München

„Genießer” Flick trifft mit den Bayern auf Klinsmann

Hansi Flick
Fühlt sich beim FC Bayern richtig wohl: Trainer Hansi Flick. Foto: Matthias Balk/dpa

Besondere Anspannung empfindet Hansi Flick vor dem Start in eine ganz spezielle Rückrunde und vor dem Trainerduell mit Jürgen Klinsmann nicht.

„Ich genieße es, wie es aktuell ist. Mir macht es sehr viel Spaß, mit der Mannschaft, den Spielern und meinem Trainerteam zu arbeiten”, sagte der Coach des deutschen Fußball-Rekordmeisters vor der Partie des FC Bayern München am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) bei Hertha BSC. „Ich spüre nicht mehr Druck als vorher.”

Anfangs war Flick eine Kurzzeitlösung für zwei Spiele, dann eine bis Weihnachten - und jetzt eine mindestens bis zum Sommer. Aber Flick will mehr: Er möchte den Chefposten dauerhaft besetzen. Eine Rückkehr in die zweite Reihe kann er sich bei Bayern nicht mehr vorstellen.

„Mir macht der Job Spaß. Was danach kommt, ist letztendlich Sache des FC Bayern München”, sagte Flick. „Ich bin dankbar, dass ich wieder in diesem Beruf zurück bin.” Und mit 54 Jahren hat Flick seine Bestimmung im Fußball gefunden: Cheftrainer des FC Bayern. Zwar ist Flick ein anderer Typ als Joachim Löw. Aber der einstige Assistent hat sich von seinem langjährigen Chef vieles abgeschaut und gelernt: Auch das Zupacken, wenn sich plötzlich die Chance des (Trainer-)Lebens eröffnet.

Ein wenig kurios ist es schon, dass die Rückrunde ausgerechnet gegen Löws früheren Chef Klinsmann - dessen Trainerlizenz von DFB und DFL als gültig bewertet wurde - beginnt. Der ewige Bundestrainer Löw wurde vom DFB 2006 vom Assistenten zum Klinsmann-Nachfolger befördert. Vergleichbares passierte Flick im Herbst, als Niko Kovac nach einem 1:5 in Frankfurt gehen musste und Co Flick übernahm. 2006 dachte auch keiner, dass Löw mal der Bundestrainer mit den meisten Länderspielen werden würde (aktuell 181). Er holte damals Flick als Co-Trainer. Acht Jahre später wurde das Duo im letzten gemeinsamen Länderspiel in Rio de Janeiro Weltmeister.

Die Wege der Gefährten trennten sich. Fast sechs Jahre später trainieren sie nun die beiden wichtigsten deutschen Fußballteams. Der Aufstieg vom zweiten zum ersten Mann, der Titel gewinnt, das ist nun auch Flicks Ziel. Bayerns Triple-Coach Jupp Heynckes, der vor mehr als 30 Jahren beim FC Bayern Trainer des Jungprofis Flick war, ist ebenfalls ein Vorbild. Aber Flick sagte auch: „Man braucht seine eigene Identität. Ich will meine eigene Idee von Fußball umsetzen.”

Flick sieht seinen Job nicht als „One-Man-Show”. Er ist Teamworker, Menschenfänger und ein Chef, der sich um alle kümmert, der jedem einzelnen Mitarbeiter Wertschätzung vermittelt. So will er ein Klima schaffen, das Leistung ermöglicht. Seine akribische Arbeit gefällt den Münchner Bossen - und den Spielern. Es ist ungewöhnlich in diesem Business, dass Profis so leidenschaftlich für einen Trainer werben, wie das bei Flick der Fall ist.

Bayern-Urgestein Thomas Müller, der schon unter Klinsmann auflief, hat etliche Trainer erlebt: „Ich kannte Hansi bisher als Co-Trainer bei der Nationalmannschaft. Was für ein Typ er ist, das wusste ich. Seine Qualitäten als Cheftrainer konnte ich nicht hundertprozentig einschätzen. Aber wie er es macht, als Chef vor einer Mannschaft zu sprechen, war sehr positiv.”

Nationalspieler Joshua Kimmich schätzt nicht nur Flicks empathisches Auftreten, sondern auch den fußballerischen Ansatz. „Wie wir spielen, ist wieder attraktiver geworden. Wir attackieren höher, wir pressen höher, wir zwingen den Gegner auch mal zu Fehlern”, erläuterte Kimmich. „Wir Spieler sind zufrieden, und das merkt man auch.”

Natürlich sind Ergebnisse und Trophäen die Messlatte, an der ein Bayern-Trainer bewertet wird. „Aber man hat immer Druck, egal in welcher Position du bist”, sagte Flick vor dem Hertha-Duell. Der Start könnte womöglich schon richtungsweisend sein. Und eine erfolgreiche Liga-Jagd auf RB Leipzig könnte ihm die Zukunft sichern. Auch in der Champions League sollte für Flick im Achtelfinale gegen den FC Chelsea besser nicht Endstation sein.

Acht von zehn Partien konnte Flick vor der Winterpause gewinnen, in der Rückrunde will er weiter viele Siege einfahren. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf Leipzig. Gladbach, Dortmund und Schalke mischen auch oben mit. „Aber wir müssen auf uns schauen und unsere Hausaufgaben machen”, sagte der 54-Jährige.

Er sei „vollkommen relaxed”, behauptete er. Ein bisschen geflunkert war die Aussage schon. Ein Bayern-Trainer ist niemals entspannt. Und die eindringliche Forderung nach Neuzugängen als Reaktion auf die lange Verletztenliste zum Rückrundenstart belegte Flicks Anspannung. „Mir geht es immer um die Mannschaft und um den Verein. Ich wollte sensibilisieren”, sagte Flick am Freitag und berichtete von einem Gespräch mit Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

„Wir wollen beide gemeinsam erfolgreich arbeiten für den FC Bayern München. Wir haben die Dinge besprochen, was Neuzugänge betrifft. Es ist wichtig, dass Spieler kommen, die uns weiterbringen”, sagte Flick. Er habe „absolutes Vertrauen” in Salihamidzic und die Scouting-Abteilung. Man dürfe nicht „irgendetwas Verrücktes” machen.

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