WÜRZBURG

Gebürtiger Würzburger schneller als Vize-Weltmeisterin

Glücklicher Sieger im prasselnden Regen: Mit dem 26-jährigen Johannes Arens von der TG Kitzingen gewann am Sonntag erstmals ein gebürtiger Würzburger beim Würzburger iWelt-Marathon.
Glücklicher Sieger im prasselnden Regen: Mit dem 26-jährigen Johannes Arens von der TG Kitzingen gewann am Sonntag erstmals ein gebürtiger Würzburger beim Würzburger iWelt-Marathon. Foto: Christoph Weiss

16 Jahre hat es gedauert, am Sonntag um kurz nach halb Zwölf war es dann endlich so weit: Mit Johannes Arens war erstmals ein gebürtiger Würzburger der Schnellste beim Marathon in der Domstadt. 2:38:49 Stunden brauchte der für die TG Kitzingen startendende, in Dettelbach ansässige und im schottischen Glasgow studierende 26-Jährige für die 42,195 Kilometer auf Würzburgs Straßen und Gassen. Damit war er nicht nur Bester von 384 Frauen und Männern (insgesamt etwa 3000 Teilnehmer), die sich beim 16. iWelt-Marathon bei teilweise heftigen Regenschauern auf die zwei 21,1-km-Runden gewagt hatten, sondern auch gut eine Minute schneller als eine leibhaftige Vize-Weltmeisterin.

Die Italienerin Valeria Straneo, jeweils Zweite im Marathon bei der Leichtathletik-WM 2013 in Moskau und bei der EM 2014 in Zürich, hatte Würzburg als Ort auserkoren, an dem sie sich für die Olympischen Spiele im August in Rio de Janeiro qualifizieren wollte. Nötig war dies geworden, weil sich die 40-Jährige Anfang Februar bei einem Halbmarathon in Verona am linken Oberschenkel verletzt hatte. Die Folge waren zehn Wochen Trainingspause und zunächst keine Möglichkeit, die italienische Qualifikationsnorm von 2:45 Stunden zu schaffen.

Zweifache Mutter

Seit Anfang Mai trainiert die Mutter eines zehnjährigen Sohnes und einer achtjährigen Tochter wieder, und der Marathon Würzburg sollte ihr nun als quasi letzte Möglichkeit doch noch die Fahrkarte nach Rio bringen. Entsprechend nervös stand die 40-Jährige am Start. „Ich war mir alles andere als sicher. Ich konnte meine Form ja überhaupt nicht richtig einschätzen“, erzählte sich nach dem Zieleinlauf. Da freilich strahlte sie schon übers ganze Gesicht, denn locker und leicht hatte sie in 2:39:50 Stunden das Ziel erreicht und sah dort so aus, als hätte sie gerade einen Trainingslauf über ein paar Kilometer hinter sich und keine Tortur über die Marathondistanz.

„Ich bin einfach nur glücklich“, sagte sie. Zumal die Vize-Weltmeisterin – man mag es kaum glauben – in Würzburg ihren ersten Marathonsieg überhaupt feierte. „Ich war immer nur Zweite, heute habe ich es endlich einmal geschafft“, freute sich die 40-Jährige. Auch deshalb, weil ihre vermeintlich schärfste Konkurrentin, die Belgierin Alemitu Bekele, bei Kilometer 22 frustriert das Rennen beendete.

Demnächst geht Straneo nun nach St. Moritz/Schweiz ins Höhentrainingslager und am 14. August in Brasilien dann auf Medaillenjagd. Denn nichts anderes als olympisches Edelmetall ist das Ziel der zierlichen, 47 Kilogramm leichten Italienerin.

Von solchen Erfolgen nicht einmal zu träumen wagt Johannes Arens, aber in der Region macht dem 26-Jährigen in Sachen Marathon so schnell keiner was vor. Schon im letzten Jahr war er in Würzburg schnellster Deutscher. Und weil diesmal wegen der von Organisationschef Günter Herrmann gestrichenen Siegprämien auch keine Ostafrikaner am Start waren, reichte es heuer sogar zum Gesamtsieg.

Jura-Student in Glasgow

„Ich laufe gerne hier. Die Strecke gefällt mir, es macht einfach Spaß – auch wegen der vielen Bands an der Strecke“, sagte Arens, der in Glasgow Jura studiert. Doch zum Laufen kommt er aus Schottland immer mal wieder nach Hause – und zum Gewinnen. Im April hatte er sich in Schweinfurt bereits den Titel des unterfränkischen Halbmarathon-Meisters gesichert (1:13:05 Stunden).

Mit dieser Zeit hätte es gestern in Würzburg nur zu Rang drei gereicht. Den belegte mit Manuel Fößel (1:15:52) ebenfalls ein Unterfranke. Der für den TV Ochsenfurt startende Rottendorfer schaffte es trotz teilweise widriger Witterungsbedingen sogar, seine Bestzeit um etwa eine Minute zu verbessern. „Ich mag es, im Regen zu laufen“, sagte der 33-Jährige. Damit hat er etwas mit seiner Vereinskameradin Christine Karl gemeinsam. Die bereits 48 Jahre alte Dauerläuferin belegte wie Fößel Rang drei (1:31:53) und fühlte sich auf der Strecke pudelwohl. „Für mich war es total angenehm“, sagte die Ochsenfurterin, die „so richtig Spaß“ hatte. „Jedes Mal, wenn ich an einer Band vorbeigelaufen bin, habe ich vor Freude eine Gänsehaut bekommen“, erzählte Karl. Das wird Organisationschef Herrmann, der auch im nächsten Jahr keine Siegprämien zahlen und das so gesparte Geld lieber für die Stimmung an der Strecke ausgeben wird, sehr gerne hören.

Ergebnisse

Marathon

Männer: 1. Arens (TG Kitzingen) 2:38:49 Std.; 2. Chalupsky (Neckargemünd) 2:45:20; 3. Perlich (Mainz) 2:46:48; 4. Müller (BePo Würzburg) 2:49:56; 5. Ender (Stadtbergen) 2:50:10; 6. Wolf (Hösbach) 2:50:17; 7. Binzen (Würzburg) 2:50:46; 8. Kunz (Basel) 2:51:08; Ryba (Winterberg) 2:51:34; 10. Langer (Prag) 2:54:11; ... 13. Doell (Karlstadt) 2:59:27; 15. Apfelbacher (TG Kitzingen) 2:59:47. Frauen: 1. Straneo (Italien) 2:39:50; 2. Nekolova 2:54:10; 3. Müller (Frankfurt) 2:59:47; 4. Bade (Kassel) 3:19:16; 5. Amberg (Wiesen) 3:21:50; 6. Förtsch (Hof) 3:24:53; 7. Herzog (Goldbach) 3:25:59; 8. Kurr (3:32:58; 9. Zollner (Freiburg) 3:34:16, 10. Giesen (Hamburg) 3:38:51.

Halbmarathon

Männer: 1. Burka (München) 1:09:55; 2. Eebbisaa (Fürth) 1:12:03; 3. Fößel (TV Ochsenfurt) 1:15:52; 4. Jülichs (Reichenberg) 1:15:52; 5. Kurtz (Bissingen) 1:16:35; 7. Schulz (Leinach) 1:19:05; 8. Gijssen (Nijmegen) 1:19:18; 9. Momberg (Würzburg) 1:19:21; 10. Ziegler (Höchberg) 1:19:27. Frauen: 1. Skala (Würzburg) 1:31:18; 2. Knapp 1:31:35; 3. Karl (TV Ochsenfurt) 1:31:53; 4. Neher (Heidelberg) 1:32:00; 5. Duro (Höchberg) 1:32:11; 6. Herrmann (Schlüsselfeld) 1:32:48; 7. Ibel (Wombach) 1:33:27; 8. Fischer (Bad Königshofen) 1:33:49; 9. Maunz (München) 1:34:04; 10. Wagner (Marburg) 1:35:00.

Glückliche Siegerin: Valeria Straneo freut sich über ihren allerersten Marathonerfolg und die Qualifikation für Olympia.
Glückliche Siegerin: Valeria Straneo freut sich über ihren allerersten Marathonerfolg und die Qualifikation für Olympia. Foto: Chris Weiß

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