Fussball: 2. Bundesliga

Geis hat keine Angst vor Pfiffen

Sechs Jahre nach seinem Siegtor im Frankenderby für Greuther Fürth kehrt er am Sonntag im Nürnberger Trikot in den Ronhof zurück. Der Club hat viel mehr Druck.
April 2013: Johannes Geis jubelt über sein Siegtor für die Spvgg Greuther Fürth im Bundesliga-Derby beim 1. FC Nürnberg. Sechs Jahre später trägt er das andere Trikot und kehrt in den Ronhof zurück.  Foto: Daniel Karmann

Jens Keller wird am Sonntag 49 Jahre alt. Ob er Lust hat, seinen Geburtstag auch zu feiern, wird wohl ganz wesentlich vom Ausgang des 265. Frankenderbys am Nachmittag im ausverkauften Ronhof abhängen. Der neue Trainer des 1. FC Nürnberg hatte zehn Tage Zeit, seine Spieler kennenzulernen. „Die Mannschaft war relativ leise, aber das hat sich schon sehr gebessert“, sagte Keller am Freitag. „Wir haben viel gearbeitet, es hat richtig Spaß gemacht.“

Nach der Gegentorflut unter seinem Vorgänger Damir Canadi, die vor allem für die Negativserie mit nur einem Sieg aus den letzten zehn Pflichtspielen verantwortlich war, geht es für Keller bei seinem Debüt in erster Linie darum, eine funktionierende Defensive zu bilden. Man habe im Training vor allem „gegen den Ball“ gearbeitet, sagte er. Zu taktischen und personellen Überlegungen gab er keine Auskunft, aber das war auch nicht anders zu erwarten.

Trainer Keller legt sich nicht fest

Selbst in der Torwartfrage wollte sich Keller öffentlich nicht festlegen. Aber natürlich ist es zu erwarten, dass der in dieser Woche verpflichtete Torwart Felix Dornebusch im Kasten stehen wird und Nachwuchskeeper Benedikt Willert auf die Bank rutscht. Konkret außerdem: Innenverteidiger Georg Margreitter fällt weiter mit entzündeter Achillessehne aus, der trotz eines Schienbeinbruchs im Sommer aus Sandhausen gekommene Fabian Schleusener dürfte als Offensiv-Joker erstmals im Kader stehen. „Entscheidend ist, dass wir kühlen Kopf behalten“, glaubt Keller. Die „nötige Agressivität“ will er aber schon sehen. Aus seiner Zeit als Schalker Trainer in den Duellen mit Borussia Dortmund hat Keller Erfahrung mit großen Derbys.

Das gilt auch für den Ex-Schalker Johannes Geis, der in Fürth ausgebildet wurde, in einem Bundesliga-Derby vor sechs Jahren das Fürther Siegtor schoss, nun im Club-Trikot in den Ronhof zurückkehrt und einen heißen Empfang erleben dürfte. Mit den zu erwartenden Pfiffen habe er keine Probleme, sagte der Unterfranke aus Oberstreu (Lkr. Rhön-Grabfeld) in dieser Woche, die würden ihn eher anstacheln. Und bei einem Tor würde er auch jubeln. „Jedes Tor in unserer Situation ist brutal wichtig“, sagte Geis.

Club-Ultras wollen Profis einstimmen

Für beide Fan-Lager ist das Derby stets von immenser Bedeutung, für die Club-Anhänger steigt sie dieses Mal wegen des unerwarteten Kontakts zur Kellerzone der Zweiten Bundesliga noch an. Deshalb planen die Club-Ultras eine lautstarke  Einstimmung der Mannschaft nach dem Abschlusstraining am Samstag am Valznerweiher.

Der Spvgg Greuther Fürth macht die Tabelle keinen zusätzlichen Druck, der sechste Rang ist viel mehr, als man erwarten konnte. Doch Fürth sieht natürlich die Chance, den angezählten Nachbarn geschlagen nach Hause zu schicken. Auch die jüngste Derby-Statistik macht Mut: Von den letzten zehn Liga-Duellen gewann Greuther Fürth alleine sechs, zuletzt im März 2018 mit 2:0 im Max-Morlock-Stadion. Trainer Stefan Leitl möchte von seiner Mannschaft einen leidenschaftlichen Auftritt erleben. „Ich will schon, dass meine Jungs ihren Emotionen freien Lauf lassen. Das ist ein Derby, das ist ein wichtiges Spiel für uns Fürther“, sagte Leitl am Freitag.

Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi setzte ein Zeichen und verlängerte in der Derby-Woche den Vertrag von Leitl, der seit neun Monaten in Fürth arbeitet, vorzeitig bis zum Sommer 2021. Für das Vertrauen würde sich der ehemalige Club-Profi Leitl gerne mit drei Punkten revanchieren.

Innenbandriss bei Green

Doch personell gibt es durchaus Probleme. Eine Verletzung von Julian Green entpuppte sich als Teilriss des Innenbands, der in seinen Leistungen immer stabiler gewordene und stets torgefährliche US-Amerikaner wird „wahrscheinlich für den Rest der Hinrunde“ (Leitl) ausfallen. Mit Spielmacher Paul Seguin und Innenverteidiger Mergim Mavraj, der bereits beim 2:3 in Sandhausen schmerzlich vermisst wurde, drohen zwei weitere Stammkräfte zu fehlen.

Rückblick

  1. Jens Keller und sein Matchwinner Robin Hack
  2. Robin Hack macht den Unterschied
  3. Kieler Ausgleich sorgt für Entsetzen beim Club
  4. Der Club wirkt gezeichnet vom Abstiegskampf
  5. Die Nürnberger Talfahrt geht weiter
  6. Keller sieht keinen Anlass für Panik
  7. Unangenehmer Gang in die Nordkurve
  8. Ein 0:0, das niemand richtig glücklich macht
  9. Geis hat keine Angst vor Pfiffen
  10. Rachid Azzouzi: "Wir haben  hohe Ansprüche an uns selbst"
  11. Wo Jens Keller beim Club ansetzen muss
  12. Das Maß war einfach voll
  13. Marek Mintal springt beim Club ein
  14. Nürnberger Krise verschärft sich in Bochum
  15. Der Club und die nervigen Achterbahnfahrten
  16. Pokal-Drama endet mit Club-Aus
  17. Der Club kann kein Ergebnis sichern
  18. Die Großzügigkeit von Johannes Geis
  19. Aues Torwart nimmt Vorwürfe an den Club zurück
  20. Club verliert ein verrücktes Spiel
  21. Eine Premiere für Georg Margreitter
  22. Trotz des verpassten Sieges: Auf dem Weg zum Canadi-Club
  23. Club bringt sich um Lohn für starken Auftritt
  24. Der Club auf dem Weg aus der Krise: Geis trifft zum Sieg
  25. Die Nürnberger Baustelle
  26. Erschreckend schwacher Club
  27. Wie Michael Köllner Spieler entwickelt
  28. Die Nürnberger Schwäche liegt im System
  29. Warum Johannes Geis zum Club ging
  30. Der Club holt Mittelfeldspieler Johannes Geis
  31. Fast alles neu beim 1. FC Nürnberg
  32. Nürnberger Fans nehmen dem Club Abstieg nicht übel
  33. Damir Canadis Auftrag: Zurück in die Bundesliga
  34. Ein Österreicher als neuer Coach des 1. FC Nürnberg?
  35. Ein Nürnberger Abstieg in Harmonie
  36. Kommentar zum Club: Warum der Wiederaufstieg das Ziel sein muss
  37. Nach 0:2 in Wolfsburg: Dem Club helfen nur noch zwei Siege
  38. 1. FC Nürnberg: Verhängnisvolle Zentimeter
  39. FC Bayern: Kovac sieht noch drei Endspiele
  40. Der Club verpasst die Derby-Sensation
  41. Warum Robert Palikuca auf noch sieben Club-Spiele hofft
  42. Die Leistung gegen Schalke gibt Nürnberg Mut
  43. Club-Kapitän Hanno Behrens als tragische Figur
  44. Dem 1. FC Nürnberg fehlt es an Kaltschnäuzigkeit und Klasse
  45. 1. FC Nürnberg findet endlich einen neuen Sportchef
  46. FCN: Was kann der 3:0-Erfolg gegen Augsburg noch bewirken?
  47. 1. FC Nürnberg: Erfolgsmeldung aus der Stadtbücherei
  48. Heißer Kandidat für den Club-Sportvorstand
  49. 0:1 gegen Leipzig: Der Club-Abstieg rückt näher
  50. Christian Mathenia: Die Leiden des Leidenschaftlichen

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