Frankfurt/Main

Gewichtheber-Präsident Ajan droht Strafverfolgung

Tamas Ajan
Sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt: Tamas Ajan. Foto: Igor Kovalenko/epa/dpa

Doping-Vertuschung, Kinderdoping, schwarze Kassen und Korruption: In der ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping - Der Herr der Heber” sind schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten des Gewichtheber-Weltverbandes Tamas Ajan erhoben worden.

Dem 80-jährigen Ungarn wird in dem TV-Beitrag vom Sonntag (18.45 Uhr) auf Grundlage der ARD vorliegenden Dokumente vorgeworfen, dem endlosen Doping-Betrug in der IWF Tür und Tor geöffnet zu haben. Ajan nahm auf mehrere ARD-Anfragen hin nicht inhaltlich Stellung zu den Vorwürfen.

So sollen fast die Hälfte der 450 Medaillengewinner der Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften von 2008 bis 2017 im Jahr ihres Erfolges keine einzige Trainingskontrolle absolviert haben. „Es gab keine Kontrollen, weil sie wussten, dass die positiv wären”, sagte die spanische Gewichtheberin Lydia Valentin, die den Olympiasieg von 2012 nachträglich zuerkannt wurde, weil die drei Erstplatzierten von London bei Doping-Nachtests noch erwischt wurden.

Zweifel weckt auch, dass die von einem Ungarn angeführte IWF bei vielen internationalen Wettkämpfen und bei fast allen Weltmeisterschaften die ungarische Anti-Doping-Agentur Hunado mit den Kontrollen beauftragte. Nur bei der WM 2015 in Houston testete die US-Agentur Usada - trotz Protest der IWF und erwischte 24 Doping-Sünder. „Das bestätigt doch nur, warum wir so unnachgiebig waren”, erklärte Usada-Chef Travis Tygart der ARD.

Der ARD-Dopingredaktion liegen darüber hinaus Hinweise vor, dass von der IWF beauftragte Dopingkontrolleure - womöglich der Hunado, die im Regelfall im IWF-Auftrag tätig waren - Geld als Gegenleistung für das Akzeptieren manipulierter Dopingproben angenommen habe. Mit Fremdurin manipulierte Proben sollen sogar von den zu testenden Athleten ähnlich aussehenden Doppelgängern abgegeben und von Hunado-Kontrolleuren übersehen worden sein.

„Ajan steht für ein System, dass über Jahrzehnte Doping im Gewichtheben etabliert hat und das über Jahrzehnte schiefgelaufen ist”, sagte Christian Baumgartner, Präsident des deutschen Verbandes. „Es hat sich eine Kultur der Korruption breit gemacht.”

IWF-Chef Ajan ist noch einem anderen Vorwurf ausgesetzt. Er soll veranlasst haben, Zahlungen vom Internationalen Olympischen Komitee an die IWF - seit 1992 in Höhe von mehr als 23 Millionen Dollar - auf zwei Schweizer Bankkonten zu transferieren, die nicht in den Verbandsbilanzen aufgeführt waren. Für diese Konten soll, als sie im Jahr 2009 entdeckt worden seien, allein Ajan zeichnungsberechtigt gewesen sein. Nach ARD-Recherchen konnte er den Verbleib von mindestens 5,5 Millionen Dollar nicht erklären.

Der von der ARD mit der Überprüfung dieser Dokumente beauftragte Schweizer Strafrechtler Mark Pieth, sieht in seinem Gutachten den Anfangsverdacht für drei Straftaten als gegeben an: Falsch-Beurkundung, ungetreue Geschäftsbesorgung und Veruntreuung. „Das, was ich gesehen habe, erscheint mir doch sehr, sehr dreist. Dreister als das, was ich bei der FIFA gesehen habe”, sagte der ehemalige Chef der Reformkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA.

Im Zuge der ARD-Recherchen in der Gewichtheber-Welt könnte ein früherer Star aus Thailand ihre Olympia-Medaille verlieren. Rattikan Gulnoi, Olympia-Dritte von London 2012, gab in der TV-Doku zu, seit 2011 im Alter von 18 Jahren Anabolika genommen zu haben. 2014 wurde Gulnoi Weltmeisterin. Zudem berichtete sie vor der Kamera, dass in Thailand die jüngsten Heber bereits „mit 13, in nationalen Wettbewerben” angefangen haben zu dopen.

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