82 Brocken von Holger Geschwindner

Ohne den „Altmeister“ kommt der „Bub“ nicht voran: Seinen – unbestrittenen – Einfluss auf die Karriere von Dirk Nowitzki stellt Holger Geschwindner (hier beim Sommertraining in Rattelsdorf) in seinem Buch „Nowitzki. Die Geschichte“ hinreichend heraus. Sonst eher nichts.
Ohne den „Altmeister“ kommt der „Bub“ nicht voran: Seinen – unbestrittenen – Einfluss auf die Karriere von Dirk Nowitzki stellt Holger Geschwindner (hier beim Sommertraining in Rattelsdorf) in seinem Buch „Nowitzki. Die Geschichte“ hinreichend heraus. Sonst eher nichts. Foto: FABIAN FRÜHWIRTH

Um besser verstehen zu helfen, was uns Holger Geschwindner in seinem dieser Tage vorgelegten Buch „Nowitzki. Die Geschichte“ mitteilen möchte, zitieren wir doch einfach mal wörtlich das Kapitel 56 auf Seite 103. Aber halt, vielleicht sollten wir zuvor erwähnen, dass der Verfasser seine insgesamt 82 Kapitel auf 168 Seiten nicht Kapitel nennt, sondern „Brocken“ – weshalb auch immer. Hier also nun der komplette Brocken 56:

WAS DU NICHT WILLST, DAS MAN DIR TUT, DAS TUE AUCH NICHT, WAS WILLST DU DENN? „Das also ist des Pudels Kern, verkaterte Lebensansichten, Das verstehe, wer will“, lamentiert Lehrer Lempl und verfällt wieder ins Dozieren.

 

In der Tat, das verstehe, wer will. Wagen wir uns trotzdem mal an den Inhalt der Brocken ran, die uns der Autor da hinwirft, zum Beispiel an die zitierte Figur des dozierenden Lehrer Lempls: Genau, dieser Herr stellt Holger Geschwindners Version vom Dorfschullehrer Lämpel aus „Max und Moritz“ dar. Dann gibt es den miauenden Kater Murro, der sich immer wieder seine Barthaare zurechtstreift und im Original auf E.T.A. Hoffmann bezieht, „Lebens-Ansichten des Katers Murr“ von 1820/21. Außerdem gibt es in den Nebenrollen viel Lucky Luke, einen munteren Marktschreier und coolen Jazzer, einen agilen Anlageberater, den emsigen Doc vom Lande sowie einen akademischen Jungspund, der der Urenkel des Häuptlings Schwarzer Adler ist.

Was das aber alles mit Basketball zu tun hat? Nun ja. Oder mit einem guten Buch?

Versuchen wir uns, der Person Holger Geschwindner anzunähern, der im Text entweder als „Hotsch“ in der dritten Person spricht oder als „Altmeister von der Mühle links der Peule“ skizzengleiche Kommentare einwirft. „Hotsch“ ist sein branchenbekannter Spitzname. Den benutzt auch Burkhard „Burki“ Steinbach noch heute, der laut Brocken 23 ein „Fels in der Brandung“ und „klasse Kumpel“ von Dirk Nowitzki ist sowie einer der wenigen konkret fassbaren Typen der wirren Handlung. „Links der Peule“ soll Peulendorf sein, der Ort in Oberfranken, an dem Holger Geschwindner lebt und wirkt – als Franz Beckenbauer des deutschen Basketballs, studierter Mathematiker und Physiker sowie Gründer eines „Instituts für angewandten Unfug“, seiner Firma für Projektmanagement in Bamberg.

Dieser Holger Geschwindner – das weiß jeder, der sich jemals für sein Druckerzeugnis interessieren wird – ist der größte, wichtigste Förderer von Deutschlands Basketball-Genie Dirk Nowitzki (doch entgegen der im Buch erneut betriebenen Legendenbildung weder der Entdecker noch der erste Trainer des Würzburgers gewesen). Mit seiner kauzigen Art und seinem anerkannt eigenwilligen Wesen ist der 67-Jährige konsequent einen unangepassten Weg mit dem „Bub“ gegangen, was ihn rein des Erfolges wegen ehrt, ja sportlich adelt: Doch wer deshalb „Nowitzki. Die Geschichte“ zur Hand nimmt, tut dies allein wegen des Athleten Dirk Nowitzki – weniger wegen Holger Geschwindner.

Der freilich erzählt in seinem Band, dessen großer Schrifttyp kaum den dürftigen Inhalt zu kaschieren vermag, nicht mal einen Hauch von Neuem über den nominellen Hauptdarsteller – sieht man von „Rappel die Katz!“ ab: Das soll Dirk angeblich schimpfen, wenn ihm im Training mal etwas misslingt. Okay, das geht als Neuigkeit durch. Darüber hinaus ist „Nowitzki. Die Geschichte“ als Buchtitel fast Etikettenschwindel. „Geschwindner. Nur mal ein paar Ideen“ wäre zutreffender. Dass uns der Verfasser auch noch Nowitzkis Rückennummer als Beitrag seines Genius verkauft, verdient ein Grinsen: Die „41“ sei die Quersumme aus dem dessen Geburtsdatum 19. 7. 1968. Oder dies ist einfach nur ein weiterer verquaster Einfall.

Holger Geschwindner: Nowitzki. Die Geschichte. 168 Seiten, 19,90 Euro, erschienen bei Murmann/Hamburg.

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