Frankfurt

Ein denkwürdiger Fußballabend in Frankfurt

Die märchenhafte Europacup-Reise der Eintracht geht weiter: Nach dem überragenden 2:0 gegen Benfica Lissabon wartet jetzt das Halbfinale der FC Chelsea.
Freude pur: Die Eintracht Spieler (von links) Kevin Trapp, Sebastian Rode und Danny da Costa feiern mit den Eintracht-Fans den Einzug ins Halbfinale. Foto: Arne Dedert, dpa

Normalerweise jubelt Adi Hütter am liebsten über Tore seiner Mannschaft. „Aber heute hat mich der Schlusspfiff am meisten gefreut“, gab der Eintracht-Coach nach dem „größten Erfolg meiner Trainerkariere“ zu. Nach dem 2:0 gegen Benfica Lissabon herzte er zuerst sein Trainerteam, um dann einzutauchen in das Meer von euphorischen, feiernden Spielern und Fans.

„Wir sind sicher der überraschendste Halbfinalist“, so Hütter. „Unsere Reise ist unglaublich. Der Rekord mit sechs Siegen in der Vorrunde, dann drei Champions-League Teams mit Donezk, Mailand und jetzt Lissabon ausgeschaltet“. Dass die Eintracht zum ersten Mal seit 39 Jahren wieder in einem europäischen Halbfinale steht, gegen den FC Chelsea „sicher nicht Favorit“ ist, löst nicht nur beim Trainer riesige Vorfreude aus.

Fürs Weiterkommen hatte Hütter ein „perfektes Spiel“ als notwendig erachtet. Und perfekt sei der Abend vor 48 00 Zuschauern gewesen, angefangen mit der wunderbaren Choreografie der Fans. „Wenn du das als Protagonist siehst – diese Begeisterung, diese Emotion, dann läuft du 90 Minuten rauf und runter“, bedankte sich Hütter bei den Eintracht-Anhängern.

Die Choreographie der Eintracht-Fans war Klasse und Auftakt zu einer frenetischen, nie nachlassenden Untersützung ihrer Mannschaft.  Foto: Heiko Becker

Entscheidend fürs Weiterkommen sei die taktische Disziplin seiner Spieler gewesen: Nicht drauflos rennen, nicht komplett pressen, um ja kein Tor zu bekommen. „In der ersten Hälfte haben wir praktisch nichts zugelassen und sind trotzdem zu Chancen gekommen“. Dass Benfica nach dem 0:2 alles reinbringt, was sie an starken Offensivkräften hat, sei klar gewesen. „Unsere Spieler haben sich immer reingeworfen, ein Bein am Ball gehabt“, frohlockte Sport-Vorstand Fredi Bobic, der „Freude pur“ empfand.

„Mit Videobeweis hätte das 1:0 nicht Bestand gehabt, da braucht man nicht um den heißen Brei reden."
Adi Hütter, Trainer Eintracht Frankfurt

Zu einem perfekten Fußballabend gehört Glück, und auch Fortuna war der Eintracht hold: Sowohl Kostics 1:0 aus Abseitsposition als auch Salvios Pfostentreffer kurz vor Schluss ließ die Gäste aus Portugal hadern mit Schicksal und Referee. Benfica-Coach Bruno Lage wurde nach allzu heftigem Protest über das Abseitstor für den Rest der Partie auf die Tribüne verbannt. „Mit Videobeweis hätte das 1:0 nicht Bestand gehabt, da braucht man nicht um den heißen Brei reden“, fand Hütter. „Aber ich sehe das ganze Spiel. Und das haben wir verdient gewonnen.“

Das Tor zum Weiterkommen: Sebastian Rode (dunkles Trikot) trifft zum 2:0, die Portugiesen (von links) Jardel, Samaris, Grimaldo und Torwart Vlachodimos können es nicht verhindern. Foto: Heiko Becker

Besonders emotional war der Abend für Sebastian Rode. Beim FC Bayern Mitläufer, bei Borussia Dortmund ausgemustert, von Verletzungen geplagt. Und jetzt bei seiner Eintracht zurück auf dem Platz, „darüber bin ich unglaublich froh, erlebe das Ganze momentan total intensiv“, gab der 28-Jährige Einblick in sein Seelenleben. Als i-Tüpfelchen des Ganzen war er auch noch der Torschütze jenes 2:0, dass zum Weiterkommen reichte. „Es war Glück, dass mir der Ball so vor die Füße gefallen ist. Aber der Schuss sollte dann genau so kommen“, schilderte er die entscheidende Szene. „Endlich ein Tor von mir“, so Rode, der auch das mit „unglaublich“ klassifizierte.

Der Abend hatte noch mehr wunderbare Geschichten: Etwa die von Danny Da Costa, der als Kettenhund für Hinspiel-Dreifachtorschütze Joao Felix ganze Arbeit leistete. Oder jene von Abwehrkollege Simon Falette, der nach dreimonatiger Verletzungspause, der Personalnot geschuldet, direkt in dieses Viertelfinale geworfen worden war. „Er hat alles verkörpert, was uns auszeichnet, sich reingehauen. Normalerweise mag ich es nicht, Spieler hervorzuheben – aber er hat es heute verdient“, so Hütter.

Für Adi Hütter der Mann des Spiels: Ante Rebic (Mitte), der an beiden Toren beteiligt war. Foto: ThorstenWagner

Und dann hob er sogar noch einen zweiten heraus: Stürmer Ante Rebic, der diesmal zwar selbst ohne Torerfolg geblieben, aber an beiden Treffern beteiligt war. „Für mich war er der beste Mann auf dem Platz“, erklärte der Österreicher und fügte lachend an: „Vielleicht, weil er gestern lange mit Stepi geredet hat.“  Eintracht-Kulttrainer Dragoslav Stepanovic ("Lebbe geht weiter") sass bei der Pressekonferenz im Publikum. "Ich komme wieder" versprach er schelmisch lächelnd. Und nachher umarmten sich die beiden Trainer innig, plauschten ein wenig.  

Viele müssen sich kneifen: Vor zwei Jahren war die „launische Diva vom Main“ noch Abstiegskandidat, jetzt steht sie im Halbfinale gegen Chelsea. Im Hinspiel in Frankfurt (2. Mai), das bereits ausverkauft ist, wird Ante Rebic nach seiner Gelben Karte fehlen. Dafür können vielleicht Sebastien Haller und Martin Hinteregger wieder mitspielen. Beim Rückspiel in London (9. Mai) wollen 20 000 Anhänger dabei sein – aber nur 2000 Tickets wird es geben. „Das wird brutal schwer zu entscheiden“ so Vorstand Axel Hellmann.

Wohin die märchenhafte Reise noch führt – das Finale steigt am 29. Mai in Baku – machte Abwehrspieler Makoto Hasebe, Spitzname Hase, deutlich. „Ich habe Hunger, Hunger auf Titel.“ Nicht nur er.!

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