie Kaiserslauterns Trainer Boris Schommers  nach dem Triumph gegen seine ehemalige Mannschaft markig sagte. Dies, zwei verwandelte Elfmeter in den 120 Minuten und sechs im Strafstoßschießen machten den  Stimmungsaufheller möglich, bevor es am Samstag am Betzenberg gegen die Würzburger Kickers im Liga-Alltag wieder um überlebenswichtige Punkte geht. 

Die beiden Nürnberger Gegner vor der neuen Länderspielpause heißen VfL Bochum (am Montag) und Arminia Bielefeld (im nächsten Heimspiel). Beide sind ebenfalls in der zweiten Pokal-Runde auf der Strecke geblieben, beide machten in ihren Spielen gegen Bayern München und Schalke 04 aber wesentlich mehr Eindruck als der Club. Der muss sich also steigern, um wieder Siege feiern zu können und nicht in eine Tristesse abzugleiten.

Palikuca versteht die Fans, aber keine Trainerdiskussion

Selbst wenn dass nicht gelingt, dürfte der Stuhl von Trainer Canadi  nicht wackeln. Sportvorstand Robert Palikuca hatte bereits nach dem Spiel gegen Regensburg erklärt, er verstehe die Unzufriedenheit der Anhänger gut, aber intern werde er keine Trainerdiskussion aufkommen lassen. Die Arbeit des Trainerteams sei gut.

Mit Mathenia und Klandt, dessen Punktspielpremiere für den FCN ein bitteres Ende fand, gibt es nun bereits zwei verletzte Torhüter. Klandt wird  am Montag an der linken Achillessehne operiert. In Bochum wird Benedikt Willert auf der Bank sitzen, nachdem Jonas Wendlinger an einer Schambeinentzündung laboriert.  Außenverteidiger Oliver Sorg, der in Kaiserslautern mit einer Gehirnerschütterung ausgeschieden war, kann in den nächsten Tagen nicht am Mannschaftstraining teilnehmen, damit dürfte er für Bochum ebenfalls ausfallen.

Rückblick

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