HANNOVER

Ein Franke schießt den Club auf den letzten Platz

Fussball
Die Entscheidung: Nicolai Müller hat zum 2:0 für Hannover 96 getroffen und dreht jubelnd ab. Foto: Frank Peters, Witters

Und jetzt? Der 1. FC Nürnberg hat das zum „Endspiel“ um den Klassenerhalt ausgerufene Duell in Hannover mit 0:2 (0:1) verloren, ist wieder Tabellenletzter. Den Unterschied für die Hausherren machte Wintereinkauf Nicolai Müller, ein Franke, der als Doppeltorschütze das Spiel entschied. Und mag noch einer hören, wenn Trainer Michael Köllner nach 15 sieglosen Spielen ausgerechnet vor dem Spiel gegen Tabellenführer Dortmund erklärt, dass „jeder schlagbar ist, auch wenn sich das blöd anhört. Dann müssen wir halt da mal einen 'Big Point' machen?“

Rot nach elf Minuten

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Ein ungeschicktes Einsteigen von Simon Rhein genügte (11.), um den Club zu dezimieren. Der 20-Jährige sah Julian Korb nicht kommen, traf den 96er an Knie und Unterschenkel: Glatt rot war hart, aber berechtigt, auch wenn Club-Sportchef Andreas Bornemann die Entscheidung bei „Sky“ als völlig überzogen brandmarkte: „Da musst du nicht Rot geben, Gelb ist völlig ausreichend“. Damit habe Referee Tobias Welz zu einem frühen Zeitpunkt „entscheidend“ eingegriffen.

Chancen vergeben

Was stimmte – und auch wieder nicht: Denn Törles Knöll (19.) und vor allem Adam Zrelak (31.) ließen gute Chancen für die in Unterzahl clever spielenden Nürnberger liegen. Und dann war ohne Not der aus Wernfeld (Lkr. Main-Spessart) stammende Nicolai Müller (45.+5) völlig frei, köpfte ein, als alle auf den Pausenpfiff warteten. Auch das regte Bornemann mächtig auf: Fünf Minuten Zugabe vor der Pause, zwei am Ende, das verstehe keiner. Da könne man ja gleich würfeln, „dann wäre es wenigstens nachvollziehbar“.

Müller bester Mann am Platz

In Abschnitt zwei nutzte Hannover die Überzahl besser, vor allem die freien Räume auf dem Flügel. Erst vergab Müller (66.), bester Mann auf dem Platz, noch das 2:0. Doch dann entschied der 31-Jährige die Partie nach Pass des Brasilianers Jonathan (auch ein Wintertransfer!) die Partie mit einem Schuss ins lange Eck. „Es tut sehr gut. Wir mussten gewinnen, um dran zu bleiben“, strahlte der Matchwinner nachher, der 2018 mit dem Hamburger SV abgestiegen war. Trainer Thomas Doll lobte seinen Neuen. „Heute als Zehner hinter den beiden Spitzen hat er sich bestimmt wohler gefühlt als gegen Leipzig, wo er rauf- und runterrennen musste. Und dann hat er auch die Kraft für solche Tore. Damit hat er uns heute sehr geholfen.“

Was läuft schief beim Club?

Das könnte Sportchef Andreas Bornemann, ein großer Skeptiker in Sachen Wintertransfers, zu denken geben. Denn der Ex-Fürther Müller wäre wohl auch für den Club zu haben gewesen – ein torgefährlicher Spieler, wie ihn Nürnberg dringend gebraucht hätte. Trainer Köllner reagierte auf eine entsprechende Frage abwehrend. „Das müssen Andere beantworten. Müller hätte wohl nicht ins Gehaltsgefüge gepasst.“

Bleibt Köllner Club-Trainer?

Andreas Bornemann stärkte ihm trotz des 0:2 ausdrücklich den Rücken. „Hannover war in Überzahl keine Minute besser. Den Impuls für den Ausgang des Spiels hat ein Anderer gesetzt, daran hätte auch ein anderer Trainer nichts geändert.“ Köllner selbst schien überzeugt, gegen Dortmund auf der Bank zu sitzen: „Mir ist zumindest nichts Gegenteiliges bekannt.“ Dafür spricht auch, was Keeper Christian Mathenia sagte: „Wenn ich bei uns in die Kabine schaue, ist da eine Mannschaft. Das war letzte Saison beim HSV anders. Mit uns rechnet ja niemand mehr, da liegt vielleicht unsere Chance.“

Würde ein Trainerwechsel noch Sinn machen?

Vermutlich nein. Zu Hause warten bis auf Augsburg nur Kracher: Dortmund, Bayern, Gladbach, Leipzig, Schalke. Auswärts ist dem Club noch kein Sieg geglückt. Die Mannschaft ist offenbar nicht bundesligatauglich, ein Trainerwechsel würde nur falsche Hoffnungen wecken. Positiver Effekt wäre allenfalls, die quälend lange „Abschiedstour“ (für viel Geld!) etwas spannender machen.

Was sagen die Fans?

Bis zum Spiel in Hannover war der Rückhalt für Köllner und Bornemann erstaunlich hoch. Zudem graut es Vielen davor, dass der Club in alte Muster zurückfallen und mit Panikaktionen nur neue Schulden anhäufen könnte. Aber: Je länger die Serie von Nackenschlägen andauert, begleitet von Schönfärberei durch die Verantwortlichen, desto schwieriger dürfte es mit dem Rückhalt werden. Einen Vorgeschmack lieferten Anhänger im ICE auf der Rückfahrt von Hannover: „Wir sind die Deppen der Nation“, sangen sie inbrünstig. Und sehnen schon Siege in Liga zwei herbei – ohne Köllner und Bornemann.

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