FUSSBALL: BUNDESLIGA

Derbys Bayern gegen Club: Helmer schweigt zu Phantom-Tor

Das Phantomtor am 23. April 1994:  Bayerns Thomas Helmer (Mitte) hatte den Ball nach einer Ecke ungeschickt neben das Tor von Nürnbergs Schlussmann Andreas Köpke (links) bugsiert. Der Linienrichter entschied dennoch auf einen Treffer und der Schiedsrichter akzeptierte diese Entscheidung.
Das Phantomtor am 23. April 1994: Bayerns Thomas Helmer (Mitte) hatte den Ball nach einer Ecke ungeschickt neben das Tor von Nürnbergs Schlussmann Andreas Köpke (links) bugsiert. Der Linienrichter entschied dennoch auf einen Treffer und der Schiedsrichter akzeptierte diese Entscheidung. Foto: Imago

Erstmals seit vier Jahren kommt es am Samstag (15.30 Uhr) in der Allianz Arena wieder zum bayerisch-fränkischen Fußball-Derby zwischen dem FC Bayern München und dem 1. FC Nürnberg. Es ist die 190. Auflage. Das Duell zwischen dem aktuellen und dem früheren deutschen Rekordmeister sorgte für unzählige Geschichten. Unvergessen ist etwa das Pokalfinale 1982 in Frankfurt, als der Club mit 2:0 führte, die Münchner um den nach einer Kopfverletzung mit einem Turban versehenen Dieter Hoeneß aber noch mit 4:2 triumphierten.

Wenig überraschend: In den gemeinsamen Bundesliga-Jahren fuhren die Bayern in 60 Derbys alleine 37 Siege ein. Zwölf Partien endeten unentschieden. Nur elf Mal gewann der FCN, der meist als krasser Außenseiter antrat. Wir nehmen vier Bundesliga-Derbys, die aus Nürnberger Sicht eine besondere Note besitzen, noch einmal unter die Lupe.

Der höchste Club-Sieg

Die Saison 1967/68 bringt dem Club unter Trainer Max Merkel die neunte und letzte deutsche Meisterschaft. Eine wichtige Wegmarke dazu ist der 7:3-Kantersieg gegen den FC Bayern am 2. Dezember 1967. Vor 65 000 Zuschauern im Städtischen Stadion schafft Stürmer Franz Brungs, der sich den Spitznamen „Goldköpfchen erwirbt, mit fünf Treffern Historisches. Mit 0:6 liegen die Münchner schon hinten, bevor sie das Ergebnis noch verschönern. Doch die junge Mannschaft um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller steht vor einer goldenen Zukunft. Der Club steigt 1969 als entthronter Meister ab und verbringt neun lange Jahre in der zweiten Liga.

Das Phantomtor und seine Folgen

Der 23. April 1994 geht in die Bundesliga-Geschichte ein. Der drittletzte Spieltag, der FC Bayern kämpft noch um die Meisterschaft, der Club gegen den Abstieg. Bayern-Spieler Thomas Helmer stochert den Ball nach einem Eckball ungelenk neben statt ins Nürnberger Gehäuse. Doch Linienrichter Jörg Jablonski, der später geltend macht, er sei von der Sonne geblendet worden, zeigt ein Tor an und Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers gibt den Treffer zur Münchner 1:0-Führung. Helmer wird dazu nicht gefragt, sagt auch nichts und hat bis heute einen schweren Stand bei Club-Fans. Hätte der FCN später noch die Chance zum 2:2-Ausgleich genutzt – Manfred Schwabl scheiterte mit einem Foulelfmeter an Raimond Aumann – , hätte er wohl trotz des irregulären Treffers keinen Protest gegen die Wertung des Spiels eingelegt. So ist das DFB-Sportgericht an der Reihe. Es findet zu Gunsten des Gerechtigkeitsempfindens einen Kniff, den Tatbestand der Tatsachenentscheidung zu umgehen, und setzt die Partie neu an. Am 3. Mai 1994, direkt vor dem letzten Spieltag, gewinnt der FC Bayern dann klar mit 5:0 – der höchste Erfolg gegen den Club in gemeinsamen Bundesliga-Jahren.

Für beide Vereine ein entscheidendes Ergebnis: die Münchner werden am Ende mit einem Punkt Vorsprung auf den 1. FC Kaiserslautern Meister. Die Nürnberger steigen aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem SC Freiburg ab. „Das war natürlich die Vollkatastrophe“, sagt Schiedsrichter Osmers im Rückblick dem Magazin „11 Freunde“. Ohne das Phantomtor hätte alles anders kommen können. Linienrichter Jablonski erhält Morddrohungen, wird vom Verband herabgestuft und beendet bald seine Schiedsrichter-Laufbahn.

Der letzte Club-Sieg

Der 20. Spieltag der Saison 2006/2007. Bayer München steckt in der Krise, liegt acht Punkte hinter dem aus Werder Bremen und Schalke 04 bestehenden Führungsduo und entlässt vor dem Gastspiel in Nürnberg Trainer Felix Magath. Der zurückgekehrte Ottmar Hitzfeld muss erleben, wie seine Mannschaft am 2. Februar mit 0:3 (0:1) untergeht. Die drei Stürmer Ivan Saenko (13.), Markus Schroth (71.) und Robert Vittek (86.) erzielen unter Flutlicht die Treffer für den stark aufspielenden Club. Ein noch größeres Debakel verhindern die Münchner nur mit Mühe. „Ich habe große Undiszipliniertheiten gesehen“, schimpft Hitzfeld, der sich vor allem über die unkontrollierten Vorstöße von Verteidiger Lucio aufregt.

Nach dem Spiel kann beim Club auch Verteidiger Javier Pinola wieder lachen. Als ihn Trainer Hans Meyer wegen eines drohenden Platzverweises bereits nach 19 Minuten auswechselt, wirft ihm der Argentinier das Trikot vor die Füße. Am Saisonende wird der Club Tabellensechster und verpasst die Teilnahme am Uefa-Pokal knapp, gewinnt aber dafür den DFB-Pokal. Der FC Bayern schafft trotz Hitzfeld nur Platz vier und verpasst bis heute zum letzten Mal den Einzug in die Champions League.

Das letzte Aufeinandertreffen

Schwerarbeit haben Polizei und Ordnungsdienst am 8. Februar 2014 zu verrichten. Kurz vor dem Anpfiff im Städtischen Stadion enthüllen die Club-Ultras in der Nordkurve ein Banner der Münchner „Schickeria“, das 2011 entwendet worden war, und zerreißen es in Stücke. Der Polizei gelingt es mit Mühe, einen Durchbruch der wütenden Bayern-Anhänger aus der Südkurve zu verhindern. Das Spiel nimmt trotz eines guten Nürnberger Starts den erwarteten Ausgang. Die von Pep Guardiola betreuten Bayern gewinnen durch Tore von Mario Mandzukic (18.) und Philipp Lahm (49.) glatt mit 2:0 (1:0). Die Münchner, die noch drei Mal am Aluminium scheitern, bleiben damit ungeschlagener Tabellenführer, der Club rutscht auf den Relegationsplatz.

Zwei schwere Verletzungen schlagen aufs Nürnberger Gemüt. Stürmer Daniel Ginczek kommt nach seinem Kreuzbandriss bis Saisonende gar nicht mehr zum Einsatz, Außenverteidiger Timothy Chandler kann nach einem Riss des Außenmeniskus nur noch zwei Mal auflaufen. Trainer Gertjan Verbeek wird beurlaubt, am Saisonende steht als Vorletzter der achte Abstieg ins Unterhaus. Der FC Bayern wird dagegen mit 19 Punkten Vorsprung Meister.

 

In einer früheren Version des Artikels war davon der Rede, dass der 1. FC Nürnberg 1967 im Frankenstadion gespielt habe. Allerdings hieß die Sportstätte zu dieser Zeit noch Städtisches Stadion.

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