Dortmund

Der spektakuläre Haaland-Transfer und seine Folgen

Transfer-Coup
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke übergibt Neuzugang Erling Haaland das Trikot von Borussia Dortmund. Foto: Joel Kunz/BVB Medien/dpa

Mit dem spektakulären Transfer von Erling Braut Haaland hat Borussia Dortmund frühzeitig im Winter ein Zeichen im Titelrennen gesetzt. Die Meisterschaft hat der BVB noch lange nicht aufgegeben.

Mit dem lange vermissten Mittelstürmer soll im neuen Jahr die Aufholjagd in der Fußball-Bundesliga gelingen. Fragen und Antworten zum wahrscheinlich spektakulärsten Wechsel dieses Winters.

Warum hat der BVB Haaland überhaupt geholt?

Weil der Bundesliga-Vierte unbedingt einen Mittelstürmer und Torjäger benötigt. Auch wenn Trainer Lucien Favre genau diesen Spielertyp im Sommer ablehnte - Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke räumte es auf der Mitgliederversammlung im November als Fehler ein, eben keinen geholt zu haben. Die Kader-Nachbesserung jetzt gilt zudem als Signal an die Konkurrenz: Der BVB will im Titelrennen noch einmal angreifen. Der Angreifer erhält als Wertschätzung die Rückennummer 17. Die trug einst der von den BVB-Fans besonders geschätzte brasilianischen Außenverteidiger Dede.

Warum ging Haaland nicht zu Salzburgs Schwester-Club nach Leipzig?

Die Sachsen waren sehr wohl interessiert. Aus den Aussagen ist aber einerseits herauszuhören, dass Haaland in Dortmund die bessere Perspektive für sich sah. Zum anderen hat sich der BVB offenbar mehr bemüht. Die Konkurrenz beim Red-Bull-Club in Leipzig mit Timo Werner, Patrik Schick und Yussuf Poulsen ist größer. Schon bei Trainer Marco Rose ließ Leipzig einen begehrten Mann aus dem Red-Bull-Kosmos aus Salzburg zur Konkurrenz gehen, weil die Sachsen andere Pläne hatten.

Was bedeutet der Transfer für BVB-Coach Favre?

Der Schweizer wackelte bereits bedenklich, war in der Taktik und der Außendarstellung aber zu Zugeständnissen bereit. Wohl auch dadurch stabilisierte sich der BVB zum Ende der Hinserie. Man kann den Transfer aber so deuten, dass der Club keine Rücksicht mehr auf die Befindlichkeiten des sensiblen Zauderers Favre nimmt. Allerdings ist der 19 Jahre alte Haaland bislang ein Talent, das von Sportchef Michael Zorc als „Rohdiamant” bezeichnet wird. Und Favre scheint mit Blick auf solche Spielertypen der perfekte Coach - man denke etwa an den jungen Marco Reus in Mönchengladbach zurück.

Welche Folgen hat dies nun für offensive Ersatzspieler wie Mario Götze oder Paco Alcácer?

Die Einsatzchancen beider steigen nicht gerade. Ohnehin war das Duo kaum noch erste Wahl. Alcácer wird nun prompt mit Atlético Madrid in Verbindung gebracht, an Götze ist angeblich Hertha BSC interessiert. Ob einer von beiden den Club im Winter tatsächlich verlässt, ist aber fraglich. Götze ist im Sommer ablösefrei und ein anderer Spielertyp. Sollte Dortmund Alcácer abgeben, stünde die Borussia im Sturm wieder völlig blank da, wenn sich Haaland mal verletzt.

Darf Haaland für den BVB überhaupt in der Champions League spielen?

Ja. Die Regel, dass Spieler, die im Winter wechseln, nach Europa-Cup-Einsätzen für den alten Club beim neuen Arbeitgeber nicht mehr international spielen können, gilt längst nicht mehr. Seit der Saison 2018/2019 dürfen bis zu drei Winter-Transfers eines Clubs für diesen im Europapokal zum Einsatz kommen, selbst wenn sie im ersten Halbjahr noch für ihre Ex-Clubs international gespielt haben. Zuvor ging dies nur bei einem Winter-Transfer.

Warum kostet Haaland „nur” 20 Millionen Euro an Ablöse?

Wegen einer Vertragsklausel. Der tatsächliche Marktwert wird auf rund 45 Millionen Euro taxiert. Natürlich muss der BVB für das Gesamtpaket deutlich mehr bezahlen: Zur Ablöse kommt ein Jahresgehalt, das laut „Bild” bei rund acht Millionen Euro liegen soll. Spekuliert wird über eine Provision für den Berater, etwaige Bonuszahlungen könnten hinzu kommen. Sollte Haaland seinen Vertrag bis 2024 erfüllen, hätte dieser somit ein Volumen von insgesamt knapp 60 Millionen Euro.

Was ist von Haaland zu erwarten?

Der 19-Jährige gilt als großes Versprechen im europäischen Fußball. Haaland ist ein internationales Top-Talent, aber auch (noch) nicht mehr. In Österreich wurde der Norweger „Fußballer des Jahres” und schoss 16 Tore in 14 Spielen - nur ist das Niveau der deutschen Bundesliga höher. In der Champions League traf er indes auch achtmal in sechs Partien, er ist damit hinter Bayern Münchens Robert Lewandowski erfolgreichster Stürmer im Wettbewerb. Wunderdinge zu erwarten, wäre aber vermessen. Allerdings gilt Haaland als bodenständig, lernwillig und fokussiert. Er wird sich beim BVB durchsetzen und den nächsten Karriereschritt machen.

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