Fussball: 2. Bundesliga

Die Nürnberger Baustelle

Es fehlt dem Club noch an der Bindung und einer Hierarchie. Trainer Canadi weiß, dass sich das in den beiden Heimspielen gegen Osnabrück und Heidenheim ändern muss.
Sein Tor hatte nicht zu einem Nürnberger Punktgewinn gereicht: Innenverteidiger Asger Sörensen nach dem Schlusspfiff in Sandhausen.
Sein Tor hatte nicht zu einem Nürnberger Punktgewinn gereicht: Innenverteidiger Asger Sörensen nach dem Schlusspfiff in Sandhausen. Foto: Uwe Anspach

Die guten Erinnerungen an Sandhausen sind nun auch beim Teufel. Am 6. Mai 2018 hatte der 1. FC Nürnberg im Stadion am Hardtwald mit einem 2:0-Sieg den achten Aufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht. Die Rückkehr in die Fußball-Provinz 15 Monate später wurde für den Club zu einem Fiasko. Bei der 2:3 (1:2)-Niederlage zeigte sich deutlich, dass der Zweitliga-Rückkehrer noch keine Mannschaft besitzt, die höheren Ansprüchen genügt.

Hier der Spielbericht

Immerhin hatte die Nürnberger Baustelle nach einer unterirdisch schlechten ersten Hälfte einen 0:2-Rückstand ausgeglichen. Der späte Sandhausener Siegtreffer in der 89. Spielminute war ärgerlich, bewahrte aber vor der üblichen Schönfärberei. „Wir sind sehr enttäuscht. Speziell, wenn man das Gegentor so spät bekommt, ist es natürlich bitter“, sagte Trainer Damir Canadi. „Aber es lag heute nicht an der Schlussphase, sondern an der ersten Halbzeit. Dort haben wir Einstellung und Disziplin vermissen lassen. Das tut doppelt weh.“

Dass sich der Club in die Spiele hinein zittert, ist in dieser Saison aber die Regel. In Dresden und beim Pokalspiel in Ingolstadt kam die Mannschaft um einen möglichen Rückstand herum und gewann noch, im klar verlorenen Heimspiel gegen Hamburg war nach einer halben Stunde und einem 0:2-Rückstand wie nun in Sandhausen schon fast alles gelaufen. Canadi weiß auch, dass sich das in den beiden anstehenden Heimspielen gegen Osnabrück und Heidenheim ändern muss. „Das ist die Challenge, vor der ich als Trainer jetzt stehe“, sagte der Österreicher.

Behrens und Ishak könnten aus der Mannschaft rutschen

Eine verlässliche Bindung gibt es weder in den Mannschaftsteilen selbst, noch zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff. Entsprechend groß sind die Räume, die sich einem entschlossen spielenden Gegner, wie es Sandhausen war, dann bieten. Unter Sportvorstand Robert Palikuca und Trainer Canadi spielen nur noch wenige Stammkräfte der letzten Saison, so sie den Verein nicht ohnehin verlassen haben, eine tragende Rolle. Eine neue Hierarchie hat sich noch nicht entwickelt. Trotzdem hat der Freitagabend in Sandhausen den Veränderungsprozeß wohl weiter beschleunigt. Kapitän Hanno Behrens und Ex-Torjäger Mikael Ishak blieben zur Pause in der Kabine, die Bank könnte für beide zum Dauerzustand werden. Oder sogar ein Wechsel in Betracht kommen.

Schweizer Stürmer Michael Frey kommt auf Leihbasis

Behrens, der sich viele Verdienste erworben hat, ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst; Neuzugang Johannes Geis könnte ihn als Lenker verdrängen. Und der notorisch glücklose Ishak wird sich wohl künftig schwer tun, an dem von Fenerbahce Istanbul ausgeliehenen Schweizer Michael Frey (25) vorbeizukommen. „Er ist ein großer, kantiger, bulliger Spielertyp. Solche Typen haben wir nicht“, steckte Palikuca bei Sky bereits die Rahmenbedingungen ab.

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