Fussball: 2. Bundesliga

Keller sieht keinen Anlass für Panik

Bei einer Niederlage am Montag in Stuttgart droht dem Club aber der letzte Platz. Sportvorstand Palikuca hat versucht, die Profis mit einer Brandrede wachzurütteln.
Hilfestellung: Nürnbergs Trainer Jens Keller mit Mittelstürmer Michael Frey, der bisher nur auf zwei Tore in zwölf Spielen gekommen ist.  Foto: Heiko Becker

Der Misserfolg ist schon länger ein treuer Begleiter des 1. FC Nürnberg. In der vergangenen Bundesliga-Saison hat der Club nur drei von 34 Spielen gewonnen, in der aktuellen Runde der 2. Bundesliga ebenfalls nur drei von bisher 15 Auftritten. Da wird man demütig. Und dennoch wäre es schockierend, wenn sich die Nürnberger am Montagabend auf dem letzten Platz der zweiten Liga wiederfinden würden. Das kann passieren, wenn der Vorletzte Wehen-Wiesbaden und Schlusslicht Dresden ihre Heimspiele gewinnen und der  noch auf dem Relegationsplatz stehende FCN auch im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart (20.30 Uhr) leer ausgehen sollte.

Seit der 0:2-Niederlage gegen Wehen und einer desolaten Vorstellung am letzten Samstag schiebt das Club-Umfeld durchaus Panik. Einmal in seiner 119-jährigen Geschichte ist der FCN bereits in die Drittklassigkeit abgestiegen. Das war 1996 und der Club musste eine Saison durch die Regionalliga Süd tingeln.  Von Panik will  Jens Keller aber nach den ersten beiden Partien unter seiner Regie nichts wissen. "Klar ist die Situation nicht optimal, aber es sind noch reichlich Spiele, um alles auszumerzen", sagte der Trainer am Freitag. 

Etwas bewegt sich - aber in die falsche Richtung

Ob Keller taktisch und personell Veränderungen vornimmt, um in Stuttgart zu bestehen, war nicht das Thema. Er hofft, dass Enrico Valentini eine Magen-Darm-Erkrankung rechtzeitig auskuriert. Für Oliver Sorg und Patrick Erras (beide muskuläre Probleme)  wird es wohl nicht reichen. Seine Hauptaufgabe sieht Keller so: "Wir müssen die Mannschaft mental stark bekommen, damit sie sich von Rückschlägen nicht mehr so runterziehen lässt." Nach dem schnellen Rückstand gegen Wehen beobachtete er: "In der Mannschaft bewegt sich was, aber in die falsche Richtung." Positiv stimmten ihn immerhin die Spieldaten, die unter anderem 24 Nürnberger Torschüsse auswiesen: "Das hat gezeigt, dass die Mannschaft will."

Sportvorstand Robert Palikuca war jedoch so entgeistert vom Auftreten der Mannschaft, dass er vor dem Sonntagstraining eine halbstündige Brandrede hielt und "jedem einzelnen" seine Erwartungen für die drei letzten Partien des Jahres verdeutlichte. "Es geht darum, jedes Spiel mit der nötigen Aggression anzugehen", sagte Palikuca danach den Journalisten. In der Winterpause sollen Schwachstellen im Kader behoben werden. "Es ist logisch, dass man sich jetzt ernsthaft darüber Gedanken macht, Veränderungen vorzunehmen", sagte Palikuca.    

"Wir müssen die Mannschaft mental stark bekommen, damit sie sich von Rückschlägen nicht mehr so runterziehen lässt." 
Jens Keller, Nürnberger Trainer

Gefordert sind jetzt besonders Führungsspieler wie Kapitän Hanno Behrens und Johannes Geis, die zuletzt häufig nur damit beschäftigt waren, nicht allzu viele Fehler zu machen. Auch Georg Margreitter wäre ein solcher Führungsspieler, doch der Österreicher fehlte seit dem 4:0 in Hannover - dem letzten Sieg, zu dem er einen Kopfball-Doppelpack beitrug.  "Wenn es uns gelingt, die Unruhe von uns wegzuhalten und jeder wieder seinen Job macht, dann werden wir den Karren auch wieder aus dem Dreck ziehen", sagte der Innenverteidiger der "Bild"-Zeitung. Seit Mittwoch steht er nach einer chronischen Entzündung der Achillessehne endlich wieder im Training, ein Einsatz in Stuttgart käme aber wohl zu früh. 

Rückkehr zu seinem Heimatverein

Die seit acht Spielen sieglosen und seit 210 Minuten torlosen Kollegen sieht Margreitter bei den Schwaben nicht chancenlos: "Stuttgart hat eine schwere Phase und Fans, die sehr anspruchsvoll sind." Aber immerhin steht der Mitabsteiger trotz der letzten 1:2-Niederlage in Sandhausen auf Rang drei, nur drei Punkte hinter dem sicheren zweiten Aufstiegsplatz. "Stuttgart hat für mich den besten Kader der Liga, enorme Qualität auch in der Breite", sagt Keller vor der Rückkehr zu seinem Heimatverein, für den er spielte und Trainer in verschiedenen Ebenen war.

Ex-Cluberer Daniel Didavi feiert nach einer sechswöchigen Verletzungspause am Montag eventuell sein Comeback. Für Keller ein Faktor, den es zu beachten gilt: "Mit ihm war der VfB  erfolgreicher. 'Dida' ist in der zweiten Liga ein Riesenspieler. Aber wenn er lange pausiert hat, dann braucht er immer eine gewisse Zeit, bis er körperlich wieder voll da ist."  

Rückblick

  1. Jens Keller und sein Matchwinner Robin Hack
  2. Robin Hack macht den Unterschied
  3. Kieler Ausgleich sorgt für Entsetzen beim Club
  4. Der Club wirkt gezeichnet vom Abstiegskampf
  5. Die Nürnberger Talfahrt geht weiter
  6. Keller sieht keinen Anlass für Panik
  7. Unangenehmer Gang in die Nordkurve
  8. Ein 0:0, das niemand richtig glücklich macht
  9. Geis hat keine Angst vor Pfiffen
  10. Rachid Azzouzi: "Wir haben  hohe Ansprüche an uns selbst"
  11. Wo Jens Keller beim Club ansetzen muss
  12. Das Maß war einfach voll
  13. Marek Mintal springt beim Club ein
  14. Nürnberger Krise verschärft sich in Bochum
  15. Der Club und die nervigen Achterbahnfahrten
  16. Pokal-Drama endet mit Club-Aus
  17. Der Club kann kein Ergebnis sichern
  18. Die Großzügigkeit von Johannes Geis
  19. Aues Torwart nimmt Vorwürfe an den Club zurück
  20. Club verliert ein verrücktes Spiel
  21. Eine Premiere für Georg Margreitter
  22. Trotz des verpassten Sieges: Auf dem Weg zum Canadi-Club
  23. Club bringt sich um Lohn für starken Auftritt
  24. Der Club auf dem Weg aus der Krise: Geis trifft zum Sieg
  25. Die Nürnberger Baustelle
  26. Erschreckend schwacher Club
  27. Wie Michael Köllner Spieler entwickelt
  28. Die Nürnberger Schwäche liegt im System
  29. Warum Johannes Geis zum Club ging
  30. Der Club holt Mittelfeldspieler Johannes Geis
  31. Fast alles neu beim 1. FC Nürnberg
  32. Nürnberger Fans nehmen dem Club Abstieg nicht übel
  33. Damir Canadis Auftrag: Zurück in die Bundesliga
  34. Ein Österreicher als neuer Coach des 1. FC Nürnberg?
  35. Ein Nürnberger Abstieg in Harmonie
  36. Kommentar zum Club: Warum der Wiederaufstieg das Ziel sein muss
  37. Nach 0:2 in Wolfsburg: Dem Club helfen nur noch zwei Siege
  38. 1. FC Nürnberg: Verhängnisvolle Zentimeter
  39. FC Bayern: Kovac sieht noch drei Endspiele
  40. Der Club verpasst die Derby-Sensation
  41. Warum Robert Palikuca auf noch sieben Club-Spiele hofft
  42. Die Leistung gegen Schalke gibt Nürnberg Mut
  43. Club-Kapitän Hanno Behrens als tragische Figur
  44. Dem 1. FC Nürnberg fehlt es an Kaltschnäuzigkeit und Klasse
  45. 1. FC Nürnberg findet endlich einen neuen Sportchef
  46. FCN: Was kann der 3:0-Erfolg gegen Augsburg noch bewirken?
  47. 1. FC Nürnberg: Erfolgsmeldung aus der Stadtbücherei
  48. Heißer Kandidat für den Club-Sportvorstand
  49. 0:1 gegen Leipzig: Der Club-Abstieg rückt näher
  50. Christian Mathenia: Die Leiden des Leidenschaftlichen

Schlagworte

  • Hans Strauß
  • 1. FC Nürnberg
  • Aggression
  • Bundesligasaison
  • Bundesligen
  • Daniel Didavi
  • Jens Keller
  • Johannes Geis
  • Panik
  • VfB Stuttgart
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!