WÜRZBURG

Legendäre Fußballlieder: Zu welchem Verein gehört welcher Fangesang?

Der 12. Mann ist im Fußballstadion immer ein Faktor. Jede Anhängerschaft hat im Laufe der Jahrzehnte eigene Fangesänge entwickelt, um ihre Mannschaft anzufeuern. Wie gut kennen Sie sich aus? Testen Sie Ihr Wissen am Ende des Artikels!
FC Bayern München - singende Fans
Im Münchner Olympiastadion bejubeln die Anhänger des FC Bayern München ihr Team. Foto: Bernd Weißbrod (dpa)

Am Anfang war dieses Bühnenstück: „Liliom“ von Ferenc Molnár. Der Ungar ließ 1909 einen Schausteller seine schwangere Frau verprügeln und sich später selbst richten. Vom Himmelsgericht für einen Tag auf die Erde geschickt, seine Sünden zu büßen, schlug er seine Tochter. 1945 dient das skurrile Werk Richard Charles Rodgers und Oskar Hammerstein als Vorlage zum Broadway-Musical „Carousel“. Die Geburtsstunde des berühmtesten aller Fußball-Lieder: „You'll never walk alone“. Die Liverpooler Band Gerry & and the Pacemakers machte 1963 einen Nummer-eins-Hit daraus. Den Siegeszug in die Stadien der Welt jedoch trat der Schleicher, der den Beatles einst zu langsam war, vom Fanblock des FC Liverpool aus an.

Große Hymnen darf es auch in deutschen Fan-Kurven haben. Reinhard Kopiez, der von 1995 bis 98 Professor für systematische Musikwissenschaft an der Würzburger Musik-Hochschule war, widmet dem Phänomen sein 2003 erschienenes Buch „Fußball-Fangesänge – eine FANomenologie“. Der inzwischen in Hannover dozierende Musikpädagoge und sein Co-Autor Guido Brink, ein studierter Schulmusiker und Gitarrist, beschäftigen sich wissenschaftlich mit dem zur Folklore gewordenen Fußball-Business einerseits und der Sangeskultur der Fans andererseits.

Letztere sei in Deutschland, als in England bereits ganze Strophen gesungen wurden, bis weit in die 70er Jahre hinein nicht über Anfeuerungsrufe, Torjubel und Klatschen hinausgekommen. Und danach habe es noch lang genug „Hey na na“ und „Schalala“ gescheppert – oder „Hi, ha, ho, xy ist k.o.“. Erst dann spülte es komplexeres Liedgut in deutsche Stadien. Zunächst in Form eigens komponierter Vereins-Songs oder umgedichteter Top-Ten-Hits. Und als sich um 2000 nach italienischem Vorbild vermehrt Ultra-Gruppierungen auf den Rängen breitmachten, bediente sich die Szene uralter Klamotten aus dem Vereins-Schatzkästchen oder Eigenkreationen. Auch, weil den Ultras der Kommerz offizieller Klub-Lieder zuwider war; eine Orgie des Einfallsreichtums sind diese seelenlosen Auftragsarbeiten nämlich selten.

Durch den Gesang wachsen die Fans zusammen

Allen Gesängen ist jedoch eines gemein: der Ausdruck von Zusammengehörigkeitsgefühl – der Fans untereinander, aber auch zu Mannschaft und Verein. Das funktioniert in Stadien in etwa so, wie in Kirchen – es sind archaische Mechanismen gemeinsamen Singens. Auch bei, einem Gottesdienst nicht unähnlichen, Fußballspielen gibt's Tod (Abstieg) und Wiederauferstehung (Aufstieg).

Oder Erlösung (Tor, Sieg). Es wird genauso beim Singen bevorzugt gestanden. Aber es geht halt ohne Orgel und Gesangbuch. Weil, so Kopiez und Brink, das Repertoire meist popularmusikalische Wurzeln hat, mit geradem Takt, begrenztem Tonumfang, häufigen Tonwiederholungen, einstimmigen Melodien und klaren Reimstrukturen. Die größte Leistung besteht im Verzicht auf Begleitung: Die Fans singen a capella. Und keine so schön wie die (Zufall?) streng katholischen Iren, die schon mal minutenlang am Stück das legendäre „Fields of Athenry“ schmettern können, wenn's 0:4 gegen Spanien steht.

Spontan. Anders als die Ultras, die in der Regel „dirigiert“ werden von einem Vorsänger. Die einstudierten Songs lähmen die Spontanität – aber: Sie haben Humor und Sprachwitz in die Kurve gebracht. Wie schnell das mit zu forschem Witz aber in die Hose gehen kann, erlebte der FC Schalke 04, wenngleich mit seinem Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb ich dich“, das aus der Feder eines karnevalserprobten Kölners stammt. Zur Melodie einer Jäger-Schmonzette dichtete Hans J. König „Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht.“ Muslime waren empört. Kokolores, entschieden aber sowohl der Zentralrat der Muslime in Deutschland wie auch, in Person seines Leiters Muhammad Salim Abdullah, das Zentralinstitut Islam-Archiv Deutschland: „Die Empörung ist eine Humorlosigkeit, die zum Himmel stinkt. Das ist ein Bestätigungslied, das Muslime aus voller Kehle mitsingen sollten.“

Urige Nummer mit Tätärä und Tschingderassabum

Humorlosigkeit lässt sich Volker Heißmann nicht unterstellen. Der ist waschechter Fürther, Comedian und seit drei Monaten Vize-Präsident der SpVgg Greuther Fürth. Und Schöpfer der Kleeblatt-Hymne „Dass wir vom Ronhof sind“ – einer urigen Nummer mit Tätärä und Tschingderassabum. Nebenan suhlt sich der Club lieber in Pathos. „Die Legende lebt“ – eine solche ist der Ex-Rekordmeister als nun Rekord-Ab- und Wiederaufsteiger schon. Und ein Beispiel, dass das organisierte Anfeuern nicht immer helfen muss. Die Fans des 1. FC Nürnberg gehören zur Bundesliga-Spitze, die Fußballer nicht.

Und was macht einen Fan-Song aus? Kopiez: „Dazu gehört eine möglichst spannungslose Melodie ohne Ecken und Kanten. Zudem muss die Melodie für eine Endlosschleife geeignet sein.“ Die Dortmunder Fan-Hymne dient als Paradebeispiel: glatte Melodie und eine endlose Wiederholung des Wortes „Borussia“. Vielleicht ist der BVB deswegen Bundesliga-Spitzenreiter, während sich der FC Würzburger Kickers und der FC 05 Schweinfurt  in der dritten und vierten Liga verdingen müssen. Denn bei den Roten dichtet sich der Cräcker („Würzburgs Nummer eins“) genauso strophenlang einen ab, wie Alleinunterhalter Peter Fabian, der in den Neunzigern den Schnüdel-Klassiker „Grün-weiß sind unsere Farben“ komponiert hatte: „Eins, zwei, drei, vier – Eff Zeh Null Fünf.“ Auch irgendwie Kult.


Legendäre Fußball-Lieder

Regionale Fan-/Vereinslieder

  • FC 05 Schweinfurt: Grün-weiß sind unsere Farben vom Mee (Peter Fabian)
  • FC Würzburger Kickers: Würzburgs Nummer eins (Cräcker)
  • Würzburger FV: Wir sind Nullvierer (zur Melodie des Goombay-Dance-Band-Klassikers Sun of Jamaica)

Überregionale Fan-/Vereinslieder

  • FC Bayern München: Stern des Südens (Willy Astor)
  • 1860 München: Stark wie noch nie (Michael Benker)
  • Borussia Dortmund: Borussia (Bruno Knust)
  • Schalke 04: Blau und weiß, wie lieb ich dich (Hans J. König)
  • 1. FC Nürnberg: Die Legende lebt (1. FCN Party Projekt (feat. Oliver Hartmann)
  • Hamburger SV: Hamburg meine Fußball-Perle (Lotto King Karl)
  • Union Berlin: Eisern Union (Nina Hagen)
  • Eintracht Frankfurt: Schwarz weiß wie Schnee (Tankard)
  • VfB Stuttgart: VfB ein leben Lang (Die Fraktion)
  • 1. FC Köln: Mer stonn zo dir, FC Kölle (Höhner)
  • Greuther Fürth: Dass wir vom Ronhof sind (Volker Heißmann und die Kleeblatt Heroes)
  • Dynamo Dresden: Wir sind der zwölfte Mann (Das Electra Studio Ensemble)

Stadion-Hits

  • Gerry & The Pacemakers: You'll never walk alone
  • White Stripes: Seven Nation Army
  • Queen: We are the Champions
  • Jeronimo: Na Na He He
  • Böhse Onkelz: Mexiko
  • Pet Shop Boys: Go West

Songs zur Euro und WM

  • DFB-Elf: Fußball ist unser Leben (WM 1974)
  • Udo Jürgens: Buenos Dias Argentina (WM 1978)
  • Gianna Nannini & Edoardo Bennato:
  • Un'estate Italiana (WM 1990)
  • Lightning Seeds: Three Lions (EM 1996)
  • Sportfreunde Stiller: 54, 74, 90, 2006 (WM 2006)
  • Oliver Pocher: Schwarz und weiß (WM 2006)
  • Herbert Grönemeyer: Zeit, dass sich was dreht (WM 2006)

Songs über Fußballer

  • Klaus & Klaus: Ein Rudi Völler
  • Ikke Hüftgold & VfL Eschhofen feat. Kreisligalegende: Modeste-Song
  • Roque Santa Cruz: Ich Roque

Songs von Fußballern

  • Franz Beckenbauer: Gute Freunde kann niemand trennen
  • Petar „Radi“ Radenkovic: Bin I Radi, bin I König
  • DFB-Elf: Fußball ist unser Leben
  • Roque Santa Cruz: Ich Roque

Und natürlich der wohl berühmteste deutsche Schmähgesang . . .

  • Die Toten Hosen: Bayern-Song

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