Oberhof

Herrmann und dann lange nichts

Die deutschen Biathlon-Frauen befinden sich in der Krise. Nach dem Rücktritt von Laura Dahlmeier ist nur Denise Herrmann als Weltklasse-Läuferin da, der Rest außer Form.
Nur die Oberwiesenthalerin Denise Herrmann hat im Moment im deutschen Frauen-Biathlonteam das Potenzial, Podestplätze zu holen.  Foto: Hendrik Schmidt

Wann hat es das zuletzt gegeben? Beim Massenstart-Rennen am Sonntag beim Biathlon-Weltcup in Oberhof startete im schwarz-rot-goldenen Trikot bei den Frauen nur Denise Herrmann. Sie ist als Sechste im Gesamt-Weltcup die zur Zeit beste deutsche Skijägerin, überzeugte in Oberhof mit einem zweiten Platz im Sprint am Donnerstag und einer guten Leistung als Schlussläuferin in der Frauen-Staffel, die bei Norwegens Sieg am Samstag vor 22 750 Zuschauern noch Vierter wurde.

Bei Massenstartrennen dürfen nur die ersten 30 des Weltcup-Gesamtklassements laufen, neben Herrmann hätte nur noch Franziska Preuss (15.) starten dürfen, sie ist aber erneut erkrankt und steigt erst in Ruhpolding wieder ein. Alle anderen im deutschen Frauenteam sind im Moment nicht gut genug, auch arrivierte Kräfte wie Franziska Hildebrand oder Vanessa Hinz suchen verzweifelt nach ihrer Form. Das wirft Fragen auf.

Wie groß die Lücke ist, die Olympiasiegerin Laura Dahlmeier durch ihren Rücktritt im Frühjahr 2019 riss, sah man kurz vor Silvester beim Biathlon auf Schalke, einer Kommerz-Veranstaltung in der Veltins-Arena, bei der Dahlmeier neun Monate nach ihrem Abschied sowohl in der Loipe als auch am Schießstand noch konkurrenzfähig war. Ein Ruhmesblatt für die deutschen Frauen ist das eher weniger. Das deutsche Trainerteam mit Florian Steirer und Kristian Mehringer muss hinter Denise Herrmann und Franziska Preuß mit Geduld eine neue Biathlon-Generation aufbauen. Wie lange ihnen dafür Zeit gegeben wird, ist offen, zu sehr schwanken in dieser Saison die Leistungen der Frauen, erst kurz vor Weihnachten stabilisierten sich Preuß und Herrmann. Florian Steirer ist ehrlich, was die Frage nach einem neuen außergewöhnlichen Talent der Marke Dahlmeier betrifft: Das gebe es "leider nicht.“

Warum gingen Dahlmeier und Neuner schon mit 25 Jahren?

Warum das so ist, ist eine spannende Frage. Vor einigen Jahren schon begann man, sich auch bei den Langläuferinnen umzuschauen. Der Umstieg der 31 Jahre alten Denise Herrmann zum Biathlon ist zwar eine echte Erfolgsgeschichte, immerhin ist sie Verfolgungs-Weltmeisterin, aber die Ausnahme. Zuletzt verlor der Deutsche Ski-Verband zwei Superstars mit jeweils 25 Jahren: Nicht nur Laura Dahlmeier, sondern auch Magdalena Neuner hörte schon früh auf mit dem Leistungssport.

Neuner, glückliche zweifache Mutter, meldete sich kürzlich mit kritischen Worten zur Leistungsbereitschaft junger Sportlerinnen zu Wort. Neuner ist zweifache Olympiasiegerin und zwölffache Weltmeisterin. Als Kind, so die 32-Jährige, "wusste ich, ich will irgendwie Olympiasiegerin werden, möchte Leistungssportlerin werden, ordne mein komplettes Leben dem Leistungssport unter." Wer Neuner hat laufen sehen, weiß, dass sie genau das getan hat.

Heutzutage attestiert die 32-Jährige, die 2012 aufhörte, aber ein neues Phänomen: "Die jungen Leute sind nicht mehr bereit, ihr letztes Hemd zu geben." Für viele Nachwuchssportler gelte eine gute Schulbildung, Studium, aber auch Reisen mehr. Inwiefern Neuners Ansichten im deutschen Frauen-Team gerne gehört werden, ist unbekannt. Am Rande des Weltcups wurde aber klar, dass wohl noch mehr im Argen liegt.

Das Verhältnis zwischen dem früheren Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig, der seit zwei Jahren als Schießtrainer fungiert, und dem neuen deutschen Trainerteam ist belastet. Der 62-Jährige trägt den neuen Kurs, möglichst schnell zu schießen, nicht mit, eine Ursache für die deutschen Probleme sind auch die unterdurschnittlichen Schießleistungen. In seiner Heimatstadt Oberhof war Hönig weniger am Schießstand als bei Sponsorenterminen zu sehen, seine Laune war wie die im gesamten deutschen Frauenteam nicht die beste.

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