Ein Winter ganz ohne Süßigkeiten

Würzburg Mit Laura Tasch und Nora Wehrhahn vertreten bei den heute beginnenden U-23-Weltmeisterschaften in Belgrad auch zwei Ruderinnen aus Würzburg die deutschen Farben - und das auch noch mit richtig guten Medaillenchancen.
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Gäbe es Feiertage für Vereine, der 26. September gehörte beim Akademische Ruderclub Würzburg (ARCW) sicherlich zur ersten Wahl. An diesem Tag im Jahr 1996, einem Donnerstag, versuchten sich vor dem Vereinsheim mit dem grün-weißen Wappen zwei Mädchen zum ersten Mal mit Rollsitz und Ruderblatt - die zwölfjährige Laura Tasch und die 14-jährige Nora Wehrhahn. Die anfangs doch recht wackelige Angelegenheit auf dem Main machte eine Menge Spaß, die beiden hatten ihre wichtigste Freizeitbeschäftigung gefunden - und den Grundstein für eine erfolgreiche Sportkarriere gelegt.

Betreut von ARCW-Trainer Philipp Tibitanzl steigerten sich Laura und Nora von Jahr zu Jahr. Ersten bundesweiten Erfolgen schlossen sich im vergangenen Jahr die internationalen Feuertaufen an. Laura Tasch kam in Litauen bei der Junioren-Weltmeisterschaft im Einer als Neunte ins Ziel, Nora Wehrhahn jubelte bei der Studenten-Weltmeisterschaft in Großbritannien über den Gewinn der Silbermedaille im Vierer. Bei der am heutigen Freitag beginnenden U-23-Weltmeisterschaft in Belgrad (Serbien und Montenegro) soll nun der endgültige Durchbruch gelingen und damit die Basis für die Erfüllung des größten Traumes eines Sportlers gelegt werden - die Teilnahme an Olympischen Spielen.

Soll es damit bereits im nächsten Jahr in Athen klappen, führt beim Ausflug auf den Balkan wohl kein Weg an einem Medaillengewinn vorbei. Für Laura Tasch im leichten Doppelzweier ist dies auch das erklärte Ziel. "Das soll jetzt zwar nicht überheblich klingen, aber eine Medaille peilen wir schon an", sagt die Waldorf-Schülerin. Zusammen mit ihrer ein Jahr älteren Partnerin Daniela Reimer (Potsdam) hat die 19-Jährige in dieser Saison bereits mehrfach gezeigt, dass sie in ihrer Altersklasse weltweit kein Team zu fürchten braucht. Lediglich die Chinesinnen waren bei der Weltcup-Regatta in Mailand eine knappe Sekunde schneller.

Zwei Tage Heimaturlaub

Um diesen Rückstand wettzumachen, legten sich Tasch und Reimer - wie übrigens alle anderen Belgrad-Fahrer des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) auch - in den vergangenen drei Wochen im Leistungszentrum Ratzeburg mächtig in die Riemen. "Heimaturlaub" gab es für die Würzburgerin lediglich für zwei Tage wegen einer Klausur und der Schul-Abschlussfeier an der Waldorfschule. Ansonsten hieß es üben, üben, üben. Für die 19-jährige Laura freilich kein Problem. Sie ist sehr ehrgeizig und ordnet einem festen Ziel alles andere unter.

Das war auch im Winter so, als sie wegen des angepeilten Wechsels ins Lager der Leichtgewichts-Ruderinnen (maximal 57 kg Körpergewicht) zehn Kilogramm abnehmen musste. "Ich habe einfach ganz strikt auf Süßigkeiten verzichtet, dadurch war es gar nicht so schwer", sagt Eis-Liebhaberin Laura. Mittlerweile hat sie ihr Gewicht so gut im Griff, dass es ab und an sogar wieder einmal etwas zum Naschen gibt.

Neun Einheiten pro Woche

Besonderes Augenmerk auf ihr Gewicht muss Nora Wehrhahn nicht werfen. Sie startet zusammen mit ihrer Münchner Partnerin Andrea Krüger im Zweier ohne der offenen Klasse. Ohne Disziplin und Konsequenz geht es bei ihr freilich auch nicht. Dafür sorgt schon der normale Trainingsplan mit neun Einheiten pro Woche im Einer auf dem Main in Würzburg plus den Wochenend-Ausflügen nach München zum Zweier-Training. Aus Rücksicht auf ihre Partnerin, die wegen ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau ortsmäßig gebunden war, nahm die 21-jährige Studentin der Betriebswirtschaftslehre Woche für Woche die Zugfahrten nach München auf sich. "Klar ist das manchmal lästig", sagt Nora Wehrhahn, "aber wenn man Erfolg haben will, muss man halt so manches auf sich nehmen. Und wirklich schlimm ist das Ganze nun ja auch nicht."

Der Heimtrainer ist nicht dabei

Vor allem auch deshalb nicht, weil sich Noras Heimtrainer Philipp Tibitanzl und Andrea Krügers Münchner Coach Tom Schüler nicht nur ständig absprechen, sondern auch noch glänzend verstehen. "Das läuft perfekt. Wir schicken Nora mit großem Vertrauen nach München", sagt Tibitanzl, der entgegen ursprünglicher Abmachung seine beiden Schützlinge bei der Weltmeisterschaft in Belgrad nun doch nicht betreuen wird. "Darüber wird im Ruder-Verband noch zu reden sein", sagt der Trainer, "aber erst nach den Titelkämpfen. Die Mädchen sollen sich ganz und gar auf die Regatta konzentrieren."

In Belgrad dabei wird Tibitanzl natürlich trotzdem sein und dort hoffentlich über Erfolge seiner Schützlinge jubeln können. Schließlich gehört nicht nur Laura Tasch, sondern auch Nora Wehrhahn zu den Medaillen-Kandidatinnen.

Dass beide glänzend in Form sind, bewiesen sie erst vor ein paar Tagen beim Relations-Rennen zum Abschluss des Ratzeburger Trainingslagers. Dort wurden die von allen Booten (Männer und Frauen) erzielten Zeiten nach einem ganz bestimmten Schlüssel bewertet, um sie gut miteinander vergleichen zu können. Der leichte Doppelzweier mit Laura Tasch landete auf Rang eins, der Zweier ohne mit Nora Wehrhahn auf Rang drei. Wenn das kein gutes Omen für das WM-Wochenende in Belgrad ist . . .

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